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Potsdam Geoforscher setzen immer mehr auf Drohnen
Lokales Potsdam Geoforscher setzen immer mehr auf Drohnen
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17:20 05.07.2017
Sie sind keineswegs nur ein Spielzeug. Als Forschungsinstrument werden Drohnen immer wichtiger. Quelle: dpa
Golm

Drohnen werden in der Wissenschaft immer mehr zum Hit - auch in Potsdam. Das kann Bodo Bookhagen, Professor für Geologische Fernerkundung an der Universität Potsdam, bestätigen. Er hat jüngst den Workshop „Drohnen im Dienst der Wissenschaft“ organisiert. Institute und Einrichtungen in Potsdam und Umgebung konnten sich bei Referaten und Vorführungen ein Bild von der neuesten Flug- und Sensortechnik machen. „Wir gingen ursprünglich von 25 Interessierten aus, im Endeffekt kamen 35 Teilnehmer“, sagt Bookhagen. Die nahmen zum Teil sogar weite Anfahrtswege nach Golm in Kauf. So schickte zum Beispiel auch das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) aus Müncheberg (Märkisch-Oderland) einen Teilnehmer. Bookhagens Resümee: „Die Möglichkeiten des Droheneinsatzes sind noch längst nicht ausgeschöpft.“

Drohnen checken Erdgasleitungen

So staunte der schon lange mit Drohnen als Erkundungsinstrument arbeitende Bookhagen über eine bei der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) südlich von Berlin geprüfte Messtechnik. Dabei werden Laser auf Drohnen montiert. Die Laser reagieren auf Zunahme von Methangas in der Luft. Damit könnten künftig unterirdische Erdgasleitungen sehr kostengünstig und weiträumig auf mögliche Lecks geprüft werden. Auch beim Fracking entsteht Methangas als Nebenprodukt. Dessen Entweichen könnte ebenfalls von solchen Fluggeräten geprüft werden. Das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) in Bornim wiederum lässt Drohnen über Felder und durch den Wald fliegen, um den Schädlingsbefall etwa von Obstbäumen zu entdecken. Auch hier können in kürzester Zeit und für relativ wenig Geld große Flächen abgedeckt werden.

Bookhagen selbst setzt Drohnen zum Beispiel bei Geländeerkundungen auf der Santa Cruz Insel vor der kalifornischen Stadt Santa Barbara ein. Das Naturschutzgebiet im Pazifik ist sehr unwegsam und zum Teil dicht mit Sträuchern und Büschen bewachsen. Bookhagen erforscht verschiedene Stoffumsätze auf der unbewohnten Insel. Wo und wie werden Sedimente transportiert, wie viel Kohlendoxid wird umgesetzt? Ohne Drohnen wären die Untersuchungen in diesem Feld überhaupt nicht machbar. Aber auch für die digitale Kartografierung von Geländen sind Drohnen unabdingbar. „Über Bäume können Sie nicht gehen“, sagt Bookhagen. Drohnen können das aber sehr wohl. Für sie sind auch Schluchten kein Hindernis. Die von ihnen gesammelten Daten erlauben ein viel detaillierteres Modell von Landschaften mit all ihrem Bewuchs und Höhenunterschieden als bisherige.

500000 private Drohnen

Drohnen sind unbemannte Luftfahrzeuge, die zivilen, militärischen und wissenschaftlichen Zielen dienen können. Bei den in der Wissenschaft eingesetzten Fluggeräten handelt es sich zumeist um Multicopter, also Geräte, bei denen mehrere fest montierte Rotoren wie bei einem Hubschrauber für den Auftrieb sorgen. Diese Geräte können senkrecht starten und auch auf einem Punkt in der Luft verharren.

Im privaten Einsatz werden Drohnen immer beliebter. Man vermutet, dass schon rund 500 000 Fluggeräte herumschwirren. Die Zahl könnte laut Schätzungen der Polizei auf über eine Million steigen.

Bookhagen vermittelt die Einsatzmöglichkeiten der Drohnen auch in seiner Lehre. Dazu sammelt er zum Beispiel ab August zusammen mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten neues Anschauungsmaterial. Drohnen sollen den Park Sanssouci überfliegen und das gesamte Gelände aufnehmen. „Die Studierenden können so sehen, welche Sichtweisen mit Drohnen möglich sind.“ Auch die Schlösserstiftung werde von dem Material profitieren. Nicht nur bekommt sie eine Übersicht über den Bewuchs des Parks, auch neues Werbematerial fällt an. „Es wird einfach schöne Bilder mit ungewöhnlichen Ansichten vom Schlosspark geben, in die man auch interaktiv reinzoomen kann“, so der Geophysiker.

Kartierung längst ausgetrockneter Seen

Große Drohnenfans finden sich auch in der Arbeitsgruppe „Allgemeine Geologie“ des Leibniz-Preisträgers Manfred Strecker. Dessen Mitarbeiter, der Diplom-Geologe Simon Riedl, war zum Beispiel schon in Süd-Kenia im Feldeinsatz. „Wir nutzen die Drohne dort für Luftaufnahmen, um präzise digitale Geländemodelle zu erstellen“, sagt er. Die Gruppe erforscht die Vergangenheit längst ausgetrockneter Seen, sogenannter Paläoseen. „Wir kartieren mit der Drohne unter anderem Strandlinien dieser Paläoseen und vermessen die Geometrie von Schluchten, die mit dem Wasserabfluss dieser Seen in Verbindung stehen“, sagt Riedl.

Auf den Geschmack gekommen ist inzwischen auch der Potsdamer Professor für die Dynamik des Paläoklimas, Martin Trauth. Bislang hat er für seine Forschungen in Ostafrika noch keine Drohnen eingesetzt, er will das aber im Herbst 2018 tun. In Südäthiopien gibt es riesige Gebiete, die in den vergangenen Jahrtausenden enorme Klimaumwälzungen durchgemacht haben. Trauths These ist, dass ein feuchtes Klima in diesen Gebieten die Evolution der Menschen begünstigt habe. Trauth denkt daran, Drohnen mit einem Sensorium auszustatten, mit dem sie bestimmte Sedimente und deren Konzentration identifizieren können. Er hofft einen Zusammenhang zwischen der Konzentration verschiedener Elemente zu einer bestimmten Zeit und den Niederschlägen in den entsprechenden Regionen nachweisen zu können. Dies geht bei dem großen Gebiet nur von der Luft aus. „Für einen Hubschraubereinsatz zahlen wir in zwei Wochen 60000 Euro“, sagt Trauth, eine gute Drohne sei schon für einige Tausend Euros zu bekommen. Die notwendigen Kameras kosten etwa 2000 Euro.

Natürlich werfen die neuen Technologien auch neue Fragen auf, zum Beispiel rechtliche. Was darf überhaupt wann und wie aufgenommen werden? Und wem gehören die Daten, die die Drohnen sammeln? Wer darf und soll sie auswerten können? Eigentlich hatten solche Fragen schon auf dem Workshop in Golm angeschnitten werden sollen. Doch der zuständige Rechtsexperte musste kurzfristig absagen. Bookhagen ist aber sicher, dass es weitere Drohnen-Workshops in Potsdam geben – und dabei auch das Rechtsthema eine große Rolle spielen wird.

Von Rüdiger Braun

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