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Potsdam Fünf Stahlkugeln zur Begrüßung
Lokales Potsdam Fünf Stahlkugeln zur Begrüßung
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10:35 04.05.2018
Symbolischer erster Spatenstich für den Theaterneubau im April 2003 mit Architekt Gottfried Böhm, Stadtpräsidentin Birgit Müller (Linke), Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und Theaterintendant Ralf-Günter Krolkiewicz (v.l.n.r.). Quelle: Joachim Liebe
Potsdam

Wieland Eschenburg übergab dem Intendanten Uwe Eric Laufenberg im September 2006 zur Eröffnung des neuen Theaterhauses in der Schiffbauergasse statt des symbolischen Schlüssels fünf faustgroße Stahlkugeln. Es war eine Geste mit enormer Symbolik. Die Kugeln stammten von dem Abrissbagger, der 1991 den Theaterrohbau am Alten Markt beseitigt hatte; Eschenburg war damals Kulturdezernent.

Der über Städtebaufördermittel finanzierte Theaterneubau am Ufer des Tiefen Sees war „ein wesentlicher Katalysator für die Entwicklung der Schiffbauergasse“, schreibt Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) in seiner Wochenkolumne auf www.Potsdam.de. Tatsächlich machte der Abriss am Alten Markt nicht nur den Platz frei für den Wiederaufbau des Stadtschlosses. Es war auch eine Wegmarke für den späteren Umbau der Industrie- und Militärbrache am Tiefen See zum Kunst- und Kreativquartier.

Bert Nicke (l.), Ausstellungsgestalterin Brigitta Bungard und Bernd Rubelt am Donnerstag im Offizze. Quelle: Bernd Gartenschläger

Im Offizze wird am Sonnabend zum Tag der Städtebauförderung eine Ausstellung „Lebendige Bauten – von der Brache zum Quartier“ eröffnet, die vor allem die letzten 15 Jahre Revue passieren lässt. Die Festlegung als Sanierungsgebiet markierte 2002 den Startschuss für die positive Entwicklung des fast 12 Hektar großen Platzes, so am Donnerstag Baudezernent Bernd Rubelt. Bis heute seien 24,4 Millionen Euro an Städtebaufördermitteln in die Schiffbauergasse geflossen: „Ohne die Impulse aus der Städtebauförderung wäre die Geschichte dieses Ortes eine andere gewesen.“

1992 kamen die ersten Kreativen auf den Platz, Tänzer der Fabrik, die gemeinsam mit dem Nekophilen Kabinett und dem Hans-Otto-Theater vor genau 26 Jahren im Mai in der Reithalle A eine gewaltige Performance mit dem Titel „Große Aufführung“ inszenierten. Aktivisten des Vereins Kunsthaus Gahlberg-Strodehne entrümpelten mit schwerem Gerät das Waschhaus, das sich nach der Eröffnung mit einer illegalen Technoparty im August 1992 in kürzester Zeit als eines der größten freien Kulturzentren im Land etablieren sollte. Das Theater eröffnete 1998 mit der Reithalle A seine erste Spielstätte vor Ort.

Publikum wartet Mitte der 1990er Jahre am Waschhaus-Tor auf den Einlass. Quelle: MAZ

Zur Erfolgsgeschichte der Schiffbauergasse gehört auch die Ansiedlung von Dependancen innovativer Firmen wie dem Softwareriesen Oracle, für den die Koksseparation des früheren Gaswerks zum Büroturm umgebaut wurde, oder dem gleich daneben eröffneten Volkswagen-Future-Center. 2008 waren mit dem Zentrum für Kunst und Soziokultur (ZKS) in einer zweiten Ausbaustufe auch die Spielstätten der freien Kulturszene komplett hergerichtet. Mehr als 103 Millionen Euro wurden mittlerweile insgesamt investiert. Doch gebaut wird noch immer.

400 000 Euro flossen laut Bert Nicke, Chef des Sanierungsträgers, noch einmal in die Räume im Parterre des Offizzes, in denen bis zum 1. Juli die Ausstellung zum Tag der Städtebauförderung zu sehen ist. Geplant sind dort ein Info-Punkt mit Dauerausstellung und eine Kartenverkaufsstelle. Einen separaten Eingang hat gleich nebenan die seit Jahren angekündigte erste öffentliche Toilette für das Kulturareal, die ab Freitag offen sein soll. Neben dem Parkhaus wird auf einem der letzten verfügbaren Grundstücke gerade mit dem Neubau für ein Steuerbüro und ein Fitnessstudio begonnen. Ende Mai soll der Kanurastplatz an der Humboldtbrücke eröffnet sein.

300 000 Menschen kommen laut Stadt aktuell pro Jahr in die Schiffbauergasse. Geplant hatte man zwischenzeitlich mit einer halben Million. Nach Ansicht der Bauplaner ist Luft nach oben. Die sehr lesenswerte Broschüre zur Ausstellung schließt optimistisch: „Was heute in der Schiffbauergasse erlebbar ist – der Trubel in der Nacht und die Überschaubarkeit am Tag – ist ein Zwischenschritt und Teil der Entwicklung.“

Programm zum Tag der Städtebauförderung

„Mit Begeisterung für die Stadt – Entwicklungen in der Schiffbauergasse“ ist das Thema einer Podiumsdiskussion am Freitag um 17 Uhr in der Schinkelhalle mit Bernd Rubelt (Baudezernent), Klaus Eichler (ehem. Bauministerium), Katja Dietrich-Kröck (ehem. Waschhaus), Birgit-Katherine Seemann (Kultur-Fachbereichsleiterin), Volkmar Raback (Geschäftsführer Hans-Otto-Theater), Sven Till (Fabrik).

Die Ausstellung „Lebendige Bauten – von der Brache zum Quartier“ im Offizze wird am Sonnabend um 15 Uhr eröffnet. Um 15 und 17.30 Uhr gibt es Führungen mit Susanne K. Fienhold-Sheen über die Schiffbauergasse. Am Offizze laufen ab 15.30 Uhr Kurzfilme zur Schiffbauergasse. Eine Führung in die Bühnentechnik des HOT gibt es ab 16 Uhr, Treff am Offizze.

Weitere Veranstaltungen am Sonnabend: Gespräch zur Ausstellung „Analoge Analogien: Städte“ 16 Uhr im Fluxus-Museum, „Skizze eines Sommers“ 19 Uhr im HOT, „Vom Broadway zur Burleske“ 19.30 Uhr im Theaterschiff, „Berliner Stadtmusikanten“ im T-Werk 20 Uhr.

Von Volker Oelschläger

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