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Potsdam Steiniges Potsdam - Gärtnern mit dem grauen Daumen
Lokales Potsdam Steiniges Potsdam - Gärtnern mit dem grauen Daumen
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13:11 09.07.2019
Kies und Schotter dominieren neuerdings Vorgärten, vor allem bei Eigenheimen. So steht der „Big Bag“ mit Nachschub-Steinen vor einer Doppelhaushälfte in der Teltower Vorstadt schon bereit. Quelle: Peter Degener
Potsdam

Der Vorgarten ist die Visitenkarte eines Hauses. Immer häufiger begegnen Spaziergängern in der Gartenstadt Potsdam aber keine Blumenbeete, sondern Steinflächen aus Split, Kies oder Schotter. Ökologen warnen vor verstärkter Versiegelung, dem Verlust von Artenvielfalt, vor aufgeheizten Straßenrändern durch die grauen Wärmespeicher.

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Städte wie Karlsruhe oder Bremen haben den Gestaltungstrend als Problem erkannt und wollen dagegen vorgehen, etwa mit Förderprogrammen zur Bepflanzung von Freiflächen und Hinterhöfen.

Ein Schottervorgarten in Drewitz Quelle: Varvara Smirnova

Die Steinflächen fördern die Aufheizung der Stadt

Auch in der Potsdamer Stadtpolitik gibt es nun eine Initiative gegen die Steinbeete. In einer Kleinen Anfrage an die Stadtverwaltung schreibt die Fraktion Die Andere: „Die Versiegelung innerstädtischer Flächen hat in den letzten Jahrzehnten zu einem Verlust von Stadtgrün und Artenvielfalt in den Stadträumen beigetragen. Inzwischen wenden sich deshalb bundesweit Menschen gegen die Ausbreitung von Steingärten und Betonflächen.“

Für Lutz Boede, den Fraktionsgeschäftsführer, werde unterschätzt, „dass Schottergärten und Betonflächen das Stadtklima sehr negativ beeinflussen, weil sie die Aufheizung der Stadt massiv fördern und andererseits die Versickerung von Regenwasser verringern.“

Kies im Vorgarten einer Villa in der Nauener Vorstadt. Quelle: Peter Degener

Die Initiative „Gärten des Grauens“ dokumentiert leblose Stadträume

Der Berliner Botaniker Ulf Soltau gibt ihm Recht. Soltau steckt hinter der Initiative „Gärten des Grauens“, die auf Facebook und Instagram mehr als 100.000 Fans hat. Die Menschen schicken ihm Beispiele trister Gärten und lebloser Stadträume, die er ohne Ortsangabe veröffentlicht.

„Ich bekomme deutlich mehr Bilder aus Westdeutschland. Das kann heißen, dass das Problem dort größer ist oder die Leute dort sensibler für den Umweltschutz geworden sind“, sagt er. Grundsätzlich stellt er fest: „Viele Bilder entstehen im ländlichen Raum und in Neubaugebieten.“ Aus Potsdam hat er keine besonders schrecklichen Beispiele in Erinnerung.

In der Teltower Vorstadt – hier übernimmt die Natur bereits wieder die Herrschaft über die Steine. Quelle: Peter Degener

Die Kies-Angebote der Baumärkte sind eine Ursache für den Trend

„Solche Flächen können durchaus praktisch sein, etwa wenn begehbare Flächen nicht vollständig versiegelt sind“, sagt der Potsdamer Landschaftsarchitekt Marko Höhn. Ganze Gartenbereiche hat er selbst noch nie so gestaltet und auch bei seinen Auftraggebern – private und öffentliche Bauherren – hat er keine stärkere Nachfrage festgestellt.

Gründerzeitbauten in der Brandenburger Vorstadt – auch hier gibt es Beispiele für Kiesbeete. Quelle: Varvara Smirnova

Als eine Ursache für den Schottertrend macht er Baumärkte aus. „Dort gibt es immer größere Sortimente von farbigem Kies und das sehen die Eigenheimbesitzer natürlich“, so Höhn. Er warnt:„Wer denkt, dass so ein Schotterbeet pflegeleicht ist, ist im Irrtum. Da sammeln sich Laub und Sedimente und dann fassen Gräser Fuß, die sie ohne aufwendige Pflege nicht mehr herausbekommen.“ Wer wenig Arbeit will, dem empfiehlt Höhn eine Blumenwiese, die man zwei mal im Jahr mäht.

„Reine Schotterflächen sind eigentlich heute schon illegal“

„Reine Schotterflächen sind eigentlich heute schon illegal“, sagt Gartenaktivist Ulf Soltau. In allen Bauordnungen Deutschlands stehe unisono, dass Freiflächen zu begrünen, zu bepflanzen und wasseraufnahmefähig zu belassen sind.“ Das sieht die Potsdamer Stadtverwaltung allerdings anders.

In der Antwort auf die Anfrage der Fraktion heißt es: „Die Anlage von Schottergärten kann unter Berufung auf die Brandenburgische Bauordnung nicht ohne weiteres verhindert oder der Rückbau durchgesetzt werden.“ Die einzige Möglichkeit, die Entstehung von Schottergärten zu verhindern, seien demnach Festsetzungen in Bebauungsplänen.

Garten am Klinikum „Ernst von Bergmann“ in Potsdam. Quelle: Peter Degener

Darauf setzt nun auch die Fraktion Die Andere. „Wir wollen künftig die Möglichkeiten der Bauleitplanung regelmäßig nutzen, um auch Festlegungen zum Versiegelungsgrad und zum Erhalt von Grünflächen zu treffen“, sagt Lutz Boede. Bereits beim Antrag zum Klimanotstand wolle man das Thema anschieben.

Eine gelungene Gestaltung großer Steinflächen: die KZ-Gedenkstätte Ravensbrück

Die Stadt hat von sich aus bereits Gespräche mit dem Naturschutzbund Nabu aufgenommen, „um weitere Aufklärung für naturnahe Gärten zu leisten“. Das unterstützt auch Ulf Soltau: „Es hilft nur Aufklärungsarbeit. Den Leuten muss klar werden, dass sie ihren Schottergarten immer wieder der Natur abtrotzen müssen.“

Immerhin ein gelungener Anwendungsfall großer, pflanzenloser Steinflächen kommt Landschaftsarchitekt Marko Höhn in den Sinn: „In der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück werden schwarze Steine genutzt, um einen starken Bruch zur Natur und die Brutalität des Ortes herauszuarbeiten.“

Von Peter Degener

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