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Potsdam Gefährdete Landschaft
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19:01 25.07.2018
Lars Schmäh, Bereichsleiter Umwelt und Natur, gestern in der Bornimer Feldflur. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam/Bornim

Grillen zirpen in der Nachmittagshitze, hin und wieder tschilpt ein Vogel im Geäst am Wegesrand, es riecht nach Staub. Weit hinter dem Stoppelacker mit den dahingerollten Strohballen erhebt sich aus einer Senke der Turm der Bornimer Kirche. Im Schatten der Bäume eine Bank, daneben eine Informationstafel. „Bellevue Augustenruh“ hat Garten- und Landschaftskünstler Peter Joseph Lenné (1789-1866) diesen Platz an der Lindenallee zwischen dem Lausebusch und der Domäne Bornim genannt. Im Rundumblick sieht man über den Feldern die Türme des Pfingstberg-Belvederes, den Ruinenberg und ganz fern den Fernmeldeturm auf dem Schäferberg.

Der Persiusturm ist das einzige erhaltene Gebäude der historischen Gutsanlage. Quelle: Friedrich Bungert

Zwischen 1832 und 1844 hatten Lenné und der Hofgärtner Ludwig Hermann Sello (1800-1876) die Landschaft zwischen Kirschallee und Schlangenbruch, Sacrow-Paretzer Kanal und Potsdamer Straße neu gestaltet. Zentrum war der Gutshof mit dem 22 Meter hohen Persiusturm, von dem aus Aufseher die Arbeiten in den Gärten und Feldern überwachten. „Der Persiusturm ist das letzte historische Überbleibsel der als Mustergut errichteten Domäne“, sagt Lars Schmäh, der als Bereichsleiter Umwelt und Natur im Rathaus für die Feldflur zuständig ist. Am Mittwoch präsentierte er ein komplett erneuertes Wege- und Informationssystem für Touristen.

Zwischen 1996 und 2005 ist die fast 900 Hektar große Bornimer Feldflur mit ihren mehr als 21 Kilometer Wegen rekonstruiert worden. Sichtachsen wurden geöffnet, verlorene oder verwilderte Alleen und Buschreihen nachgepflanzt, das für die Entwässerung angelegte Kanal- und Grabensystem erneuert. Als Lennésche Feldflur war die wiederhergestellte Muster-Landwirtschaft im Übergang zwischen königlichen Parkanlagen und freier Landschaft eine der Hauptkulissen der Bundesgartenschau 2001.

Eine der 15 erneuerten Informationstafeln. Quelle: Friedrich Bungert

Zur Information und Orientierung von Besuchern wurden damals 30 Pultschilder mit einem Wegeleitsystem an allen wichtigen Zugängen und Kreuzungen sowie 15 Informationstafeln mit illustrierten Erläuterungen etwa zum Persiusturm, zum Gutsgarten oder auch zum „Bellevue Augustenruh“ aufgestellt, die im Laufe der Jahre aber nahezu komplett ausgeblichen waren. Die Schilder sind jetzt für insgesamt 33.000 Euro durch langlebigere Modelle in robuster Ausführung und mit witterungsbeständigerer Beschichtung ersetzt worden. Der Inhalt blieb unverändert.

Die Erhaltung der bundesweit einmaligen Feldflur ist keine Selbstverständlichkeit, obwohl sie seit 2014 unter Denkmalschutz steht. Nach dem 2. Entwurf des Landesentwicklungsplans für die Hauptstadt-Region, der 2017 vorgelegt wurde, sollten Randgebiete langfristig für den Siedlungsbau freigegeben werden. Im Mai 2018 haben die Potsdamer Stadtverordneten beschlossen, dass „eine Siedlungsentwicklung“ in der Bornimer Feldflur unter anderem aus Gründen des Denkmal- und Landschaftsschutzes sowie der Landschaftspflege „weder sinnvoll noch möglich“ ist.

Die Lenné-Akademie plädierte in einer Stellungnahme zum Landesentwicklungsplan dafür, die Bornimer Feldflur „in die Welterbe-Liste zu übernehmen und damit dauerhaft zu sichern“.

Astrophysik hinter einem Bretterzaun

Mit der Eröffnung des Mustergutes wurde die Bornimer Feldflur 1844 zu einem Ort der Wissenschaft, an dem Landwirtschaft beispielgebend für andere Regionen betrieben und weiterentwickelt wurde.

Die Wissenschaftstradition wird heute vom Leibniz-Institut für Agrartechnik fortgesetzt, das seinen Sitz am Ort der ehemaligen Gutsanlage hat. Das Institut experimentiert unter anderem in mehreren Baumschulen nahe dem Persiusturm mit der Aufzucht von Energieholz-Pappeln.

Gleich gegenüber leistet das Leibniz-Institut für Astrophysik (AIP) auf einem teils hinter einem Bretterzaun versteckten Feld mit zwei 60 mal 60 Meter großen Antennenfeldern einen Beitrag zu einem über halb Europa verteilten Riesenteleskop, mit dem unter anderem die Frühphase des Universums und die Entstehung von Galaxien erforscht wird.

Von Volker Oelschläger

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