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Potsdam Foerster-Denkmal wird repariert
Lokales Potsdam Foerster-Denkmal wird repariert
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18:42 15.10.2013
Noch Anfang des Jahres hätte Thoralf Götsch das große Blatt der Skulptur an dieser Stützstelle nicht erreicht.
Noch Anfang des Jahres hätte Thoralf Götsch das große Blatt der Skulptur an dieser Stützstelle nicht erreicht. Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Noch immer weiß niemand, was es kosten wird, doch wie es funktionieren könnte, weiß man schon: Das seit Mai mit Gewalt niedergebogene Karl-Foerster-Denkmal der Freundschaftsinsel soll laut Inselgärtner Thoralf Götsch demontiert werden, damit man die beiden hohlen Edelstahlblätter öffnen und innen mit Rippen so versteifen kann, dass ein Verbiegen fast unmöglich ist.

Mehrere zehntausend Euro kostet das. Auch eine neue Beleuchtung des 1974 zum 100. Geburtstag des Staudenzüchters Karl Foerster aufgestellten Kunstwerkes von Christian Roehl wird erwogen. Um die Skulptur vor dem Missbrauch als Spielgerät zu bewahren, will man zudem ein viereckig umlaufendes Edelstahlband in den Boden lassen, auf dem der Hinweis "Bitte nicht berühren" oder ein "Bitte nicht beklettern" zu lesen wäre.

"Ohne den Skulpturenschaden hätten wir ein vandalismusarmes Jahr gehabt", sagte Götsch gestern. Nachdem in den vergangenen Jahren immer wieder zerstörte Bänke ersetzt werden mussten, traf es dieses Jahr nur eine Bank. Mehrere Sitzgelegenheiten wurden beschmiert. Am Toilettenhaus rissen Kletterer Blitzableiter und Dachrinnen ab "Der Einsatz des Sicherheitsdienstes hat aber Schlimmeres verhindert", zeigte sich Grünflächenamtsleiter Herbert Claes am Dienstag zufrieden.

Abgesackte Platten mit handbreiten Abständen waren riskant für Fußgänger. Inselgärtner Thoralf Götsch zeigt den erneuerten Weg – so glatt, dass er sich darin spiegelt. Quelle: Julian Stähle

Ungeklärt ist die Zukunft der Freilichtbühne, für die der Kommunale Immobilienservice einen Pächter sucht. Eigentlich gelten die beiden vorhandenen Toiletten als zu wenig für die Gästeschar bei Open-Air-Kinoveranstaltungen, doch weiß man derzeit nicht, wie die sanitären Kapazitäten zu erweitern wären.

Mit einem Aufwand von rund 35.000 Euro ist jetzt der sanft geschwungene Weg der "Wasserachse" repariert worden. Der Sandunterbau hatte an vielen Stellen wegen Nässeunterspülung und Mausunterwühlung nachgegeben: Fugen brachen auf, Patten kippelten und brachen. Weil aber die Platten des gebogenen Weges "alle ungleich" sind, wie Claes es ausdrückt, mussten die kompletten rund 200 Quadratmeter aufgenommen und alle Platten nummeriert werden, ehe man eine neuen Unterbau aus verschieberesistentem Spaltmaterial herstellen und die Platten neu verlegen konnte. Jetzt ist die Fläche wieder eben und pfützenfrei, wegen rund fünf Prozent neuer Platten aus rotem Wesersandstein aber zuweilen etwas scheckig. Angehen will man noch im Herbst die steinernen Einfassungen der Fontänen, aus denen größere Stücke herausgebrochen sind. Außerdem muss das Mosaikpflaster zwischen den großen, unregelmäßigen Schieferplatten einiger Wege befestigt werden, wo es gegenüber den Platten wegen Nässe und Mäuseaktivitäten abgesackt ist. Zur Zeit der Erstgestaltung der Insel Ende der 1920er Jahre waren diese Wege komplett in Schiefer ausgeführt, doch mangelte es zur Wegeerneuerung in den 70ern an diesem Material: Man rückte die Platten auseinander und fügte das Mosaikpflaster ein - ein heute als völlig stimmig empfundenes Bild.

DER WERDEGANG DER FREUNDSCHAFTSINSEL

Ihre heutige Form erhielt die Insel Anfang des 19. Jahrhunderts mit dem Neubau der Langen Brücke (Schinkel) 1824/25 und dem Ausbau der Neuen Fahrt zum schiffbaren Kanal.

In einem der ersten kleinen Gärten auf dem weidelandflachen Eiland veranstaltete Tabakhändler Gems kleine Rosenfeste und nannte ihn 1841 in seinem Testament „Insel der Freundschaft“. Sein Schwiegersohn betrieb hier ab 1845 ein Ausflugsrestaurant mit diesem Namen.

In den 1930er Jahren sollte der Stadteingang von der Langen Brücke her aufgewertet werden. Auf Anregung von Karl Foerster entstand ab 1937 ein Sichtungs- und Blütengarten, angelegt von Hermann Mattern und Hermann Göritz.

Die Anlage wurde bei der Bombardierung im April 1945 fast restlos zerstört und später in Gärten zur Nahrungserzeugung umgewandelt.

Auf Anregung Foersters entstand der Schau- und Sichtungsgarten ab 1953 nach Plänen des Gartenarchitekten Walter Funcke (1907–1987) und von Göritz neu.

Aus der Ausstellung „Plastik im Freien“ von 1966 sind noch mehr als 20 Bronzeskulpturen geblieben.

1972/73 kamen zu den X. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Berlin eine Festwiese für Veranstaltungen, ein Restaurant, eine Freilichtbühne, ein Bootshafen sowie ein Pavillon für Musik und Ausstellungen hinzu.

Von Rainer Schüler

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