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Potsdam Fridays for Future: Große Abschlussdemo nach Protestcamp
Lokales Potsdam Fridays for Future: Große Abschlussdemo nach Protestcamp
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18:37 30.08.2019
Die Fridays for Future-Bewegung demonstrierte mit rund 1000 Teilnehmern im Lustgarten. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Noch ist wenig los am Lustgarten in Potsdam. Es wird ein wenig aufgeräumt, den Demonstrationsplakaten wird der letzte Schliff verpasst, hier und da noch ein Stücken Klebeband, damit es auch wirklich hält. Im Hintergrund stehen einige bunte Zelte, circa 300 Jugendliche schliefen die Nacht über hier. Techniker bauen die letzten Mikrofone auf der Bühne auf, die Lautsprecher werden gecheckt. Es soll laut werden bei der Großdemonstration.

Keine halbe Stunde später hat sich der Platz vor der kleinen Bühne gut gefüllt. An die 1000 Teilnehmer zählen die Veranstalter. Auf dem Kopf eine Kappe zum Schutz vor der Sonne, in der Hand ein Schild für mehr Schutz für die Umwelt: „Opa, was ist ein Schneemann?“, „Fehlstunden verkraften wir, Klimawandel nicht“, „verbrennt Kalorien, nicht Kohle“ heißt es unter anderem auf den bunten Pappen.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ brüllen die Demonstranten lautstark den Schlachtruf der Bewegung.

Warum ein Wahlplakat der FDP eine Teilnehmerin ärgerte

Die Politiker im Landtag nebenan sollen sie hören. „Sie sagen immer, es ist total toll, was wir machen und es sei total wichtig, dass wir weiter machen, aber ändern tun sie dann halt doch nichts“ sagt Cora Hirsch. Sie ist Mitorganisatorin und seit Beginn der Bewegung in Potsdam im letzten Winter mit dabei. Zwar rief jetzt Potsdam den Klimanotstand aus, sie findet aber, dass sei vor allem Symbolpolitik. „Auf einem Wahlplakat der FDP für die Landtagswahlen stand ,Bildung for future’, das hat mich persönlich schon ganz schön angegriffen, egal wie sie es online begründen, ich habe mich ganz schön verarscht gefühlt.“

Doch man dürfe es nicht unterschätzen, was Fridays for Future schon erreichte, sagt der Sozialpsychologe Harald Welzer. Die Bewegung sei viel größer und sogar noch erfolgreicher als die berühmten 68er. „Man muss nur die Themasetzung der Parteien anschauen. Es ist noch nie so viel über Klimapolitik diskutiert worden wie in den letzten Monaten“ sagt Welzer. Trotzdem würde die politische und wirtschaftliche Elite glauben, sie komme mit ihrer bisherigen Erfolgsstrategie durch das 21 Jahrhundert. Was es braucht, um das zu ändern? „Die Erwachsenen, die normalen Berufstätigen, müssen mitprotestieren“, sagt Welzer. Auch wenn es nur ein paar signifikante und sichtbare Aktionen seien, würde das in unserer Mediengesellschaft schon ausreichen.

Die Plakate waren kreativ und witzig. Quelle: Bernd Gartenschläger

Auch Sebastian Grieme ist bei der Großdemonstration dabei. Er ist neu in Potsdam, ab Oktober studiert er hier Physik. Zwar darf er am Sonntag nicht wählen, weil sein Erstwohnsitz nicht in Brandenburg ist, klare Forderungen an die neue Regierung hat er trotzdem. „Ich würde ihnen gern mal klar machen, was passiert, wenn wir die 1,5-Grad-Marke bei der Klimaerwärmung brechen. Wir würden alle Korallenriffe auf der ganzen Welt verlieren. Millionen Menschen müssten flüchten, weil ihre Heimat nicht mehr bewohnbar wäre. Und dann würde ich den neuen Ministerpräsidenten fragen, ob er seine Klimapolitik noch verantworten kann.“

Die Sache mit den 5866 Elefanten

Es gehe nicht darum, was irgendwer für realistisch hält, sondern darum, was die Wissenschaft für notwendig erklärt und was wissenschaftliche Studien belegen. Für Sebastian Grieme ist klar: ein Strukturwandel muss her, denn der sei dringend nötig: Zwei der vier größten CO2 -Quellen Europas kommen aus Brandenburg: die Braunkohlekraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe. Allein diese beiden Kraftwerke haben laut Zahlen der Europäischen Kommission im Jahr 2018 zusammen 35,2 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen. Zum Vergleich: das ist mehr, als 5866 Elefanten zusammen wiegen.

„Man weiß seit 30 Jahren, dass etwas getan werden muss, aber es gibt immer nur Schritte in die falsche Richtung, wir haben jedes Jahr mehr Flüge und mehr Autos auf den Straßen“ sagt Dorothea Kehr. Sie ist Musikerin und hat auf der Kundgebung einige ihrer Songs gespielt. Wenn es nach ihr ginge, würden Flüge viel teurer besteuert werden: „Vor 15 Jahren hätte niemand gedacht, dass man ihm was wegnimmt, wenn er nicht mehr für 19,99 Euro nach Budapest fliegen kann. Jetzt hat jeder das Gefühl, er müsse dann auf etwas verzichten.“

Von Lisa Schmierer

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