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Potsdam Das erlebt eine junge Feuerwehrfrau in Potsdam
Lokales Potsdam Das erlebt eine junge Feuerwehrfrau in Potsdam
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09:04 15.10.2019
Lara Wetterkamp (24) Feuerwehrfrau in Bornstedt. Quelle: Bernd Gartenschläger
Bornstedt

Der Pieper geht los. Dabei wollte sich Lara Wetterkamp eigentlich was Nettes kochen. Doch daraus wird nichts. Unaufgeregt dreht die junge Frau den Herd aus, zieht Jacke und Schuhe an, packt den Schlüssel ein und fährt los. Denn Lara Wetterkamp ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Bornstedt. Und das heißt: Die 24-Jährige ist bereit, in brennende Häuser zu rennen, zu schweren Unfällen zu fahren – da zu sein, wenn in Potsdam Hilfe gebraucht wird.

In Potsdam haben immer mehr Menschen Freude daran, sich wie Lara Wetterkamp in der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren. Erneut ist die Zahl der aktiven Mitglieder in diesem Jahr gestiegen. 370 Männer und Frauen – 29 mehr als noch vor vier Jahren – sind in den 15 Freiwilligen Feuerwehren im Stadtgebiet im Einsatz. Von den 600 Feuerwehrleuten der Stadt ist damit mehr als die Hälfte bei der Freiwilligen Feuerwehr organisiert.

Im Einsatz sind alle Feuerwehrleute gleich

Vor allem in Stadtteilen wie Bornstedt, Drewitz oder Groß Glienicke spiele die Freiwillige Feuerwehr eine große Rolle, sagt der stellvertretende Potsdamer Feuerwehrchef, Rainer Schulz. Ein Segen, denn ohne die ehrenamtlichen Einsatzkräfte wäre die Berufsfeuerwehr bei Weitem nicht so effizient.

Ob Brand, Unwetter oder Autounfall – im Einsatz sei die Freiwillige Feuerwehr von der Berufsfeuerwehr nicht zu unterscheiden, erklärt Schulz. Die Feuerwehrleute hätten die gleichen Aufgaben, wären praktisch ein Team mit der Berufsfeuerwehr. Zumindest in Potsdam. In kleineren Kommunen ist die Freiwillige sogar die einzige Feuerwehr. Denn eine Feuerwache mit hauptamtlichen Kräften ist in Brandenburg zurzeit erst in Kommunen ab 30.000 Einwohnern Pflicht.

Hilfsbereitschaft auch über Einsätze hinaus

Als Lara Wetterkamp vor zehn Jahren bei der Jugendfeuerwehr in Datteln (Nordrhein-Westfalen) zum ersten Mal auf einem Feuerwehrauto saß, war noch nicht klar, dass daraus mehr als nur ein Hobby werden würde. „Heute ist die Feuerwehr für mich fast wie eine zweite Familie“, sagt sie. „Wenn du in der Feuerwehr bist und es gibt irgendein Problem, dann steht in fünf Minuten immer einer vor der Tür und hilft dir.”

Die 24-Jährige ist überzeugt: Es ist genau diese Verbundenheit oder Zugehörigkeit, die viele dazu bringt, sich in den Freiwilligen Feuerwehren zu engagieren. Das spontane Treffen auf ein Bier oder das Grillen nach der Arbeit, das verbindet – gerade in einer Zeit, in der Individualismus im Job oft überwiegt.

Vertrauen als Basis für Einsätze

Und doch ist Feuerwehr nicht Fußballverein, die Gemeinschaft nicht der Kern, um den sich alles dreht. Die Arbeit bei der Feuerwehr ist riskant, da reicht es nicht, mit einem Kollegen nur gut Bier trinken zu können. Da müsse man sich vertrauen, sagt Lara Wetterkamp. „Wenn ich mit jemanden in ein brennendes Haus renne, dann weiß ich, wie der Mensch tickt, wie er sich bewegt, wenn gerade irgendwas nicht cool ist.“ Die junge Frau lächelt: „Ich weiß, dass ich mich auf ihn 100 Prozent verlassen kann, und er weiß, dass es umgekehrt genauso ist. Das verbindet.”

