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Potsdam Ehemann der Angeklagten sagt im Oberlin-Prozess umfassend aus
Lokales Potsdam

Gewalttat im Oberlinhaus | 4. Tag im Mordprozess - Ehemann der Angeklagten sagt aus

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17:56 18.11.2021
Die Angeklagte Ines R. Am Donnerstag sagte ihr Mann Timo R. aus.
Die Angeklagte Ines R. Am Donnerstag sagte ihr Mann Timo R. aus. Quelle: Julius Frick
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Potsdam

Im Prozess um die Tötung von vier Schwerstbehinderten im Potsdamer Oberlinhaus hat am vierten Prozesstag der Ehemann der Angeklagten umfassend ausgesagt. Diese sei am 28. April in verwirrtem Zustand nach Hause gekommen und habe „immer nur vor sich hin gefaselt“, sagte Timo R. am Donnerstag vor dem Landgericht Potsdam. Daraufhin habe er den gemeinsamen Sohn gebeten, auf seine Frau achtzugeben und das Oberlinhaus angerufen, um zu erfahren, was vorgefallen war.

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Beim zweiten Anruf sei in den Zimmern der von seiner Frau betreuten Menschen nachgesehen worden und Blut entdeckt worden. Seine Frau Ines R. wisse von der Tat nach den Worten des Ehemanns nur aus Erzählungen anderer, nicht aus eigener Erinnerung.

Die Verhandlungstage im Oberlin-Prozess

Zehn Verhandlungstage waren zunächst für das Strafverfahren gegen die Pflegerin Ines R. (52) angesetzt. Doch schon direkt nach dem Auftakt musste das Gericht drei Verhandlungstage pausieren – einer der Schöffen war positiv auf das Coronavirus getestet worden. Inzwischen wurden neue Termine ergänzt – nach aktuellem Stand ist mit einem Urteil am 16. Dezember zu rechnen.

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Angeklagte soll auch vor der Tat in einem „desolaten“ Zustand gewesen sein

Bereits in den Wochen unmittelbar vor der Tat sei sie in einem desolaten psychischen und körperlichen Zustand gewesen, sagte der 54-Jährige aus. Daraufhin sei er mit ihr übereingekommen, dass sie in den darauffolgenden Tagen erneut ärztliche Hilfe der behandelnden Psychiaterin in Anspruch nehmen solle.

Wenige Tage nach dem Kennenlernen vor 35 Jahren habe er seine spätere Frau erstmals zum Aufenthalt in eine psychiatrische Klinik gefahren. Die Tatsache, dass sie bereits damals von psychischen Problemen berichtet habe, habe ihm Angst gemacht, die Beziehung habe aber deswegen nie infrage gestanden.

Timo R. schilderte seine Frau im weiteren Verlauf seiner Aussage als Mutter, die nie die Geduld mit ihren Kindern verloren habe, aber mit ihrer Arbeit „komplett überfordert“ gewesen sei. Er habe ihr geraten, den Dienst zu quittieren, sagte der 57-Jährige. Aber seine Frau habe ihre Arbeit geliebt. Wenn es an arbeitsfreien Tagen einen Anruf gegeben habe, ob sie einspringen könne, weil jemand krank sei, habe sie immer ja gesagt.

Auch Psychiaterin sagte aus

Am Donnerstag sagte auch die langjährige Psychiaterin der Angeklagten aus. Sie gab an, keine Erklärung für die Bluttat im Oberlinhaus zu haben.

Die Gewalttat im Potsdamer Oberlinhaus Ende April mit vier Getöteten hatte deutschlandweit Entsetzen ausgelöst. Die 52-jährige Ines R. muss sich wegen Mordes und weiterer Straftaten verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht von einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit aus.

Von MAZonline/ nf/ epd