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Potsdam Großes Halali am Jagdschloss Stern
Lokales Potsdam Großes Halali am Jagdschloss Stern
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20:59 01.11.2018
Bernd Küster, der Vorsitzende des Fördervereins vom Jagdschloss mit dem königlichen Bierhumpen. Der Krug stammt aus den 1730er Jahren und trägt das Monogramm Friedrich Wilhelms I. Quelle: Bernd Gartenschläger (2)
Am Stern

Silberne Teller, fette Pasteten, süße Früchte, exquisite Austern und große Bierhumpen zieren den einfachen Holztisch. Eine langstielige holländische Pfeife liegt an der Kopfseite der Tafel, wo Friedrich Wilhelm I. auf einem Drehstuhl zu sitzen pflegte. Der „Soldatenkönig“ wäre wohl hocherfreut, wie es im Jagdschloss Stern gerade aussieht. Zwei Tage lang ist dort an diesem Wochenende eine königliche Jagdtafel aufgebaut, wie er sie selbst zwischen der Fertigstellung des kleinen Schlosses 1732 und seinem Tode 1740 häufig genossen hat.

Zwei Tage lang ist das Schloss dieses Wochenende geöffnet

Zum Saisonabschluss 2018 hat der Förderverein des Jagdschlosses Stern eine Jagdtafel im Stil des Soldatenkönigs aufgebaut. Am Wochenende können Besucher das kleine Schloss ein letztes Mal in diesem Jahr erleben – so lebhaft wie selten zuvor.

Dabei ist fast alles Requisite aus dem Babelsberger Filmfundus! Mit drei Ausnahmen: Am Kopf der Tafel steht ein Drehstuhl, eine Leihgabe des Heimatmuseums Zehlendorf, wie Bernd Küster, der Vorsitzende des Fördervereins verrät. „Der Stuhl stammt wahrscheinlich aus diesem Schloss. Er kam vom Jagdzeugmeister des Grunewalder Jagdschlosses über einen Nachlass an das Heimatmuseum“, sagt Küster. Ganz ohne Rückenlehne – damit die Rockschöße fallen können und nicht knittern – präsentiert sich das anspruchslose Möbelstück, das so einfach gehalten ist, wie alles, was Friedrich Wilhelm I. für seine eigenen Zwecke anschaffte oder bauen ließ.

Der Drehstuhl des Königs – zu sehen ist eine Armlehne, denn eine Rückenlehne hatte das recht anspruchslose Möbelstück nicht. Quelle: Bernd Gartenschläger

Ein echter Bierhumpen des Königs gelangte per Zufall an den Verein

Das zweite Original ist der königliche Bierhumpen. „Das war der reine Zufall, dass wir diesen Krug in diesem Sommer im Kunsthandel erwerben konnten“, erzählt Küster. Das Stück mit dem Monogramm „FWR“ für Fridericus Wilhelminus Rex und einer alten venezianischen Medaille im Zinndeckel wird von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten auf die Zeit um 1730 datiert und steht nun am Kopf der Tafel, wo der König einst saß und trank. Die Tafel ist kein Original, aber auch kein Requisit, sondern wurde eigens vom Förderverein nach der Abbildung auf dem berühmten Gemälde des königlichen „Tabakskollegiums“ von Georg Lisiewski nachgefertigt.

„Der große Hans“ hieß ein Hirsch, der im Parforcegehege des Jagdschlosses lebte und regelmäßig sein Geweih abwarf. Die Abwurfstangen wurden über die Jahre auf insgesamt fünf vergoldete, hölzerne Hirschköpfe gesetzt und verzierten das Jagdzimmer des Schlosses nach und nach. Quelle: Bernd Gartenschläger

Rund 1000 Gäste wurden 2018 durchs Schloss geführt

Seit 15 Jahren besteht der Förderverein und ist auf 60 Mitglieder herangewachsen. Rund 1000 Menschen haben diese 2018 durch das Schloss geführt. Hinzu kamen einige Konzerte und Lesungen. Für 2019 plant der Verein eine kleine Ausstellung in der Schlossküche über die Restaurierung der historischen Fliesen und eine weitere kleine Schau über den Dichter Theodor Fontane, der bei seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg das Jagdschloss nicht nur besucht, sondern sogar in seinem Notizheft mit einer kleinen Skizze gewürdigt hat.

Wunsch für die Zukunft ist die Restaurierung des Kastellanhauses

Den größten Wunsch für die Zukunft hegt Vorstand Küster nicht für das Jagdschloss, sondern für das Kastellanhaus daneben. „Es sieht schlimm aus und die Stiftung wäre gut beraten, es zu sanieren“, sagt Küster. „Wir haben ein Konzept für Ausstellungen und Besucherbetreuung und mein Appell an den neuen Generaldirektor lautet, das Kastellanhaus in diesem historischen Ensemble wieder nutzbar zu machen“, sagt Küster.

Von 11 bis 17 Uhr ist geöffnet, um 14 Uhr kommt der König

Die Saison des Vereins endet nun. Um 14 Uhr wird am Sonnabend das Halali der Brandenburgischen Parforcehornbläser am Jagdschloss geblasen. Küster verspricht: Der König wird zur selben Zeit, auch am Sonntag, mit seinem Adjutanten und sogar der Königin – seltene Ausnahme in der männlichen Jagdgesellschaft, den Besuchern seine Aufwartung machen. Die Gäste dürfen übrigens an beiden Tagen zwischen 11 und 17 Uhr ganz zünftig Wildschweinbraten aus dem historischen Backofen genießen – allerdings nicht an des Königs Tafel, sondern im Garten.

Kleine Chronik des Jagdschlosses Stern

Das von 1730 bis 1732 erbaute Jagdschloss Stern ist das älteste erhaltene Schloss Potsdams. Nach dem Tod von Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. 1740 wurde es rund ein Jahrhundert nicht genutzt.

Prinz Carl von Preußen reaktivierte ab 1828 das Schloss, das auch von Kaiser Wilhelm I. für Jagden genutzt wurde. Wilhelm II. hat hier mindestens Feste im Stil der Barockzeit gefeiert.

Nach 1918 wurde das Haus zeitweise als Künstlerresidenz und in der DDR auch als Ferienlager genutzt, bevor es in den 1980er Jahren Museum wurde.

Von Peter Degener

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