Lara Wetterkamps Partner ist ebenfalls Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, er kennt es, wenn der Pieper losgeht – diskutieren muss Lara Wetterkamp mit ihm über nächtliche Einsätze also nie. Trotzdem hat die Einsatzbereitschaft auch für sie Grenzen, rennt sie nicht in jedem Moment sofort los, wenn die Einsatzinfo kommt. „Wenn ich gerade im Stern-Center shoppen bin und es ist freitags nachmittags, dann brauch ich gar nicht erst loszufahren“, erklärt sie. Denn die Wache befindet sich in Bornstedt. „Bis ich mal da bin, ist es sowieso zu spät.“

Nach einem Nachteinsatz klingelt der Wecker schon mal um 4.30 Uhr

Und was ist nachts? Auch da rückt Lara Wetterkamp aus – wenn auch nicht mit Freudensprüngen. „Aber ich hab mir das ja so ausgesucht“, sagt sie. Entweder ganz oder gar nicht. „Wenn sich dann der Brandgeruch als angebranntes Essen herausstellt, ist das schon ärgerlich“, sagt sie, „vor allem, wenn der Wecker am nächsten Tag um halb 5 schon wieder geht.“ Denn natürlich hat sie auch einen richtigen Job – und dort erwartet ihr Arbeitgeber pünktliches Erscheinen. Die 24-Jährige arbeitet in einem großen Hotel am Nauener Tor. „Da gibt es feste Dienstpläne und wenig Spielraum für Extrawünsche“, sagt sie. „Aber dann leiste ich mir halt ein Nachmittagsschläfchen.“

Und was, wenn der Pieper während der Arbeitszeit geht? Da muss Lara Wetterkamp passen. Sie hat mit ihrem Arbeitgeber abgemacht, dass sie während ihrer Schichten nicht ausrückt. „Da kann der Pieper piepen, wie er will, mein Chef muss keine Angst haben, dass ich einfach so verschwinde“, sagt sie.

Auf Grundausbildung folgen etliche Lehrgänge

Für Lehrgänge stellt er sie allerdings frei. Und von denen gibt es etliche. Nach der Grundausbildung erwarten Freiwillige Feuerwehrleute noch etliche Zusatzlehrgänge, dabei geht es um den Einsatz mit einer Atemmaske, die Ausbildung als Maschinist oder das Fahren der Spezialfahrzeuge. Und dann gibt es noch die ärztlichen Überprüfungen alle drei Jahre und einmal im Jahr eine Tauglichkeitsprüfung, quasi ein Fitnesstest.

Viel Einsatz für ein Ehrenamt – ob sich das wirklich lohnt? Lara Wetterkamp sagt, sie habe sich diese Frage nie gestellt. Sie mache das eben. Schon als Kind habe sie die Technik der Feuerwehr und der „Mut der Männer“ in den brennenden Häusern fasziniert. Angst? „Nö!“, sagt sie. „Denn dann würde man das nicht machen.“ Leichtsinnig sei sie aber trotzdem nie, dafür sorgten die Lehrgänge – und nicht zuletzt der Einsatzleiter vor Ort.

Auch Paraden und Wettkämpfe gehören dazu

Das mag auch der Grund sein, warum Lara Wetterkamp noch kein wirklich verstörendes Erlebnis bei einem Einsatz hatte. „Doch es kann zu jeder Zeit passieren.“ Das weiß sie. Dann gäbe es zwar immer Betreuer, mit denen sie über das Erlebte reden, versuchen könnte, besser damit umzugehen. „Aber verarbeiten muss man es am Ende doch allein“, sagt sie.

Lara Wetterkamp liebt die Freiwillige Feuerwehr, ist längst nicht nur bei Lehrgängen, Einsätzen oder Teamabenden mit den Kameraden unterwegs. Die 24-Jährige ist auch bei Paraden oder Wettkämpfen dabei, gibt alles, wenn es heißt: Wer rollt am schnellsten die Löschschläuche aus und auf? Wer kommt am schnellsten in die Montur? Das lohnt sich. Die Wache in Bornstedt ist voll von Goldpokalen.

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