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Potsdam Wellenspiel und Lichtertanz auf dem Tiefen See
Lokales Potsdam Wellenspiel und Lichtertanz auf dem Tiefen See
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16:25 15.07.2018
Im vorigen Jahr zeigte Gottemeier die „Lichtachsen im Potsdamer Stiefel“ auf dem Haussee in Petzow, nun beleuchtet er den Tiefen See in Potsdam mit „Lichte Horizonte“. Quelle: Gottemeier
Tiefer See

Wer dieser Tage oder auch Nächte einen Spaziergang entlang des Uferwegs in der Schiffbauergasse macht, stößt in Höhe des VW Design-Centers auf eine geballte Ladung Poesie. Rainer Gottemeiers in der Havel schwimmende Lichtinstallation verbindet sich zu jeder Stunde und bei jedem Wetter mit ihrer Umgebung zu einem einzigartigen optischen Erlebnis. „Lichte Horizonte“ nennt der 1949 in Berlin geborene und inzwischen in Potsdam lebende Künstler seine nur scheinbar amorphe Armada aus auf dem Havelwasser schaukelnden Objekten. Natürlich können Spaziergänger, frei nach dem Motto „Ein Bild, ist ein Bild, ist ein Bild“, Gottemeiers künstlerisches Hohelied auf die Havelseenlandschaft auch ganz ohne sinnerhellende Erklärungen genießen.

Der Künstler Rainer Gottemeier zeigt seine Lichtinstallation auf dem Tiefen See, direkt neben dem Schiffsrestaurant John Barnett. Quelle: Friedrich Bungert

Besonders nachts, wenn die im Takt der Wellen wankenden Neonstab-Bojen, mit unzählige weißen Kugeln, Neonscheiben und Seenotrettungslampen ihren magischen Lichtertanz unter dem Firmament beginnen, ist die Verzauberung zwangsläufig. Am Tage geben die merkwürdigen, aus schwimmenden Kugeln geformten Areale so manche Rätsel auf. Folgt die Anordnung der Objekte einem erkennbaren Muster und ist ihre Anwesenheit von Dauer? Den Enten sind solch profane Gedanken fremd. Sie nutzen die Neonscheiben ganz pragmatisch zum Ausruhen und Innehalten. Nur die Passanten, die sich mit Gottemeiers Projekt befasst haben oder seine Installation vielleicht schon auf dem Kulturevent „Stadt für eine Nacht“ erkundet haben, kennen des Rätsels Lösung.

Frischer Blick auf die Umwelt

Es sind Umrisse derjenigen Havelseen, die zusammen mit dem Fluss rund um Werder an die Form des italienischen Stiefels erinnern. Gottemeier hat diesen sonderbaren Italienbezug beim Betrachten von Landkarten entdeckt und liebt den Gedanken an eine weitere mediterrane Komponente der Potsdamer Kulturlandschaft. Er ist dabei aber nicht so pedantisch, seine havelländischen Seenumrisse als simple Stiefelform in der Schiffbauergasse anlanden zu lassen. Gottemeier zergliedert den Stiefel ganz kreativ in sechs eigenständige Wasserflächen und so treiben nun im Havelwasser Schwielowsee, Glindowsee, Plessower See, Großer und Kleiner Zernsee und auch der Havelabschnitt rund um die Inselstadt von Werder.

Der Künstler setzt mit seiner schwankenden, sich geräuschlos und kaum wahrnehmbar verändernden schwimmenden Seenwelt vor allem auf die Kraft der Kontemplation, von der er überzeugt ist. Laute, krawallartige Eingriffe vermeidet er. Ihm geht es um einen neuen, frischen Blick auf den eigenen Lebensraum. So beklebte er 1996 die Fenster von sechs Potsdamer Straßenbahnen mit unterschiedlich farbigen durchsichtigen Folien, um den Fahrgästen ihren angestaubt vertrauten Blick auf die Stadt aufzufrischen. Den listigen Projektnamen „Methaphorai“ borgte er sich von den Athener Verkehrsbetrieben, die ihre Busse und Bahnen so nennen. Gottemeiers lichtkünstlerische Qualitäten haben sich seit Langem herumgesprochen und so sorgte er nicht nur im deutschsprachigen Raum für Aufsehen, sondern auch in Dänemark und Finnland.

Neues Projekt geplant

Seine nächtlich pulsierenden Lichtinseln im Schärengarten von Helsinki verzauberten 2007 den Blick von der Insel Klippan auf die vorgelagerte Insel Pikkoluoto. Gottemeiers sinnlich-musische Kompetenz kommt nicht von ungefähr. Bevor er 1980 zur Bildenden Kunst wechselte, war er als Liedermacher und Komponist unterwegs. So kann es auch nicht verwundern, dass er seine schwimmenden Havelseen an den Wochenenden mit der Cinematic Bass Music „Zeitwächter“ von Jaspar Libuda beschallen lässt.

Noch weniger überrascht, dass der kreative Serientäter bereits an einem neuen Projekt arbeitet. „Habula“ heißt es und ist der germanische Name für Havel. Diesmal soll ein Mondleuchten unter der Humboldtbrücke über dem Wasser schweben und die Potsdamer beglücken. Also Augen auf! Die Poesie lebt! Herz, was willst du mehr!

Kommende Veranstaltungen

Wer vom Anblick der Lichtinstallation noch nicht gesättigt ist, kann sich auf viele andere Veranstaltungen an der Schiffbauergasse freuen: Am Mittwoch, 18. Juli, um 20 Uhr etwa gibt das Waschhaus beim Havel-Slam seine Bühne frei für kreative Texter, die um die Gunst des Publikums buhlen.

Fabrik Potsdam, das internationale Zentrum für Tanz und Bewegungskunst, veranstaltet am 20. Juli um 20 Uhr ein Konzert mit „Kaeptn Karacho“. Der Eintritt ist frei.

Im Museum Fluxus+ heißt es am 22. Juli von 15 bis 17 Uhr wieder Tea-Time. Bei Kaffee, Kuchen und Live- Klaviermusik darf geschlendert werden.

Von Lothar Krone

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