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Potsdam Linke Hände? Hier wird in Potsdam alles verpackt
Lokales Potsdam Linke Hände? Hier wird in Potsdam alles verpackt
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01:16 23.12.2018
Geschenke-Einpackstation im Stern-Center Potsdam
Geschenke-Einpackstation im Stern-Center Potsdam Quelle: .
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Potsdam

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Kurz vor knapp gilt es noch die Weihnachtsgeschenke liebevoll einzupacken und so mancher braucht für die große Schleife zwei Hände und einen großen Zeh zum Festhalten des Bandes. Um die Bescherung dennoch schön zu halten, gibt es Profieinpacker wie Alexandra Schmidt, die für Kurzentschlossene und Notfälle sogar an Heiligabend arbeiten.

Im Akkord verpackt die 34-Jährige ein Geschenk nach dem anderen. Hier eine Schleife, dort mit der Schere gelocktes Geschenkband. Besondere Fähigkeiten brauche man nicht: „Das kommt alles mit der Zeit“, sagt Schmidt, die zum ersten Mal Geschenke professionell einpackt. „Und die Zeit vergeht hier sehr schnell“, ergänzt sie. Etwa 150 – 200 Geschenke verpacken drei Profi-Einpackerinnen im Stern-Center am Tag.

„Es wird verpackt, was auf den Tisch kommt“

Am Anfang hatte Schmidt Angst, dass die Geschenke, die sie einpackt, nicht schön aussehen würden. „Aber jetzt denke ich gar nicht mehr daran. Es wird verpackt, was auf den Tisch kommt“, sagt sie. Die Geschenke müssen auch nicht vor Ort gekauft werden. Das Baby in der Trageschale sollte man aber nicht auf dem Tisch abstellen. Es einzupacken wäre nämlich kein Problem. Bei Teddys, Schlitten und Tischen überlegt Schmidt noch wie sie es verpackt, weil der eckige Karton fehlt. „Es ist eine Herausforderung“, sagt sie.

Alles für die Verpackung: Franziska Schulze (links) und Florentine Schröder an der Einpackstation im Stern-Center. Quelle: Bernd Gartenschläger

Auch das individuelle Einpacken. Zehn Sorten Geschenkpapier und sechs Geschenkbänder stehen den Profieinpackerinnen zur Verfügung. „Wir fragen immer, für wen das Geschenk ist und passen das dann an. Manchmal wissen die Kunden auch schon was sie wollen“, erzählt Schmidt. „Kind. Frau. Meins“, beschreibt dann Jörg Schäfer ganz un­prä­ten­ti­ös und tippt auf das passende Geschenk. Er lässt seine Geschenke jedes Jahr von Profis verpacken, weil er dazu keine Zeit hat, dafür aber vollstes Vertrauen.

„Hauptsache nicht selbst einpacken“

Schmidt fragt nach Alter des Kindes und Lieblingsfarben. Beim Abholen vergewissert sie sich, ob die Verpackung auch so gefällt. „Hauptsache ich muss es nicht selber einpacken“, sagt Sabine Hinze. Auch sie hat dieses Jahr einfach zu viel Stress. Eine Stunde Wartezeit ist ihr das Wert sowie eine kleine Spende, die an gemeinnützige Projekte, wie die Sterntaler-Aktion geht. Die Profis geben auch ihr Trinkgeld dazu.

„Die Ideen gehen mir nicht aus, sondern die Techniken“, sagt Schmidt. In der dritten Woche lernt sie noch von den Kollegen. Zum Beispiel das Tütenfalten aus Geschenkpapier. „Da wäre ich so nie drauf gekommen“, sagt sie. Ein Geräusch unterbricht sie aber: „Oh nein, das Papier ist gerissen!“, stellt sie fest. „Ich rette das!“, sagt ihre Kollegin, die schon im dritten Profijahr ist. Etwas Klebeband, das von einem Band verdeckt wird, ist die Rettung – nicht nur der Verpackung, sondern auch der Laune des Kunden.

Von Jan Russezki