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Potsdam Potsdamer Schüler streiken für besseren Klimaschutz
Lokales Potsdam Potsdamer Schüler streiken für besseren Klimaschutz
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00:21 21.01.2019
Die Schülerinnen Nell Sophia Korthals (links) und Charlyn Hoffmann wollen Freitag mit über 250 Potsdamern für den Klimaschutz streiken. Quelle: Ftoto: Anne Knappe
Potsdam

Über 250 Potsdamer Schüler und Schülerinnen wollen am Freitag (18. Januar 2019) in den Streik treten und sich um 14 Uhr vor dem Landtag in Potsdams Mitte platzieren. Ihr Ziel: Sie möchten sich bei den Politikern für einen konsequenteren Klimaschutz und einen schnellen Kohleausstieg einsetzen.

„Der Klimawandel bedroht unser aller Zukunft. Unsere Politiker und Politikerinnen unternehmen aber viel zu wenig, um das zu verhindern. Wir wollen nicht hinnehmen, dass uns unsere Zukunft durch unnachhaltige Entscheidungen seitens der Politik verbaut wird“, sagt Charlyn Hoffmann. Die 18-Jährige aus der 13. Klasse der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule in Bornstedt gehört zu den Mitinitiatoren in Potsdam.

Unter dem Motto „Fridays for Future“ werden deutschlandweit Schüler in 40 Städten, unter anderem in Köln, Jena, Hamburg und Freiburg, das Klassenzimmer verlassen, um sich für die gute Sache einzusetzen – und zwar bis die Politik handelt. „Potsdam hat viele Ideale – es ist an der Zeit, so eine Demo nicht nur in Berlin zu machen, sondern sie auch hierher zu holen,“ sagt Schülerin Nell Sophia Korthals (18), die ebenfalls an der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule lernt.

Schwedische Teenagerin macht es vor

Vorbild für den Klimastreik ist die Schülerin Greta Thunberg. Die 16-jährige Schwedin bestreikt seit August 2018 mindestens einmal in der Woche die Schule, um die Regierung aufzufordern, sich für den Klimaschutz Stark zu machen. Im polnischen Kattowitz sorgte sie jüngst mit einer Rede bei der Klimakonferenz mit einer aufrüttelnden Rede für Aufmerksamkeit.

Weltweit, unter anderem in Dänemark und Australien, haben sich Tausende Schüler und Schülerinnen der Klimaschutzaktivistin angeschlossen und demonstrieren vor den Parlamenten, statt in die Schule zu gehen. „Ich finde sie sehr inspirierend“, sagt Nell Sophia Korthals. „Egal, wie alt man ist, man hat die Möglichkeit sich auszudrücken: Schüler können genauso viel bewegen wie ältere Menschen“, sagt sie.

Die Schüler treiben viele Themen um: Auf Plastik zu verzichten oder öfter mit dem Fahrrad fahren, wären zum Beispiel ein Anfang, sind die Schülerinnen überzeugt. „Wie verheerend die Auswirkungen sind, sieht man doch schon am Wetter. Wir wollen eine Zukunft, in der meine kleinen Geschwister, mögliche Kinder und deren Enkel leben können“, so Nell.

Nachricht geht wie Lauffeuer um

Gemeinsam mit Charlyn hat sie eine Whatsapp-Gruppe gegründet. Innerhalb von zwei Tagen haben über 250 Schüler ihre Bereitschaft erklärt mitzumachen. Würde die Höchstgrenze nicht auf 256 begrenzt, so wären es vermutlich noch mehr. Allein über Mundpropaganda hat sich die Aktion an sämtlichen Schulen in Potsdam verbreitet. Ganz ohne Vorwarnung möchten sie allerdings nicht schwänzen: Die Abiturienten haben ihr Vorhaben bei der Schulleitung angemeldet.

Wie es weitergehen soll

In der kommenden Woche, am Freitag, dem 25. Januar, möchten sie die nächste „Fridays for Future“-Aktion starten.

Gemeinsam mit 200 Berliner Schülern wollen sie um 12 Uhr bei einer zentralen Protestveranstaltung vor dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Berlin demonstrieren.

Dort tagt zu diesem Zeitpunkt die Kohlekommission.

Die Streikenden fordern unter anderem einen sofortigen Genehmigungsstopp für neue Kohlekraftwerke und Tagebaue, eine Stilllegung der dreckigsten Kraftwerksblöcke bis Ende 2020 und einen Umsiedlungsstopp für vom Braunkohleabbau betroffene Dörfer.

Der BUND stellt interessierten Schülern auch eine Demo-Anleitung zur Verfügung.

Auf der Homepage www.bundjugend.de finden Interessierte weitere Informationen, Termine und Whatsapp-Gruppen.

Dabei sind voraussichtlich unter anderem Schüler des Helmholtz-Gymnasiums, des Babelsberger Bertha-von-Suttner-Gymnasiums, der Voltaire-Gesamtschule, des evangelischen Gymnasiums Hermannswerder sowie Studierende der Universitäten.

Auch das Humboldt-Gymnasium in der Teltower Vorstadt hat Unterstützung zugesichert. „Uns wird unsere Zukunft gestohlen, von Menschen, die diese Zukunft nicht mehr miterleben müssen und deshalb werden wir uns nicht mehr an ihre Regeln halten und statt zur Schule auf die Straße gehen“, sagt auch Miriam Eichelbaum, Schülersprecherin vom Humboldt-Gymnasium.

Sie bewegt nicht nur der Klimaschutz sagt sie, sondern auch der Wunsch von der Politik als vollwertig wahrgenommen zu werden. Sie spricht ebenfalls von einem „regen Interesse der Schülerschaft an dem Thema. Geplant sind am Freitag verschiedene Redebeiträge. An einem offenen Mikrofon kann jeder etwas sagen, der möchte.

Weitere Demos sind am 25. Januar um 12 Uhr vor dem Bundeswirtschaftsministerium (an der Invalidenstraße, Nähe Berlin-Hbf.) und am 1. Februar geplant, weil dann die Kohlekommission ihren Abschlussbericht vorlegt.

Von Anne Knappe

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