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Potsdam Fahrrad-Demonstranten: Potsdam soll den Klimanotstand ausrufen
Lokales Potsdam Fahrrad-Demonstranten: Potsdam soll den Klimanotstand ausrufen
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16:07 25.05.2019
Am Samstag Nachmittag rief das Aktionsbündnis potsdam autofrei! zusammen mit dem VCD Brandenburg, dem ADFC Potsdam und der Fraktion die aNDERE zu einer Großdemonstration mit einem Fahrradkorso durch Potsdam für eine radikale Verkehrswende auf. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Baustellen, Umleitungen, Stau: Potsdam ist geplagt vom fast täglich wachsenden Berufsverkehr und seinen Folgen. Was tun? Umsteigen aufs Fahrrad, schlägt das Aktionsbündnis „Potsdam autofrei“ vor. Um dies zu unterstreichen, wurde am Sonnabend zur großen familienfreundlichen Fahrraddemo aufgerufen.

Die Demonstranten auf Drahteseln trafen sich um 14 Uhr auf der Havelseite des Potsdamer Hauptbahnhofs ein. Vor dort ging es quer durch die Stadt bis zur Feuerbachstraße.

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Zur Demo mit dem Drahtesel hatte das Aktionsbündnis Potsdam autofrei aufgerufen. Quer durch die Stadt vom Hauptbahnhof bis zur Feuerbachstraße klingelte sich die Kolonne. Hier einige Impressionen.

Forderung nach einer Verkehrswende in Potsdam

Potsdam braucht eine radikale und konsequent umgesetzte Verkehrswende“, fordert das Bündnis, das gemeinsam mit dem Verkehrsclub Deutschland (VDC) Brandenburg, dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Potsdam und der Stadtverordneten-Fraktion „Die Andere“ den Protest organisiert hatte.

Wie ein „autofreier Erlebnisraum“ aussehen kann, machten die Organisatoren in der Feuerbachstraße deutlich. Dort sollte jeder Teilnehmer sehen, wie eine Straße „gänzlich befreit von fahrenden und parkenden Autos“ wirken kann. „Unsere Vision ist eine autofreie Stadt, also ein Potsdam ohne motorisierten Individualverkehr“, heißt es bei dem Bündnis, das kostenloses Bus- und Bahnfahren, eine sichere Fahrradinfrastruktur und die Rückgewinnung des öffentlichen Raumes für alle Menschen fordert.

Stadt soll den Klimanotstand ausrufen

Mit der Verkehrswende-Forderung beruft man sich auf die „sich dramatisch verschärfende Klimakrise“, wie sie auch von den „Fridays for Future“-Aktivisten thematisiert wird. Rina Reiser von „Potsdam autofrei“ sagt: „Rund 17 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland werden durch den Straßenverkehr verursacht. Unsere Mobilität und Gütertransporte sind fast komplett abhängig von fossilen Kraftstoffen. Ein Umsteuern auf nicht-fossile Systeme ist zwingend erforderlich und es bleibt nicht mehr viel Zeit für ein radikales Umsteuern. In den nächsten zehn Jahren muss eine große Transformation angestoßen werden.“ Deswegen soll die Stadt Potsdam ähnlich wie Kiel den „Klimanotstand“ ausrufen.

Potsdam autofrei“ setzt sich aber nicht nur für einen Wandel des motorisierten Antriebs ein. Für das Aktionsbündnis würden Elektroautos die Probleme nur verlagern, weil die Herstellung weiterhin problematisch sei und die Versorgung durch regenerative Energiequellen nicht ausreiche, um die Mobilität wie gewohnt mit privaten motorisierten Fahrzeugen zu gestalten.

Mehr Platz für Menschen statt für Autos

Zudem möchte das Bündnis, dass öffentlicher Raum weniger vom Individualverkehr in Beschlag genommen wird. „Neben der Luftschadstoffbelastung, der stetig zunehmenden Flächenversiegelung, den Lärmproblemen und dem Unfallrisiko, ist es insbesondere auch die Platzproblematik, die durch die autozentrierte Verkehrsplanung immer gravierender wird“, so Rina Reiser weiter, „ein zentraler Punkt der Demonstration ist demnach auch, darauf hinzuweisen, dass der stehende Verkehr, also die parkenden Autos wichtigen Platz für ein städtisches, nachbarschaftliches und gemeinwohlorientiertes öffentliches Leben wegnimmt.“

Das Aktionsbündnis hat sich für ihre diesjährige zentrale Aktion die Feuerbachstraße in Potsdam West ausgesucht, weil in dem Stadtteil sowohl die Wohnkosten enorm gestiegen sind als auch der Parkraum knapp und durch Bewirtschaftung auch teuer geworden ist. Auch das Potsdamer Radverkehrskonzept sehe für die Feuerbachstraße in ihrer Radwegenetzfunktion eine sehr hohe Priorität und weist diese als Hauptroute mit der Stufe 1 aus. Zwar soll seitens der Stadt geprüft werden, eine Fahrradstraße einzurichten, doch gebe es bisher „keine Hinweise dafür, dass diese dringend erforderliche Prüfung zeitnah erfolgt“, heißt es. Das Radverkehrskonzept wurde vor fünf Jahren verabschiedet.

Bündnis kündigt Lastenradverleihsystem „fLotte Potsdam“ an

Wie alternativer Radverkehr aussehen kann, zeigten die Demo-Organisatoren ganz praktisch. So wurden in der Feuerbachstraße Lastenräder zum Ausprobieren ausgestellt. In Potsdam gibt es ein wachsendes Netzwerk an Geschäften, Organisationen und Vereinen, die kostenlos Lastenräder verleihen oder dies fördern. Nach dem Vorbild der „fLotte Berlin“ soll mit Unterstützung der Stadtverwaltung noch in diesem Jahr auch in Potsdam ein onlinebasiertes und kostenloses Lastenradverleihsystem („fLotte Potsdam“) entstehen.

In einer offenen Konferenz im Vorfeld der Kommunal- und Europawahlen am Sonntag, einer sogenannten Asambleas, konnten die Teilnehmer sich über Umwelt- und Klimaprobleme informieren und austauschen. Schwerpunkt waren Visionen für den Stadtverkehr.

Ruf nach mehr Fahrrad-Parkplätzen

Wer Ideen entwickelte oder schon mitbrachte, konnte sie gleich darstellen – indem er sie zum Beispiel mit Straßenkreide auf den Boden einer Parklücke in der Feuerbachstraße malte. Außerdem wurde vorübergehend eine offene Fahrradwerkstatt eingerichtet.

Um die ganzen Fahrräder der Demo-Teilnehmer abstellen zu könne, ohne ein Chaos zu verursachen, sollte ein zentraler Fahrradparkplatz dienen. Damit sollte auch verdeutlicht werden, wie viele Fahrräder auf dem Stellplatz von einem Auto Platz finden. Der Ruf nach mehr Fahrradabstellplätzen gehört auch zu den Forderungen des Bündnisses.

Von MAZonline

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