Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Fisch vom Feinsten im Restaurant „Butt“ in Potsdams Innenstadt
Lokales Potsdam Fisch vom Feinsten im Restaurant „Butt“ in Potsdams Innenstadt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:48 18.04.2019
Oberkellner Martin Kühne vom Butt. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Dill, eindeutig. Die erste Nase, die man nimmt, wenn man die Stufen zum Butt erklommen hat, duftet vielversprechend, auch wenn Küchengerüche ansonsten nicht unbedingt zu einer Gastro-Visitenkarte gehören. Und, ganz ehrlich, wenn man Mutters Fischküche sowie Fischrestaurants aus seiner Kindheit und Jugend kennt, dann kommen Vorurteile durch. Diese aber, soviel schon vorweg, kann man hier ganz schnell beiseite schieben Der Butt ist Heilung für früheres Ungemach.

Restaurantinhaber und Küchenchef Alexander Wendland. Quelle: Bernd Gartenschläger

Der Butt an sich ist ein Plattfisch, keiner der schönsten Meeresbewohner, aber mit seinen beiden auf einer Seite liegenden Augen ein spannendes Lebewesen. Das gleichnamige Fischrestaurant, gelegen in einem über 370 Jahre alten Eckgebäude, ist eine gemütliche Speisestube. Preußisches Wohnstubenflair ohne piefig zu sein, schön mit gelben und weißen Stofftischdecken, Wein- und gelben Wassergläsern, Besteck – selbstredend auch Fischmesser – eingedeckt, mit Kerzen und Frühling versprühenden Tulpen-Vasen dekoriert, dazu angenehme Hintergrundmusik. Der Aperitif- und Digestif-Tisch an der Eingangstür des Gastraumes steht für gesellige Abende in seit 2001 bestehenden Restauration.

Breite Fisch-Auswahl auf der Karte

Die gut gelaunte, beherzte Dame im Service ist die Chefin, der Küchenchef ihr Mann, Kerstin und Alexander Wendland, ein sympathisch-versiertes Gastro-Paar. Die Speisekarte liest sich wie eine kleine Fisch- und Meeresfrüchte-Fibel: aus heimischen Gewässern die Regenbogenforelle, „blau“ wie nach „Müllerin-Art“, oder der Havel-Aal „grün“, aus dem Meer Dorsch, als Filet mit einer Dijon-Senfsauce, Knurrhahn, als gebratenes Filet, Dorade, im Ganzen gebraten, schwarzer Heilbutt, als Filet mit Hummerschaumsauce. Apropos, auf Vorbestellung wird auch ein ganzer Hummer serviert und passend dazu gehört auch Champagner zum Getränkeangebot.

Dorschfilet auf Dijon-Senfsoße mit gratiniertem Kartoffelstampf. Quelle: Bernd Gartenschläger

Ein regionaler Klassiker ist die Finkenwerder Speckscholle, die im Ganzen gebraten wird, dazu Bratkartoffeln und Gurkensalat. So einfach und bodenständig dieses Gericht ist, so sehr zeigt der Butt hier, was er auf der Pfanne hat. Der Fisch, heiß und ganz frisch vom Herd, lugt fast schon ein wenig über den Tellerrand. Die Bratkartoffeln sind köstlich und das aus einem fast schon trivialen Grund. Dafür wurden die Knollen noch von Hand geschält und geschnippelt – Fertigware hat in der Butt-Küche nichts zu suchen – und nach Hausfrauenart zubereitet.

Salatdressing ist etwas altmodisch

Der Gurkensalat präsentiert sich nach Omas Rezept. Die muss eine Süße gewesen sein, entsprechend hat sie ihr Dressing zubereitet, für mich ein wenig zu altmodisch.

Wenn Fisch, dann von Anfang an und so ist der Abend bereits mit dem Hering gestartet, als Heringshäckerle. Häckerle, also klein geschnittener Fisch oder auch Fleisch ist ein aus Schlesien stammendes Gericht, das schnell andere deutsche Regionalküchen erobert hat.

