Fotoprojekt „30 Jahre – 30 Paare“ startet in Potsdam
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Fotoprojekt „30 Jahre – 30 Paare“ startet in Potsdam

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18:03 12.06.2020
Verena Postweiler (rechts) und Anna Dejewska sind die Projektleiterinnen von „30 Jahre –30 Paare“.
Verena Postweiler (rechts) und Anna Dejewska sind die Projektleiterinnen von „30 Jahre –30 Paare“. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Manchmal ist es nur ein kleines sprachliche Feinheit, die verrät, in welchem Deutschland man aufgewachsen ist. „Knülle“ ist dafür ein gutes Beispiel. Was für viele Ostdeutsche „erschöpft“ bedeutet, verstehen die meisten Westdeutschen als „betrunken“. Solche Feinheiten führen oftmals zu Missverständnissen – auch in Beziehungen.

Die in Hessen geborene Designerin Verena Postweiler hat genau diese Situation mit ihrem damaligen in der DDR aufgewachsenen Partner erlebt. Spätestens seitdem interessiert sie sich für die Frage, wie Ost-West-Paare mit ihrer jeweiligen Herkunft umgehen. Gemeinsam mit der Historikerin Anna Dejewska-Herzberg widmet sie dem Thema nun eine Ausstellung in Potsdam mit dem Titel „30 Jahre –30 Paare“.

Idee seit zehn Jahren im Kopf

Die Idee zum Projekt kam Verena Postweiler schon vor zehn Jahren. Damals fehlte ihr jedoch die Möglichkeit, sie umzusetzen. Jetzt, zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung, nimmt die Ausstellung Gestalt an. Dafür haben sich Verena Postweiler und Anna Dejewska-Herzberg auf die Suche nach Ost-West-Paaren gemacht, die in Brandenburg leben und sich gerne porträtieren lassen wollen. Schon eine Woche nach dem Aufruf über den Verteiler des Rechenzentrums und in sozialen Medien hatten die Projektleiterinnen mehr Interessenten als Foto-Tafeln. „Die Rückmeldungen waren erstaunlich“, erzählt Postweiler.

Ab September sollen die Porträts der „gemischten Doppel“ auf 1,4 mal 1,4 Meter großen Bildbänken im öffentlichen Raum ausgestellt werden. Mögliche Ausstellungsorte sind der Alte Markt, der Luisenplatz und der Marstall beim Filmmuseum. Die Stadt habe bereits ihre Unterstützung zugesagt. „Bei einer Ausstellung im öffentlichen Raum kommen viel mehr Menschen zufällig vorbei“, erklärt Anna Dejewska-Herzberg. Praktischerweise seien Freiluft-Aktionen zudem hundertprozentig Corona-kompatibel.

Große Vielfalt erwünscht

Bis zur Ausstellung wollen die Projektleiterinnen 15 Paare aus Potsdam und 15 aus den Brandenburger Landkreisen porträtieren lassen. „Wir wollen eine große Vielfalt abbilden, deswegen suchen wir nach ganz unterschiedlichen Paaren“, erzählt Anna Dejewska-Herzberg. Die beiden möchten Junge und Alte, Heterosexuelle und Homosexuelle, Akademiker und Nichtakademiker für ihr Projekt gewinnen. Hauptsache, eine Person ist in Ost- und eine in Westdeutschland aufgewachsen und das Paar lebt heute gemeinsam in Brandenburg.

Wer mitmachen will, muss zuerst einen Fragebogen ausfüllen. Darin fragen die Projektleiterinnen ganz verschiedene Aspekte ab: Neben Eckdaten zur Dauer der Beziehung zum Beispiel auch, ob es Eigenschaften beim Partner oder der Partnerin gibt, die „typisch ostdeutsch“ oder eben „typisch westdeutsch“ sind. Weiterhin interessiert die Projektleiterinnen, welchen Einfluss die Ost-West-Beziehung auf die nun miteinander verschränkten Freundeskreise hat und ob es eine Anekdote gibt, in der die Ost-West-Herkunft eine Rolle spielt.

„30 Jahre –30 Paare“ ist für die beiden ein Herzensprojekt. „Das Projekt ist wie ein Brennglas“, erklärt Verena Postweiler. „Es zeigt die große Wiedervereinigung in der kleinsten Zelle, der Familie.“

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„Jeder hat dazu etwas zu sagen“

Auch im eigenen Team legen die Projektleiterinnen Wert auf eine paritätische Ost-West-Besetzung. Für das Projekt haben sie die Fotografen Michael Lüder (Ost) und Natascha Zivadinovic (West) sowie die Autorin Christine Anlauff (Ost) ins Boot geholt. Auf ihren Bildern sollen die Fotografen die Paare so zeigen, wie sie sind und nicht in künstlicher Pose. „Wir wollen keine Arm in Arm-Fotos“, erklärt Verena Postweiler.

Eigentlich sei auch noch eine eigene Publikation mit Interviews mit den Ost-West-Paaren geplant gewesen – dafür habe „30 Jahre –30 Paare“ wider Erwarten aber keine Förderung erhalten. Stattdessen bleibt es nun nur bei den Bildtafeln.

Finanziert wird das Projekt unter anderem mit Mitteln vom Brandenburger Kulturministerium und der Landeszentrale für politische Bildung. Eine Entscheidung von Pro Potsdam über einen Förderantrag stehe noch aus. Projektträger ist der Verein „Freundliche Übernahme Rechenzentrum“ (FÜR).

Das Ziel ist klar: „Wir wollen eine Diskussion darüber anregen, was hier in den letzten 30 Jahren passiert ist“, erklärt Anna Dejewska-Herzberg. Das Interesse und die Aufgeschlossenheit vieler Paare am Projekt spreche dafür, dass es immer noch Redebedarf beim Thema Ost und West gebe, sagt Verena Postweiler. „Jeder hat dazu etwas zu sagen“, erklärt sie. „Das ist nicht nur ein Stadt-Thema.“

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Von Hannah Rüdiger