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Potsdam Anpfiff für SVB-Fanladen in Babelsberg
Lokales Potsdam Anpfiff für SVB-Fanladen in Babelsberg
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01:16 08.10.2018
Eröffnung des neuen Fanladens vom Fußballverein SVB 03 in der Rudolf-Breitscheid-Straße 19. Foto:Bernd Gartenschläger Quelle: Bernd Gartenschläger
Babelsberg

Bordeauxrote Außenfassade trifft blau-weiße „Nulldreier“-Inneneinrichtung: Dieses Farbzusammenspiel ist ab sofort im Babelsberger Kiez anzufinden. An der Ecke der Daimler- und Rudolf-Breitscheid-Straße, an der einst eine Volksbankfiliale zuhause war, ist gestern der neue Fanladen des Fanprojekts des SV Babelsberg 03 eröffnet worden. An die frühere Bankfiliale erinnert im Inneren des Erdgeschosses erinnert nun nichts mehr.

Schon seit Anfang Juli haben Dutzende Fans es sich in handwerklicher Eigenleistung in den Vereinsfarben auf rund 200 Quadratmetern in den neuen Räumen bequem gemacht. Dafür wurden Wände trockengelegt, gemalert, mit blau-weißer Streetart versehen und Elektronik sowie Sanitäranlagen neu eingebaut. „Es gab Babelsberg-Fans, die nach ihrem Arbeitstag im Fanladen noch bis in den späten Abend weitergearbeitet haben“, sagt Marcus Burmester.

An der Realisierung des neuen Fanladens haben mehrere Menschen entscheidend mitgewirkt (von links nach rechts): U.a. SPI-Geschäftsführer Andreas von Essen, Marcus Burmester (Fanprojekt Babelsberag),Marion Kowal (Koordinationsstelle Fanprojekte in Frankfurt/Main), Denny Menzel (Fachbeirat),Patrice Hannig (Projektleiter) und Christian Lippold (Vorstand SVB 03). Foto:Bernd Gartenschläger Quelle: Bernd Gartenschläger

Fanladen von Fans für Fans

Er betreut zusammen mit Patrice Hannig mittlerweile das Fanprojekt des Vereins. Beide sind seit Dezember 2017 und Februar 2018 die neuen Sozialarbeiter im Fanprojekt. Sie haben die Krise beendet, in der das Projekt 2017 steckte. Innerhalb eines Jahres hatten aus verschiedenen Gründen – Krankheit, Mutterschutz, auch fehlende Akzeptanz bei den Fans – mehrfach die Betreuer gewechselt. Die letzte Saison begann für die Fans ohne die üblichen Vermittler und Ansprechpartner. „Einige Fans hatten sogar Angst, dass das Fanprojekt komplett eingestellt würde“, sagt Burmester, „doch gemeinsam mit den Babelsberger Fußballfans haben wir dem Projekt wieder Leben eingehaucht.“

Der Tischkicker wurde bei der Eröffnung des Fanladens auf Herz und Nieren getestet. Foto:Bernd Gartenschläger Quelle: Bernd Gartenschläger

Dabei spielt der Fußball selbst für Hannig und Burmester nur eine untergeordnete Rolle. „Wir sind Sozialarbeiter und haben den Blick für die Jugendlichen, die hierher kommen und ihre Freizeit hier verbringen“, erzählt Hannig. Neben der Fußballbegeisterung, die beide mit den jungen Fans teilen, haben sie jederzeit offene Ohren für deren Anliegen, egal ob Liebeskummer, Ärger mit Eltern und Lehrern, Mobbing oder Gewalterfahrungen. „Der Fußball ist unser Zugang zu den Jugendlichen, mit denen wir in Fußballstadien gehen und gemeinsam kreative Projekte umsetzen – wie eben auch den Fanladen“, legt Burmester dar.

Kicker von Babelsberg 03 kommen vorbei

Bei ihrer Arbeit mit den jungen Fußballfans ist es den beiden ein besonderes Anliegen, ihnen ein weltoffenes und tolerantes Miteinander zu vermitteln – inner- wie außerhalb von Fußballstadien. „In Babelsberg zum Beispiel können Schwarze und Homosexuelle ohne Probleme ins Stadion gehen. Das ist leider nicht überall der Fall“, sagt Patrice Hannig. Eine große Fahne für Toleranz und Vielfalt, die sie im September mit Jugendlichen zusammen gestalteten, wurde beim Nulldrei-Auswärtsspiel in Nordhausen nicht mit in die Fankurve gelassen. „Das hat uns geärgert, weil wir sie extra vorbereitet hatten. Normalerweise befürwortet die Mehrheit der Vereine unsere Arbeit, aber es gibt weiterhin Widerstände“, sagt Burmester.

In der Rudolf-Breitscheid-Straße ist der neue Fanladen bereits angekommen. 30 bis 40 junge Leute tummeln sich regelmäßig seit Anfang September im Fanladen, um an Spielkonsole, Tischkicker und Dartscheibe Spaß zu haben oder bei einer Feierabend-Cola ins Gespräch zu kommen. Für den Oktober plant das Fanprojekt Babelsberg hier einen Spieleabend und will Stoffbeutel bedrucken. Auch die Kicker von Babelsberg 03 haben sich angekündigt. Nach dem nächsten Auswärtsspiel in Fürstenwalde wollen sie die Menschen kennenlernen, die sie stets anfeuern und mit dem Fanladen ihre eigene blau-weiße Welt geschaffen haben.

Über das Fanprojekt Babelsberg

Das Fanprojekt Babelsberg existiert seit 2001 und wird von der Stiftung SPI betrieben. Die gemeinnützige Stiftung betreibt in Potsdam auch das Jugendkultur- und Familienzentrum Lindenpark und das Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum in der Dortustraße.

Bis Juni 2018 hatte das Fanprojekt in der Karl-Gruhl-Straße seinen Fanladen, bevor der Mietvertrag endete und ein Umzug in die Rudolf-Breitscheid-Straße nötig wurde. Die Umbaumaßnahmen im neuen Fanladen haben rund 18 000 Euro gekostet. Während die Stadt Potsdam und das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport jeweils ein Viertel der Kosten übernahmen, kam der Deutsche Fußball-Bund für die restlichen Summe auf.

Geöffnet ist der Fanladen Babelsberg montags von 16 bis 22 Uhr und donnerstags von 15 bis 21 Uhr. Zudem öffnet er zwei Stunden vor und nach allen Heimspielen des SV Babelsberg 03 seine Türen.

Von Fabian Lamster

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