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Potsdam Gedenken an Potsdams größte Wende-Demo
Lokales Potsdam Gedenken an Potsdams größte Wende-Demo
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05:52 05.11.2019
Pastorin Annette Flade hatte vor 30 Jahren an gleicher Stelle gesprochen. Mit weichen Knien, wie sie sagt. Quelle: Varvara Smirnova
Innenstadt

Am Montagabend hat die Landeshauptstadt Potsdam in zwei Veranstaltungen an die Friedliche Revolution von 1989 erinnert. Zum Jahrestag der größten Proteste der Friedlichen Revolution in Potsdam fanden sich etwa 200 Menschen auf dem Luisenplatz ein, dort hatten am 4. November 1989 20.000 Bürger zur größten Kundgebung vor dem Fall der Mauer versammelt. Die anschließende Demonstration wuchs noch weiter an, manche Zeitzeugen sprechen von mehr als 100.000 Teilnehmern.

Oberbürgermeister Mike Schubert und Saskia Hüneke gedenken der Demonstration. Quelle: Varvara Smirnova

Diesen größten Massenprotest bezeichnet Oberbürgermeister Mike Schubert am Montag als „ganz besonderen Moment für den Potsdamer Revolutionsherbst. Vor 30 Jahren strömten Tausende Potsdamerinnen und Potsdamer auf diesen Platz, um für Freiheit und Demokratie zu demonstrieren und vor allem Presse- und Versammlungsfreiheit einzufordern.“

Annette Flade, heute 69 Jahre alt, sprach damals auf dieser Kundgebung. „Heute stehe ich hier etwas sicherer“, sagt sie, „damals hatte ich weichere Knie.“ Für sie sei es eine große Überraschung gewesen, dass sich so viele Menschen auf dem damaligen Platz der Nationen versammelten. „Alles, was wir geplant hatten, mussten wir sein lassen“, erinnert sich Annette Flade, denn mit Leiterwagen und Flüstertüte sei beider schieren Menge an Menschen nichts zu machen gewesen.

Mehr als 100.000 Menschen gingen am 4. November 1989 in Potsdam auf die Straße, doch vom Mauerfall träumten sie nicht. Zu Unvorstellbar war die Grenzöffnung, die wenige Tage später Wirklichkeit werden sollte. Die Demo blieb friedlich – noch vier Wochen zuvor aber hatte die Staatsmacht ihre Kräfte spielen lassen.

Zu denen, die in der Menge standen, gehören Uta Leichsenring und Gisela Rüdiger. Nach der Wende waren die beiden Frauen jeweils Leiterin der Potsdamer Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde. Im Herbst 1989 erlebten sie eine unvergleichliche Aufbruchstimmung. „Die Zäsur war die große Demo in Leipzig am 7. Oktober“, sagt Uta Leichsenring auf dem Luisenplatz. Am selben Tag – dem vierzigsten Jahrestag der DDR – gab es auch in Potsdam eine Demonstration. Eine kleine Gruppe hatte sich mit einer Blume in der Hand vor dem Brandenburger Tor zusammengefunden und skandierte: „…wir bleiben hier, verändern wollen wir“. Aus einer nach und nach größer werdenden Gruppe von mehreren hundert Menschen formierte sich in der Fußgängerzone in der Innenstadt ein friedlicher Demonstrationszug, der schließlich von Polizei und Geheimdienst gewaltsam aufgelöst wurde.

Lage war kurz zuvor noch sehr gefährlich

Uta Leichsenring empfand die Lage damals entsprechend noch als sehr gefährlich: „Ich selbst wäre da nicht mitgegangen.“ Gisela Rüdiger sagt: „Leipzig hat die Macht gebrochen, das haben wir gespürt.“ Dank Westfernsehen erfuhren auch die Potsdamer von den Demonstrationen im ganzen Land. Doch dass wenige Tage später die Mauer fallen würde, hätten beide nicht erwartet. „Das war auch gar nicht unser Anliegen“, sagt Uta Leichsenring. „Wir wollten Reisefreiheit, Versammlungsfreiheit.“ Der Mauerfall, gar die Wiedervereinigung – undenkbar, unvorstellbar. Saskia Hüneke, langjährige Kustodin der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und Potsdamer Stadtverordnete (Grüne), war ebenfalls dabei. „Das war das erste Mal, dass wir keine Angst mehr hatten“, sagt sie.

Erstmals wurden am Montag künstlerische Entwürfe für ein Denkmal zur Friedlichen Revolution vorgestellt, das auf dem Luisenplatz entstehen soll. Es soll zur aktiven Auseinandersetzung mit der Bürgerschaftsbewegung von ‘89 und dem heutigen Demokratieverständnis anregen. Aus den präsentierten Entwürfen wird in einem Verfahren, das sowohl Bürgerbeteiligung als auch die Empfehlung einer Jury vorsieht, der Siegerentwurf ausgewählt. Die Realisierung des Denkmals für die Friedliche Revolution ist für 2020 vorgesehen.

Von Saskia Kirf

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