Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Gewaltverbrechen: Was geschah in der Teltower Chopinstraße?
Lokales Potsdam Gewaltverbrechen: Was geschah in der Teltower Chopinstraße?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:59 25.10.2019
Die Chopinstraße war am Freitagmorgen abgesperrt. Kriminaltechniker untersuchten den Tatort, das Haus und die Umgebung. Quelle: Konstanze Kobel-Höller
Teltow

Sie hatte bereits einen Möbelwagen für den Umzug bestellt. Schon am Samstag hätte sie ein neues Leben anfangen, irgendwo anders in Deutschland, erzählt ein Freund von Gabriele D. – wo genau, möchte er lieber nicht verraten. Doch diesen Umzug in ein neues Leben sollte die Teltowerin nicht mehr erleben. In der Nacht zu Freitag kam sie ums Leben.

Gabriele D. lag tödlich verletzt vor der Haustür

Gegen 1.16 Uhr wurde Gabriele D. in ihrem Haus in der Teltower Chopinstraße Opfer eines Gewaltverbrechens. Was genau geschah, darüber gibt es keine Informationen. Sicher ist: Sie starb noch am Ort des Geschehens. Die Einsatzkräfte fanden sie schwer verletzt vor der Haustür im holzverkleideten Windfang zwischen Carport und gestapeltem Kaminholz. Unter Tatverdacht: ihr Ehemann, gegen den sie vor einigen Wochen ein Kontaktverbot erwirkt haben soll, erzählten Nachbarn und Freunde der MAZ.

In Teltow im Landkreis Potsdam-Mittelmark ist die Polizei in der Nacht zu Freitag zu einem Einsatz ausgerückt.

Die Frau war nicht das einzige Opfer der Nacht. In der näheren Umgebung des Tatortes wurde ein schwer verletzter Mann gefunden, der von den Rettungskräften in ein Krankenhaus gebracht wurde, wo er notoperiert wurde, teilen die Polizeidirektion West und die Staatsanwaltschaft Potsdam mit. Ob es sich dabei um den Ehemann Theo D. handelte, wurde auch auf Anfrage nicht bestätigt. Doch die Nachbarn berichten, dass es sich bei dem Verletzten um ihn handeln soll.

Typisches ruhiges Wohnviertel in Teltow

Eigentlich ist es sehr ruhig, in der Einfamilienhaussiedlung in Teltow. Die Vorgärten sind gepflegt, die Straßen verkehrsberuhigt. Man kennt sich, vor allem die Hundebesitzer tauschen mehrmals täglich Neuigkeiten aus. Gegrüßt wird drei Häuser nach rechts und links, über die Bewohner einer Straße weiter weiß man aber schon kaum mehr etwas. Kleinstadtidylle eben. Wenn man die Nachbarn fragt, erfährt man, dass die Familie freundlich, aber eher allein für sich geblieben sei – zumindest die meisten sagen das. Eine Frau ärgert sich, dass der Mann sonntags immer Holz gehackt und dabei keine Rücksicht auf die anderen genommen hätte.

Der Tatort in dem ruhigen Wohnviertel in Teltow. Quelle: Konstanze Kobel-Höller

Nach der Wende soll das Paar von Bonn nach Teltow gezogen sein und hier gebaut haben, dann kamen die Kinder, eine Tochter, heute 20 Jahre alt, und einen etwas jüngeren Sohn. Beide studieren mittlerweile, der Sohn lebt noch im Elternhaus, die Tochter ist nach Berlin gezogen.

Theo D., der als groß und körperlich stark beschrieben wird, arbeitet als hoher Verwaltungsmitarbeiter im Bundestag in Berlin, die Frau sei wohl sieben Jahre lang im Büro einer Fahrschule tätig gewesen sein, erfährt man. Sie sei zierlich und klein gewesen, hübsch, mit dunklen Haaren. Doch so richtig gekannt habe man sich nicht. Man wisse allerdings, dass die beiden sich scheiden lassen wollten, jeder hatte einen eigenen Anwalt – und dass das Haus verkauft werden hätte sollen. Eine Nachbarin verliert die Beherrschung, muss weinen, ihr geht die Sache nahe. Dem Täter würde sie wünschen, dass er hingerichtet wird, sagt sie. Ein anderer kann es nicht glauben: „In unserer ruhigen Gegend kann so etwas doch gar nicht passieren.“

