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Potsdam Jetzt ist das Fundament bald fertig
Lokales Potsdam Jetzt ist das Fundament bald fertig
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20:38 04.10.2018
Eine erste Betonladung für die Fundamentplatte des Turmes der Garnisonkirche traf gestern auf der Baustelle ein.
Eine erste Betonladung für die Fundamentplatte des Turmes der Garnisonkirche traf gestern auf der Baustelle ein. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Innenstadt

Es lief wie am Fließband: Ein Lkw nach dem anderen kam am Donnerstag über die Werner-Seelenbinder-Straße auf das Areal vor der Nagelkreuzkapelle angerollt. Aus einer Kippvorrichtung am Heck rann der flüssige Beton in eine große Verteileranlage. Anschließend kam das graue Gemisch über ein riesiges Rohr und ein Netz aus Schläuchen an seinen Bestimmungsort das Fundament des künftigen Turms der Garnisonkirche.

Kriegszerstörungen in Potsdam. Ansich der damaligen Breiten Straße(ab 1948 Wilhelm-Külz-Str.) mit Neustädter Tor und Garnisonkirche. Quelle: MAZ/Archiv

An der Baustelle an der Breiten Straße hat ein neuer Abschnitt begonnen. In den nächsten Wochen wird an der 50 Zentimeter dicken Bodenplatte gearbeitet. Damit ist das Fundament des Turms fast fertig. Die Platte ruht auf 38 Gründungspfählen, die fast 40 Meter tief ins Erdreich getrieben worden sind. Ähnlich Tischbeinen bieten sie Halt für die Platte. Zwischen den Pfählen befindet sich ein Balkenrost. Das Stahlgeflecht ist 150 Tonnen schwer und mehr als einen Meter hoch. Für die Platte und die Tragebalken werden 850 Kubikmeter Beton verbaut.

Mit dieser Schlussetappe bei der Fertigung des Fundaments rückt der Hochbau in greifbare Nähe. Sprich: Jener Moment, ab dem man das Gebäude in die Höhe wachsen sehen kann. Voraussichtlich ab Ende November soll dafür die Baustelleneinrichtung gewechselt werden, erklärte Wieland Eschenburg, Kommunikationsvorstand der Garnisonkirchenstiftung, gestern. Imposant auch die Zahl der Ziegel, aus denen der Turm aufgemauert wird. 2,3 Millionen Stück aus Thüringer Manufaktur sollen angeliefert werden.

Erste Betonnage für die Fundamentplatte des Turmes der Garnisonkirche. Quelle: Bernd Gartenschläger

Momentan hinken die Arbeiten an dem Bauwerk allerdings etwa sechs Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan her. Grund: Die anfänglichen Probleme bei der Bohrung der Pfahl-Schächte. Was momentan auch noch fehlt, ist die Verlängerung der Turm-Baugenehmigung. Eschenburg: „Um allen Unwägbarkeiten aus dem Weg zu gehen, haben wir im April einen neuen Bauantrag gestellt, der aber noch in Bearbeitung ist.“

Zukunftsmusik ist momentan auch noch die Frage der künftigen Besetzung des Sitzes der Landeshauptstadt im Kuratorium der Garnisonkirchenstiftung. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hat ihn derzeit inne. Wie es aber unter seinem Nachfolger beziehungsweise seiner Nachfolgerin aussieht, ist unklar. Die parteilose Linken-Kandidatin Martina Trauth sieht weiterhin das Stadtoberhaupt in dieser Funktion – damit sei ein Höchstmaß an Mitsprachemöglichkeit für die Stadt gesichert. SPD-Bewerber Mike Schubert hat erklärt, im Falle eines Wahlsiegs nicht in das Gremium gehen zu wollen. Er sieht sich in die Vermittlerrolle und würde gerne eine „honorige Persönlichkeit“ finden, die den Sitz der Stadt im Kuratorium wahrnimmt. Bei der Stiftung zeigt man sich zurückhaltend-diplomatisch, was Schuberts Variante angeht. „Die Vertretung der Stadt durch den Oberbürgermeister hat bislang die reibungslose Information gut gesichert“, gibt Eschenburg zu bedenken.

Erste Betonnage für die Fundamentplatte des Turmes der Garnisonkirche Quelle: Bernd Gaertenschläger

In Sachen Turm-Finanzierung gibt es derzeit keinen neuen Stand, so Eschenburg. Derzeit ist die Hauptgeldquelle die zwölf-Millionen-Förderung des Bundes. Von Seiten des Landes würden keine Fördergelder fließen – abgesehen von 20 000 Euro aus Lottomitteln für den wissenschaftlichen Beirat der Stiftung. Auch Unterstützung aus Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der DDR (PMO-Mittel) wird es nicht geben. „Wir haben gar keinen Antrag gestellt – nur einmal brieflich bei der Regierung nachgefragt, ob so eine Möglichkeit besteht“, betont Eschenburg.

Von Ildiko Röd