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Potsdam Hereinspaziert ins Potsdamer Frauenwahllokal
Lokales Potsdam Hereinspaziert ins Potsdamer Frauenwahllokal
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00:27 26.11.2018
Susanne Stich und Jeanette Toussaint haben das Frauenwahllokal aufgebaut. Am Freitag erfolgt die Eröffnung. Foto: Friedrich Bungert
Potsdam

Die beiden Frauen haben ein rosarotes Werk erschaffen in einer Umgebung, die ohnehin schon eine sehr bunte ist. Im Eissalon „Evas Sünde“ in der Dortustraße eröffnet am Freitagabend anlässlich des 100. Jubiläums des Frauenwahlrecht in Deutschland das Frauenwahllokal: Eine Ausstellung zu den Vorkämpferinnen der politischen Gleichberechtigung der Frauen in Deutschland und der Welt. Die Historikerin Jeanette Toussaint und die Grafikerin Susanne Stich haben sie gemeinsam erarbeitet und gestaltet. Und trotz der poppigen Anmutung geht es hier ganz und gar nicht verkitscht zu.

Die Suffragetten gingen weit für ihre Überzeugungen – so manche bis ins Gefängnis. Quelle: Friedrich Bungert

Die Schau ist Teil einer ganzen Reihe von Veranstaltungen, doch man darf sie durchaus als einen der Höhepunkte der Gedenk- und Feierwochen zum Frauenenwahlrechts-Geburtstag bezeichnen. Jeanette Toussaint hat Biografien der ersten Abgeordneten in den verschiedenen Parlamenten von Stadtverordnetenversammlung bis zum Reichstag gesammelt. Eine Arbeit, die manchmal detektivisch anmutet. Schon die Recherche der Lebensläufe war nicht immer einfach. Wirklich kompliziert wurde es aber an der Stelle, die für eine Ausstellung unerlässlich ist: „Die Schwierigkeit besteht darin, dass es von den meisten Frauen nur wenige Fotos gibt“, sagt Jeanette Toussaint.

Zeitungsaufruf, um Nachfahren zu erreichen

„Wir haben oft nur ein sehr verwaschenes Portrait, aus dem wir dann die jeweilige Dame rekonstruieren mussten.“ Hier kommt Susanne Stich ins Spiel. Sie hat aus den kleinen Bildern lebensgroße Aufsteller gemacht. „Wir wollten diese Frauen auf Augenhöhe mit uns zeigen“, erklärt die Grafikerin. Helfen konnten in mehreren Fällen die Nachfahren der Politikerinnen. Jeanette Toussaint hatte in einem Zeitungsaufruf darum gebeten, dass diese sich bei ihr melden. So erfuhr sie mehr über die ersten weiblichen Abgeordneten, die nur selten ausführliche Nachlässe vererbten.

Berta Hornick ist eine dieser Frauen, der die Besucher im Frauenwahllokal in die Augen sehen können. Die Weberin war die erste KPD-Abgeordnete im Provinziallandtag Brandenburg – ihr Name ist aber weitgehend unbekannt. Dieses Schicksal teilt sie mit Pauline Wuttke, die ab 1929 als einzige Frau in Potsdams städtischen Ausschüssen sitzt. 1933 wird der SPD-Frau die Tätigkeit als Stadtverordnete verboten. Ihre weitere Beschäftigung sei „eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“, schreibt der Polizeipräsident. Die SPD-Frauen sind es auch, die Jeanette Toussaint besonders beeindrucken.

Vorkämpferinnen auf Augenhöhe. Quelle: Friedrich Bungert

„Oftmals kommen sie aus proletarischen Verhältnissen und hatten neben eigener Arbeit, Haushalt und Kindern das politische Engagement“, sagt sie, „das berührt mich.“ Insgesamt haben die Macherinnen der Ausstellung die Frauen der allerersten Legislatur, also ab Januar 1919, aus jeder parlamentarischen Ebene in ihre Schau aufgenommen. Und für einen Blick über die Grenze bleibt auch Raum, die Suffragettenbewegung in England und den USA findet ebenso Platz wie die französische Feministin Olympe de Gouges. Die Initiative für das Wahlrechts-Gedenken geht von einer überparteilichen Frauengruppe aus, Träger ist das Autonome Frauenzentrum.

„Mit viel mehr Zeit und Platz hätten wir noch ewig weitermachen können“, sagt Jeanette Toussaint. Besonders einen Ausblick hätte sie gern eingebaut: Wie haben sich die Frauenanteile in den Parlamenten in der NS-Zeit, während der deutschen Teilung und im heutigen Deutschland entwickelt? „Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir uns in einigen Bereichen zurückentwickeln“, sagt die Historikerin. Eine Frauenquote von nur rund 30 Prozent wie im aktuellen Bundestag erschrecke sie, sagt Jeanette Toussaint. Und auch darauf soll das Frauenwahllokal aufmerksam machen. „Wir wollen Jung und Alt, Mann und Frau erreichen“, sagt Susanne Stich. „Denn Gleichheit geht schließlich alle an.“

Die Eröffnung des Frauenwahllokals mit großer Vernissage erfolgt am Freitag, 23. November, um 18 Uhr in der Dortustraße 22. Danach ist die Ausstellung bis zur Landtagswahl im kommenden Jahr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Von Saskia Kirf

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