MAZ Restaurantserie "Aufgetischt" hier das Fischrestaurant "Der Butt" in der Potsdamer Gutenbergstraße 25 Foto:Bernd Gartenschläger Quelle: Bernd Gartenschläger

Fisch muss und darf bekanntermaßen schwimmen, bei der Weinbestellung wird dem Begleiter bereits freundlich die Schulter getätschelt, als der noch ein wenig länger für die Bestellung braucht. Die Weißweincuvée aus Weiß- und Grauburgunder von Pfaffmann aus der Pfalz trägt ihren Namen „Der Fisch muss schwimmen“ zu Recht und macht sich ausgesprochen gut zum Häckerle, das mit roten Zwiebeln und geröstetem Bio-Vollkornbrot gereicht wird. Eine, wie zu erwarten war, große Portion, die man sich daher bestens teilen kann. Eine gute Qualität, nur einen Hauch zu salzig, da gibt es wohl einen in die Ehefrau verliebten Küchenchef.

Als Vorspeise hätten auch eine Bouillabaisse (gibt es auch als Hauptgang) oder Jakobsmuscheln Provençal gelockt, das aber sind für mich Gerichte, für die ich erst Vertrauen zum Küchenchef fassen muss, das nächste Mal also.

Zu jedem Gericht der passende Wein. Quelle: Bernd Gartenschläger

Beim zweiten Hauptgericht geht es in den hohen Norden zu einem gegrillten Norwegerlachsfilet. Der steht mit Rahm-Blattspinat und Tagliatelle in der Karte. Ob eine Extrawurst, Salatbeilage statt Nudeln, möglich sei, frage ich mich. Kein Problem, lautet die Antwort. Ob der Lachs innen so roh wie möglich zubereitet werden könne, da müsse beim Küchenchef nachgefragt werden. Ich habe lange nicht mehr so einen wunderbaren Lachs bekommen, innen sehr glasig, platziert auf einem, jede Gemüseküche adelnden Spinatbett und mit von hausgemachtem roten Pesto umgeben. Da beweist die Küche, bis auf die unnötige und unpassende Petersilienblatt-Deko, ihr zeitgenössisches Händchen. Auch beim Geschirr, es sind verschiedenfarbige Teller im Einsatz, geht es modern zu – ein schöner Blickfang.

Außenplätze gibt es im Butt kaum, aber die Chefin weiß sich zu helfen. Im Sommer werden Tische gerückt und die Fenster weit geöffnet. Ob der Hochparterre-Lage ist das fast schon wie draußen sitzen mitten im Holländerviertel.

Gastro-Steckbrief „Der Butt“

Der Butt, Gutenbergstr. 25, 14467 Potsdam, Tel. 0331/200 60 66, www.der-butt.de

Plätze: Innen ca. 40, Außen ca. 6

Öffnungszeiten: Täglich ab 12 Uhr (auch an den Osterfeiertagen)

Suppen, Salate, Vorspeisen: 4,90 bis 15,50 Euro,

Hauptgerichte: 13,50 bis 25,50 Euro, Ganzer Hummer: 59 bis 62 Euro,

Nachspeisen: 6,90 bis 7,90 Euro,

Getränke: Softdrinks: 0,2 l/2,90 Euro, Wein: 0,2 l ab 6,50 Euro, Bier: 0,3 l/ 3,20 Euro

Von Manuela Blisse

Gesetzlich ist es klar geregelt: An Karfreitag darf in Brandenburg nicht öffentlich gefeiert werden. In Potsdam gibt es trotzdem Gelegenheit zum Party-Machen. Richtig oder falsch? Zwei Gastautoren mit Pro und Contra

21.04.2019
Potsdam Kommentar zum Verkehr - Es fehlen die Visionen

Vor allem zu Stoßzeiten ist Potsdams Verkehrsnetz überlastet. Das ist kein neues Problem. Die Stadt ringt um Lösungen, denkt dabei aber zu wenig über unkonventionelle Lösungen nach, findet MAZ-Autorin Anna Sprockhoff

17.04.2019
Potsdam Prozess in Potsdam - Polizei führt Pogida-Chef ab

Trotz einer milden Bewährungsstrafe muss der Intensivtäter Christian Müller erneut hinter Gitter – der 35-Jährige hat offenbar gegen ein früheres Urteil verstoßen.

20.04.2019