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Potsdam Fürs Kino gedreht, beim Arbeitsamt kassiert
Lokales Potsdam Fürs Kino gedreht, beim Arbeitsamt kassiert
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00:49 09.10.2014
Rund 6300 Euro soll sich Hannes W. vom Staat erschlichen haben.
Rund 6300 Euro soll sich Hannes W. vom Staat erschlichen haben. Quelle: dpa
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Potsdam

Nicht nur in bekannten Fernsehserien, auch in großen Kinoproduktionen wirkte der 34-jährige Potsdamer Hannes W. mit: etwa in "The Grand Budapest Hotel", in "Baader-Meinhof-Komplex" und "Wir wollten aufs Meer". In der Fülle der Nebenrollen funkelt ab und an auch eine Hauptrolle auf. Keine Frage: Fürs Renommee machen sich all die schönen Engagements bezahlt. Sie genügen Hannes W. aber offenbar nicht, um damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen oder gar eine Familie zu ernähren. Ist der smarte Mime deshalb zum Betrüger geworden?

Rund 6300 Euro soll sich W. vom Staat erschlichen haben. Vor dem Amtsgericht gibt er gestern alles zu: Dass er im März 2011 Arbeitslosengeld II und im September die Verlängerung beantragt hat; dass er das Geld Monat für Monat kassierte, der Arbeitsagentur aber verschwieg, dass er in der Zwischenzeit immer mal wieder einen Job ergattert hatte.

"Ich gestehe meine Schuld ein", sagt Hannes W. "Das war eine unglaublich komplizierte und schwere Zeit." Vor allem in seinem Privatleben hatten sich die Dinge überschlagen. So habe er damals erfahren, dass er - unerwartet - zum zweiten Mal Vater wird. Zugleich seien keine Aufträge in Sicht gewesen. "Ich habe den Überblick verloren", sagt W. "Ich war überfordert." Dann habe er sich zum ersten Mal in seinem Leben beim Arbeitsamt gemeldet "und endlich mal wieder so etwas wie eine Grundsicherung" erhalten. "Die zwei, drei Drehtage hier und dort waren keine wirkliche Bereicherung." Die Sache war beim Datenabgleich der Sozialversicherungsträger herausgekommen. Das erschwindelte Geld zahlt W. bereits in Raten zurück. Rund 3000 Euro sind noch offen. "Ich hoffe, dass ich bis Ende des Jahres durch bin.

Auf 1150 Euro Netto sei er 2014 monatlich mit der Schauspielerei gekommen, sagt W. Dem Einwurf des Staatsanwalts, dass man davon ja nicht leben könne, begegnet er nüchtern: "Das ist die Situation als Schauspieler." Wenn's mies läuft, nehme er auch Jobs im Catering an.

Das Gericht verurteilte W. wegen Betrugs zu einer Geldstrafe von 1800 Euro. Die Strafe - 90 Tagessätze - wird zwar ins Bundeszentralregister eingetragen, ist aber nur für Behörden ersichtlich und erscheint nicht im Führungszeugnis. W. gilt weiterhin als nicht vorbestraft.

Von Nadine Fabian

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