Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Geschäftsfreunde oder Amigos? Krampnitz als Polit-Skandal
Lokales Potsdam Geschäftsfreunde oder Amigos? Krampnitz als Polit-Skandal
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:27 21.01.2013

Krampnitz gilt mittlerweile als Synonym für Brandenburgische Amigo-Wirtschaft.

Die Vorgeschichte: Große Teile des Kasernengeländes fielen nach Abzug der Russen in den 90er-Jahren an den Bund. Das Land Brandenburg übernahm – anders als andere neue Bundesländer – die Flächen komplett. Die mit der Verwaltung betraute Bodengesellschaft BBG wiederum – sie gehörte zunächst dem Land und wurde dann privatisiert – verhökerte die Liegenschaft mit ihren 112 Hektar im Jahr 2007 an fünf private Gesellschaften, die unter dem Namen „TG-Gruppe“ aktenkundig sind.

Als Kaufpreis vereinbart waren 5,1 Millionen Euro. Viel zu billig für ein Areal, auf dem 4000 Menschen leben sollen, sagen Kritiker. Spätere Gutachten ermittelten einen deutlich höheren Wert.

Die Gesellschaft BBG, also das Land, stellte in Aussicht, 90 Prozent des Kaufpreises zurückzuerstatten, weil mit erheblichen Kosten für die Altlastenbeseitigung zu rechnen war. Der tatsächliche Kaufpreis hätte demnach nur rund 500 000 Euro betragen.

Was die Parlamentarier im Untersuchungsausschuss besonders interessiert: Was haben die Freunde des damaligen Finanzministers Rainer Speer (SPD) gefingert? Eigentümer und Geschäftsführer der BBG war Frank Marczinek – er saß mit Speer im Vorstand des Fußballvereins Babelsberg 03. Als Chef der landeseigenen BBG sollte er eigentlich den größeren Teil der Kaserne für das Land meistbietend veräußern. Marczinek mutierte im Zuge des Verkaufs der Landesflächen zum privaten Immobilienentwickler. Das irritiert viele Landtagsabgeordnete, die derzeit über den Krampnitz-Akten brüten.

Zum einen trat der Speer-Kumpel als Verkäufer des Landesareals auf und veräußerte die Flächen an die TG-Gruppe – nach Auffassung des Landesrechnungshofs unter Wert. Zugleich wollte er sich gemeinsam mit Freunden ein Stück des lukrativen Kuchens sichern.

Gemeinsam mit seinem alten Bekannten aus Wendezeiten Thilo Steinbach – beide waren Staatssekretäre in der letzten DDR-Regierung unter Lothar de Maizière – gründete Marczinek eine Gesellschaft. Diese sollte der Stadt Potsdam eine zehn Hektar große Fläche abkaufen, die direkt an das Landesareal angrenzte, welches Marczinek gerade an die TG-Gruppe verkauft hatte.

Steinbach, ebenfalls aus dem Vorstand von Babelsberg 03, hatte die TG-Gruppe zwei Jahre zuvor beim Kauf beraten. Jetzt plötzlich trat der Speer-Intimus gemeinsam mit Freund Marczinek als potenzieller Käufer auf. Das Gebot der Freunde hat deshalb ein Geschmäckle, weil der damalige Finanzminister Speer Herr des Verfahrens im Potsdamer Norden war. Er steuerte den gesamten Verkauf.

Letztlich kam – auch im Licht der aufziehenden Speer-Affäre – der Verkauf der zehn Hektar nicht zustande. Die gemeinsame Gesellschaft von Marczinek und Steinbach verschwand aus dem Handelsregister. Speer ist mittlerweile von allen Ämtern zurückgetreten.

An der Seriosität der Käufer, also der TG-Gruppe, gibt es mittlerweile bei Land und Stadt erhebliche Zweifel. Insbesondere die angeblich im Hintergrund als Finanzier wartende dänische Investment-Gesellschaft Thylander hatte nach aktueller Einschätzung von Stadt und Land nie eine gesellschaftsrechtliche Verbindung zu den Käufergesellschaften.

Die fünf unter dem Namen „TG“ zusammengefassten Firmen, hinter welchen vor allem der Hannoveraner Rechtsanwalt Ingolf Böx beziehungsweise seine Sekretärinnen stehen, sind allein für das Krampnitz-Vorhaben als Projektgesellschaften gegründet worden. Sie gehören keinem wirtschaftsstarken Unternehmensverbund an. So verfügen vier dieser Gesellschaften laut Landtags-Untersuchungsausschuss über weniger als 20 Euro Stammkapital – sie sind als britische Limited eingetragen, nicht als deutsche GmbH.

Dass die „TG“-Gruppe tatsächlich genug Geld und den erforderlichen langen Atem hätten, um ein Mammutprojekt wie Krampnitz durchzuziehen, das bezweifeln mittlerweile die meisten Beobachter. Kritiker vermuten, dass die TG mit der Riesenimmobilie am See vor allem spekulieren und einen schnellen Euro machen wollte. Kaum von der BBG erworben, wollte die TG die Grundstücke bereits kurz nach dem Kauf weiterveräußern. Das hat das Land nicht gestattet. Stattdessen will es jetzt die Flächen durch Wiederkauf zurückholen. Nun brüten die Gerichte über dem Krampnitz-Komplex. (Von Ulrich Wangemann)

Potsdam Krampnitz wird ein neuer Stadtteil – die Planer wollen Denkmäler erhalten und neue Wohnformen bieten - Kasernenhöfe zu Angerdörfern

Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) vollends entzückt – das hat Seltenheitswert. Doch die Pläne für die rund 150 Hektar große Krampnitzer Militärbrache haben es ihm offenbar angetan.

21.01.2013
Potsdam Beim Fußball-Drittligisten SV Babelsberg 03 reagiert man auf MAZ-Interview mit Turbine-Trainer Bernd Schröder - Scharfe Töne, milde Töne

Für Irritationen beim Fußball-Drittligisten SV Babelsberg 03 haben Äußerungen von Bernd Schröder, Trainer des Frauenfußball-Bundesligisten 1. FFC Turbine Potsdam, im gestrigen MAZ-Interview gesorgt.

21.01.2013
Potsdam Kämmerei verrechnet wachsende Erträge mit steigenden Ausgaben / „Zukunftsprogramm 17“ ersetzt Haushaltssicherungskonzept - Sparpaket für den Doppelhaushalt

Die Landeshauptstadt verzeichnet Rekorde bei den Einnahmen, doch auch die Ausgaben nehmen rasant zu. Deshalb will die Kämmerei mit einem neuen Sparpaket „Zukunftsprogramm 17“ eingreifen, das von den Stadtverordneten mit dem Doppelhaushalt 2013/14 beschlossen werden könnte.

21.01.2013