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Potsdam Weltoffener Dialog in der Villa Herzfeld
Lokales Potsdam Weltoffener Dialog in der Villa Herzfeld
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19:05 12.06.2019
Claudia und Dirk Westerheide (vorne r.) mit Reinhard Hüttl (2.v.l.) und Moderator Andreas Schlüter (vorne l.). Quelle: Bernd Gartenschläger
Brandenburger Vorstadt

Die Villa Herzfeld in der Geschwister-Scholl-Straße – mit Logenblick auf den Park Charlottenhof – ist eine von jener Sorte, die einem modernen Fontane überreichen Stoff bieten würde. So wechselvoll, so unglaublich panoramabreit ist ihre Geschichte. Errichtet wurde das Gebäude um die vorletzte Jahrhundertwende für Gustav Herzfeld. Der 1861 in New York geborene, deutschstämmige Anwalt konnte dabei aus dem Vollen schöpfen – er stammte aus einer Bankiersfamilie. Der neobarocke Bau wurde zu einem kunstsinnigen Ort. 1938 erhielt Herzfeld, der da schon nicht mehr in der Villa lebte, als jüdischer Anwalt Berufsverbot. 1942 wurde er in das Ghetto Theresienstadt deportiert.

Die Villa wurde um die vorletzte Jahrhundertwende für Gustav Herzfeld erbaut. Quelle: Bernd Gartenschläger

Unselig verlief in der ersten Nachkriegszeit auch die weitere Geschichte des Hauses – als Sitz der sowjetischen Militärspionageabwehr. Die jetzigen Hauseigentümer – Unternehmer Dirk Westerheide und seine Frau Claudia – haben das prachtvoll sanierte Haus wieder mit positivem Leben gefüllt. Bestes Beispiel: Die seit 2017 laufenden „Salongespräche“, die an die kulturellen Wurzeln anknüpfen: „Herzfeld hat Salongespräche gemacht; etwa mit dem Garten-Philosophen Karl Foerster. Diese Tradition wollen wir wieder aufleben lassen“, erzählten Claudia und Dirk Westerheide. Wichtig ist ihnen dabei: „Parteiungebunden und nicht kommerziell“ sind die Salongespräche.

Ebenfalls spannend: Während der Weimarer Republik war die Villa Sitz des Kiepenheuer-Verlags mit Autoren wie Bertolt Brecht oder George Bernard Shaw.

Das Gespräch fand im Gartensalon statt. Quelle: Bernd Gartenschläger

Am Dienstag war ein Hochkaräter der Potsdamer Wissenschaftslandschaft zu Gast: Reinhard Hüttl, Wissenschaftlicher Vorstand und Vorstandsvorsitzender des Potsdamer Geoforschungszentrums (GFZ). Weltweit, so Hüttl, würden jedes Jahr zwischen 34 und 36 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre gehen. „Hochgerechnet produziert jeder Deutsche zwischen neun und zehn Tonnen Treibhausgase jährlich – also etwa 900 Millionen Tonnen pro Jahr in ganz Deutschland.“ Wobei ein großer Anteil auf das Konto der Energieversorger und der Industrie geht. Immerhin sei der Energieverbrauch der BASF AG so hoch wie der von Dänemark. Zur Lösung des Problems müsse man über den nationalen Tellerrand schauen und länderübergreifend handeln.

Die etwa 30 Gäste – darunter FDP-Landesvorsitzender Axel Graf Bülow; Michael Rohde, Gartendirektor in der Schlösserstiftung; IHK-Hauptgeschäftsführer Mario Tobias; Babelsberg-03-Präsident Archibald Horlitz; Wolfhard Kirsch, Bauträger und Bürgerbündnis-Fraktionschef; Unternehmensberater Thilo Steinbach – zollten Beifall. „Er hat die gesamte Komplexität des Themas klar gemacht – und dass es kein Patentrezept gibt“, lobte Richard Gaul, Ökonom und Vorsitzender des Vereins „Lit.Pots“, Hüttls Ausführungen zur Klimadebatte.

Die Gastgeber waren Dirk und Claudia Westerheide und Moderator Andreas Schlüter (l.). Quelle: Bernd Gartenschläger

Am Ende ging das Gespräch beim geselligen Beisammensein wieder zur Geschichte der Villa. Andreas Schlüter, Moderator des Abends und Nachbar, berichtete Berührendes: Seinem Großvater war die Villa wohlbekannt – auf tragische Weise. Als 15-Jährigen hatte ihn die sowjetische Spionageabwehr hier 1945 zum Tode verurteilt. Grund: „Er hatte sich geweigert, am obligatorischen Russisch-Unterricht teilzunehmen.“ Schließlich wurde er zur Haft begnadigt, die letztlich fünf Jahre dauerte. Für Schlüter und das Ehepaar Westerheide sind Geschichten wie diese der Ansporn, in der Villa Herzfeld auch künftig mit den Salongesprächen zum „weltoffenen Dialog über Politik, Wirtschaft und Kultur“ einzuladen.

Von Ildiko Röd

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