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Potsdam Diese Wirtin macht den „Übergang“ wieder flott
Lokales Potsdam Diese Wirtin macht den „Übergang“ wieder flott
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11:59 08.12.2019
Katrin Dähne hat in Potsdam die Gaststätte „Übergang" übernommen. Quelle: Alexander Engels
Innenstadt/Babelsberg

Dort, wo Potsdam auf Babelsberg trifft, ist der „Übergang“. Am Fuße der alten Fußgängerbrücke über die Bahngleise, die parallel zur Friedrich-Engels-Straße verlaufen, heißt eine Gartensparte genau so – und auch das dazugehörige Lokal. Vor wenigen Monaten wurde es geschlossen.

Doch jetzt hat eine neue Wirtin dort wieder Schwung reingebracht. Hinter dem Tresen steht Katrin Dähne, eine Babelsbergerin mit rauchiger Stimme, voller Energie und einem klaren Ziel: „Ich möchte, dass meine Gäste hier unvergessliche Abende verbringen. Sie sollen feiern, bis die Sonne aufgeht.“ Und das kann im Winter sehr lange dauern.

Seit kurzem führt Katrin Dähne das Lokal „Übergang“ in Potsdam. Mit viel Liebe zum Detail hat sie es gestaltet – zurzeit mit Weihnachtsdeko.

Der Flachbau liegt etwas versteckt hinter hohen Hecken. Ein Plattenweg führt vom Kleingarten typischen grünen Eingangstor zur Gaststätte und führt direkt an der überdachten Vorder-Terrasse vorbei. Durch die schmale Tür betritt man den holzverkleideten Gastraum. Eine Mischung aus Küchenduft und Bier-Bukett liegt in der Luft. Die Wände sind bestückt mit Potsdam-Devotionalien: alte Stadtansichten, meist in Schwarz-Weiß, ein Fußball-Schal „Potsdamer FC 1973“. Ein Kachelofen strahlt Wärme ab, der Billard-Tisch steht etwas abseits, der Darts-Automat in einer anderen Ecke. Gehobenes Kneipen-Ambiente, das etwas gemütliches, familiäres ausstrahlt.

Namensgeber: Der Übergangs über die Reichsbahn in der Friedrich-Engels-Straße wurde 1981 eröffnet. Quelle: MAZ/Annelies Jentsch

Katrin Dähne steht hinterm Tresen am Zapfhahn und lässt Bier in eine Pilztulpe schäumen. Vorn über ihr hängen Gläser, hinter ihr reihen sich Gläser und Flaschen in einem Holzregal. Ein beleuchteter Softdrink-Kühlschrank summt hinter der Frau mit dem hellblonden Haar. Ein Durchgang führt in die Küche dahinter. Eine Wanduhr läuft spiegelverkehrt, kesse Sprüche auf Emaille-Schildern – wartende Gäste kommen da mal ins Schmunzeln.

Sprüche gehören zur Deko. Quelle: Alexander Engels

Für Katrin Dähne – und auch für den Spartenverein – ist der „Übergang“ nicht nur ein Lokal für die Kleingärtner, sondern eine Gaststätte für Jedermann. Gut erreichbar ist sie allemal – genau auf der Mitte zwischen Hauptbahnhof und S-Bahnhof Babelsberg, eine Bushaltestellen desselben Namens vor der Tür und ein Parkplatz, der auch kleinen Gesellschaften auffangen kann. Trotzdem: Laufkundschaft ist an dieser Stelle zwischen allen Wohngebieten selten.

Gutbürgerliche Küche und Veranstaltungen

Womit möchte Katrin Dähne ihre Kunden anlocken? „Mit gutbürgerlicher Küche, dafür war schon mein Vorgänger bekannt, und mit meinen Veranstaltungsangeboten“, antwortet die 50-Jährige. Damit kennt sie sich aus. Die vergangenen fast 19 Jahre betrieb sie das „Zweimädelhaus“ erst in der Goethe-, dann in der Großbeerenstraße.