Kriminaltechniker suchen nach Spuren vor Ort

Und doch ist es passiert, das Unvorstellbare, sodass nachts ein Hubschrauber angefordert wurde – und dann doch nicht kam. Weil die Teltower Feuerwehr zum Ausleuchten des Landeplatzes jedoch schon vor Ort war, hat sie dann bei der Beleuchtung des Tatortes mitgeholfen. Bis zum Mittag arbeitete schließlich die kriminalpolizeiliche Spurensicherung hinter den Absperrbändern, um 11.42 Uhr fuhr das örtliche Bestattungsunternehmen ab.

Kriminaltechniker sichern Spuren. Quelle: Konstanze Kobel-Höller

Doch wie so oft kann man nicht hinter die Fassaden blicken, nicht in die Wohnzimmer der Menschen. Aber irgendwie wissen doch auch meisten zu berichten, dass die Frau erst vor wenigen Wochen überfallen wurde, der Täter – mutmaßlich ihr eigener Ehemann – soll eine Maske getragen und sie mit Kabelbindern gefesselt haben. Mehr Details möchte man nicht glauben. Sie konnte sich jedoch befreien, zu Nachbarn fliehen und die Polizei verständigen. „Alle, die sie kannten, haben gesagt, damals habe er sie schon umbringen wollen“, sagt ein Freund der Familie gegenüber der MAZ.

Daraufhin habe sie das Kontaktverbot gegen ihren Ehemann erwirkt, damit er sich ihr nicht mehr nähern durfte. Doch er habe sie nicht in Ruhe gelassen. Es habe schriftliche Nachrichten von ihm gegeben, obwohl diese untersagt waren, aber damit nicht genug, erzählt der Freund weiter: „Sie hat zwei-, dreimal pro Woche die Polizei gerufen. Er hat sie mehrfach angegriffen und das Umgangsverbot hat er bestimmt zigmal gebrochen. Aber das ist das Gesetz in Deutschland – es muss erst was passieren.“

Ein Freund berichtet, wie der Vater die Familie bedrängt haben soll

Sogar in dieser Woche hätte sie zweimal die Polizei davon informiert, ihr Ehemann würde ums Haus schleichen und sie durchs Fenster beobachten. Ihre Freunde hätten sie gewarnt, ihr angeboten, bei ihnen zu wohnen. „Aber sie war einfach zu gutmütig“, wird über das Opfer berichtet.

Die Straße war abgesperrt. Quelle: Konstanze Kobel-Höller

Auch der Sohn sei beim Hundespaziergang mit dem Familiendackel vom Vater abgefangen und bedrängt worden. Er habe sich bedroht gefühlt, sagen die Nachbarn. Fragt man nach, erfährt man, dass die Familiensituation wohl schon länger so war. „Das läuft schon seit Jahren so. Die Frau hat es ertragen“, sagt der Freund, der unerkannt bleiben möchte, „das war absehbar.“

Die zierliche Frau hat keine Chance gehabt. In der Nacht zu Freitag sollen Nachbarn Schreie gehört und daraufhin die Polizei informiert haben. Als die Einsatzkräfte eintrafen, erlag Gabriela D. ihren schweren Verletzungen im Eingangsbereich des Grundstücks. Auch der Sohn war dort – Gerüchten zufolge soll er noch versucht haben, seine Mutter zu reanimieren.

Von Konstanze Kobel-Höller

Gemeinsam mit dem „Natural Building Lab“ der TU Berlin könnte das umstrittene Projekt im Wald am Bahnhof Rehbrücke zum nachhaltigen Vorbild werden. Die Linke will mit dem Vorschlag auch die Nachbarschaft überzeugen.

25.10.2019

Wie fühlt sich das an, wenn alle Menschen einig und glücklich sind? Studenten der Filmuniversität Babelsberg spielen im Potsdamer Hans-Otto-Theater „Homo empathicus“ von Rebekka Kricheldorf und lehren das Gruseln.

25.10.2019

Etappensieg für das Bürgerbegehren: Die Initiative für faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen in der Klinikgruppe „Ernst von Bergmann“ hat großen Zuspruch erhalten. Wie geht es nun weiter?

25.10.2019