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Potsdam Kein Schiff für die Garnisonkirche: Schubert will Jugendbegegnungsstätte
Lokales Potsdam Kein Schiff für die Garnisonkirche: Schubert will Jugendbegegnungsstätte
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19:50 10.09.2019
Die Baustelle der Garnisonkirche. Quelle: Varvara Smirnova
Potsdam

Überraschungscoup im jahrelangen Ringen um den Wiederaufbau des historischen Schiffs der Potsdamer Garnisonkirche. Anstelle des originalgetreuen barocken Kirchenschiffes soll auf dem Grundstück eine internationale Jugendbegegnungsstätte für Bildung und Demokratie entstehen.

Mit diesem Vorschlag will Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) wieder seinen Sitz im Kuratorium der Garnisonkirchenstiftung einnehmen, den er seit vergangenem März vakant gelassen hatte. Schuberts Vorstoß wurde am Dienstag im Rahmen einer Beschlussvorlage bekannt, die der Oberbürgermeister am 4. November in die Stadtverordnetenversammlung einbringen will.

„Die bisherigen Beschlüsse der Stadtverordneten zur Garnisonkirche waren widersprüchlich. Ich möchte eine eindeutige Positionierung der Landeshauptstadt Potsdam in der Frage des Wiederaufbaus des Turms und eine Idee im Umgang mit der weiteren Entwicklung im Umfeld des Turms“, sagte Schubert am Dienstag.

Die Garnisonkirche mit Schiff und Turm in den ersten Nachkriegsjahren. Quelle: MAZ/Archiv

Die Zukunft des Garnisonkirchenschiffs ist noch ungewiss: Während die Stiftung dies perspektivisch immer angepeilt hat, hielt sich die Landeshauptstadt mit Bekenntnissen immer zurück. Unklar ist auch noch, in welcher Form – ob originalgetreu oder modern – und mit welcher Nutzung das Gebäude an der Plantage errichtet werden könnte. Alt-Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) hatte einmal die Nutzung des Schiffs als Konzertsaal ins Spiel gebracht. Die Garnisonkirchenfläche wurde 2008 von den Stadtverordneten als eine „Morgengabe“ der Landeshauptstadt an die Garnisonkirchenstiftung übertragen.

Zentrum soll kein historischer Nachbau werden

Architektonisch soll das Zentrum, das Schubert vorschwebt, „kein rein historischer Nachbau werden, sondern den Anforderungen des Nutzungszwecks folgen“. Bis zum Jahr 2023 sei ein inhaltliches Konzept zu erarbeiten – inklusive der Frage der Trägerschaft einer solchen Einrichtung, so Schuberts Vorschlag. Zudem soll die Jugend- und Bildungsarbeit als Zweck in der Satzung der Stiftung Garnisonkirche verankert werden.

So soll die Stadt zudem als Kuratoriumsmitglied an einer Ausstellung im Turm der Garnisonkirche mitwirken – diese soll die Geschichte des Ortes „vollumfänglich“ darstellen. Städtische Vertreter sollen im Fachbeirat für Ausstellungen und im wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Garnisonkirche mitarbeiten. Vor diesem Hintergrund legt Schubert in der Beschlussvorlage ein deutliches Bekenntnis zum Wiederaufbau des Garnisonkirchturms ab – auch dies ein heiß umkämpftes Thema: „Grundlage dieses Handlungszieles bildet die Wiederrichtung des Turms der Garnisonkirche aufgrund bereits erteilter Baugenehmigungen.“

Vorbild ist Weimars Europäische Jugendbegegnungsstätte

Die Diskussion über die Geschichte der Garnisonkirche werde „häufig auf ihre Symbolik für das verbrecherische nationalsozialistische Regime reduziert und ihr dabei darüber hinaus ein historisches Alleinstellungsmerkmal gegeben“. Doch auch in anderen Städten gebe es „Bauten und Orte mit starken Bezügen zum nationalsozialistischen Regime und entsprechender Symbolwirkung“. Beispiele: Nürnberg, München, Köln oder die Gemeinde Berchtesgaden.

„In all diesen Städten wird eine aktive Auseinandersetzung in Mitverantwortung der Stadt geführt, wobei die Stadt jeweils Betreiber oder Mitbetreiber von Zentren ist, in denen eine Dokumentation, Auseinandersetzung und Schulung insbesondere für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler ermöglicht wird“, heißt es in der Vorlage. Vorbild könnte das Land Thüringen und die Stadt Weimar sein mit der „Stiftung Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar“ (EJBW).

All dies vor dem Hintergrund, dass „trotz der starken „Kontroverse um den Wiederaufbau der Garnisonkirche mit ihrer verhängnisvollen nationalsozialistischen Vergangenheit“ die NS-Stadtgeschichte Potsdams noch nicht ausreichend aufgearbeitet sei, heißt es.

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