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Potsdam Unwetter: „Hätte nicht gedacht, dass wir so lange im Einsatz sind“
Lokales Potsdam Unwetter: „Hätte nicht gedacht, dass wir so lange im Einsatz sind“
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00:26 15.06.2019
Rainer Schulz ist Bereichsleiter für Gefahrenvorbeugung und stellvertretender Potsdamer Feuerwehrchef. Quelle: Julian Stähle
Potsdam

Rainer Schulz leitet den Bereich Gefahrenabwehr in der Potsdamer Stadtverwaltung. Zugleich ist er stellvertretender Chef der Berufsfeuerwehr. Im MAZ-Interview spricht er über die vergangene Gewitternacht und die kommenden Einsätze an diesem Abend.

Wie haben Sie und die Einsatzkräfte die Nacht überstanden?

Rainer Schulz:
Wir mussten 200 Einsätze bewältigen, von denen die letzten zwei noch immer nicht abgeschlossen sind. Alle 15 Freiwilligen Feuerwehren mit ihren 350 Kameraden und die Berufswehr mit 37 Mann waren im Einsatz. Dazu kamen das Technische Hilfswerk und andere Hilfsorganisationen. Gerade pumpen wir noch immer zwei Tiefgaragen leer.

Es gab zahlreiche Überflutungen und Verkehrsbeeinträchtigungen, auch umgestürzte Bäume – kamen eigentlich Menschen zu Schaden?

Nein, mir sind keine Verletzten bekannt.

Gab es unter den 200 Alarmierungen unerwartet schwierige Einsätze?

Ja, die voll gelaufenen Tiefgaragen. Ich hätte nicht gedacht, dass wir dort so lange im Einsatz sind. In der Behlertstraße stand das Wasser 1,50 Meter hoch im Keller, da pumpen wir seit sechs Uhr morgens. In einer Pflegeeinrichtung in der Hegelallee sind wir seit acht Stunden beim Abpumpen und haben rund 150 Kubikmeter herausgeholt.

In der Nacht zu Mittwoch krachte es über Potsdam. Eine Gewitterfront mit Starkregen zog über die Landeshauptstadt und überflutete Straßen und Keller. Die Folgen sind auch am Morgen noch sichtbar.

Ein ungewöhnliches Bild bot heute der Stadtkanal in der Yorckstraße, der bis oben hin geflutet war. Bot das leere Becken eigentlich Entlastung?

Ja, das hat schon geholfen. Aber am Ende ist sogar der Kanal auf die Straße übergelaufen. Ob er heute erneut als Becken zur Verfügung steht, kann ich aber nicht sagen. Der wird durch die Stadtwerke gesteuert.

Das nächste Gewitter mit Starkregen ist angekündigt – wie bereiten Sie sich darauf vor?

Jetzt sind wir noch bei Restarbeiten, an denen die Bornimer und Drewitzer Freiwillige Feuerwehr beteiligt ist. Alle anderen Kameraden konnten schon entlassen werden und können sich ausruhen. Im Einsatzstab gab es am Morgen den ersten Personalwechsel. Der Stab wurde jetzt erst einmal verkleinert und tritt um 17.30 Uhr wieder zusammen. Wir erwarten, dass das Unwetter ab 18 Uhr Potsdam erreicht. Dann werden wieder alle Freiwilligen Feuerwehren und die Berufsfeuerwehr bereit stehen. Auch die Einsatzleitstelle wurde aufgestockt, um das höhere Einsatzaufkommen zu bewältigen.

Wird es so schlimm wie letzte Nacht?

Nein. Wenn ich mir das Wolkenbild des Deutschen Wetterdienstes anschaue, wird es nicht so schlimm wie in der letzten Nacht. Wir werden auf Twitter vorwarnen, wenn es losgeht und die Bevölkerung informieren.

Straßenbahnen fuhren gestern nicht, auch mit dem Auto blieben viele stehen. Was ist der sicherste Weg durch so einen Starkregen?

Wenn man mit der Straßenbahn unterwegs ist und die dann ausfällt, wird auf jeden Fall ein Ersatzverkehr organisiert. Das ist ein Unterschied zum Auto. Am sichersten ist es bei solchen Wetterwarnungen zu Hause zu bleiben, aber die Warnungen nimmt ja keiner wahr.

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