Sie war das eine Mädel, das andere war ihre Mutter. „Sie war die gute Seele“, erzählt Katrin Dähne und ihre Sätze kommen etwas langsamer mit den Erinnerungen an die „Mutti“, die im vorigen Jahr starb. „Sie war bis zum Schluss unsere Küchenfee. Und alle haben ,Mutti’ zu ihre gesagt, auch die Bauarbeiter, für die sie extra kochte oder mit denen sie auch mal Skat spielte.“ Noch mit 77 Jahren kochte sie die Menüs für jede Veranstaltung, die das „Zweimädelhaus“ ausrichtete. Auch als es ihr die Arbeit zu schwer wurde, „war sie täglich in der Küche und gab den Leihköchen Anweisungen“, sagt ihre Tochter voller Respekt: „Sie war eine strenge Lehrerin für mich.“

„Mutti“ kochte schon in der „Schlachteplatte“

Im Gegensatz zu ihr kam ihre Mutter aus der Gastronomie. Sie war zu DDR-Zeiten als Köchin in der „Schlachteplatte“ in der Potsdamer Innenstadt angestellt. Katrin Dähne hat Eisenbahntransporttechnikerin bei der Reichsbahn gelernt. Später schulte sie um auf Verkehrskauffrau, dann war sie in der Alten- und Krankenpflege tätig.

„Es war ein großer Schritt für mich, den festen Job aufzugeben und eine Gaststätte zu eröffnen“, sagt sie. Warum tat sie es dann? „Es ging um eine Wette.“ Und das war so: Beim Tapezieren einer Wohnung mit einer Freundin „blödelten wir rum, dass wir die Eckkneipe, die in der Nähe leerstand, selbst aufmachen“. Das bekam ein Freund auch mit und überraschte sie tags darauf: „Mädels, Ihr habt einen Besichtigungstermin. Wetten, dass Ihr nicht dahingeht?“

Gaststätten-Name kam spontan

Doch. Sie gingen hin – und wären beinahe gleich wieder herausgestürzt. „Da war ein ekliger Geruch von alter Hefe und Frittenfett im Raum. Es war dreckig und staubig“, erinnert sich Katrin Dähne. Und trotzdem: „Wir haben uns gesagt: Das machen wir!“ Mit ihrer ersten Geschäftspartnerin richtete sie sich das Lokal in der Goethe-/Ecke Uhlandstraße zu einer „kleinen Puppenstube“ her. Das erste „Zweimädelhaus“ war geboren.

Der Name kam spontan auf dem Amt. „Wir hatten noch gar nicht darüber nachgedacht, als die Frau im Gewerbemeldeamt danach fragte.“ Weil der Vermieter sie immer mit „die zwei Mädel“ angesprochen hätte, nahmen sie das gleich als Kneipennamen.

Katrin Dähne vorm „Übergang". Quelle: Alexander Engels

Nebenbei ging die Babelsbergerin ihrem Pflegeberuf nach. „Da wurde ich sehr unterstützt“, erinnert sie sich. Von Gastronomie hatte sie damals keine Ahnung. Mehr noch: „Ich hatte bis dahin nie auch nur einen Tropfen Alkohol getrunken.“

Aber es kam zum Bruch. Geschäftlich und privat trennten sich die Wege der „Zweimädel“. Katrin Dähne machte zunächst allein weiter, bis ihre Mutter einsprang. Gemeinsam stemmten sie auch den Neuanfang in der Großbeerenstraße, wo gerade das alte Café Kaschner aufgegeben worden war.

Als „Mutti“ starb war auch im „Zweimädelhaus“ Schluss

Das war im Jahr 2004, als das „Zweimädelhaus“ neu durchstartete. Erst am 1. Mai 2019 war Schluss. Allein wollte sie das „Zweimädelhaus“ nicht weiterführen. „Da hingen zu viele Erinnerungen dran“, sagt sie. Doch das „Stübchen“ in Bornstedt betrieb sie weiter.

Das Konzept war immer zweigleisig: einerseits der tägliche Lokalbetrieb, andererseits das Ausrichten privater Veranstaltungen wie Geburtstagsfeiern, Hochzeiten oder Firmenfesten. Das Geheimnis des Erfolges? „Herzlichkeit“, sagt Katrin Dähne und: „Selbst kochen ohne Abkürzung.“ Fertiggerichte kommen ihr nicht in die Küche – das hat sie von „Mutti“ gelernt.

Weihnachtsdeko in der Gaststube. Quelle: Alexander Engels

Und das beherzigt sie auch jetzt. „Das Gesellige ist hier einfach da“, sagt sie über den „Übergang“. Die Gäste kommen, um Schach, Skat oder Würfelspiele zu spielen, und zum Klönen. Viele sind froh, dass das Lokal nur kurz leerstand.

„Bei der Eröffnung war ich total überwältigt“, erzählt Katrin Dähne. Stammgäste kamen mit Blumen und Geschenken. Und sie versprach: „Ich will nicht alles besser machen, aber manches anders.“ Am Bauernfrühstück serviert sie weiterhin. Und wer kurzfristig ein Lokal für die Weihnachtsfeier sucht, könnte im „Übergang“ auch noch Glück haben.

Von Alexander Engels

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