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Potsdam Mit dieser Software wollen junge Gründer das Handwerk revolutionieren
Lokales Potsdam Mit dieser Software wollen junge Gründer das Handwerk revolutionieren
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18:46 04.02.2020
Marco Trippler (l.) und Jerome Lange. Lasse Steffen ist derzeit studienbedingt in den USA. Quelle: Varvara Smirnova
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Innenstadt

Um 12 Uhr kommt der Maler, später der Fliesenleger, dazwischen ruft ein Kunde an. Der Fenstermonteur ist nicht erreichbar, eine Lieferung verzögert sich und im Auto stapeln sich die Zettel: Der Alltag auf einer Baustelle kann ganz schön turbulent sein. Den Überblick zu behalten wird da mitunter zur Herausforderung.

Eine Herausforderung, die drei Gründer aus Potsdam angenommen haben – derzeit entwickeln sie eine Software, die Baustelle und Büro miteinander verbindet. „Craftdrive“ ist eine Plattform, mit deren Hilfe Handwerksunternehmen ihre Aufträge in Echtzeit bearbeiten können – ganz ohne Papier. Unter dem Stichwort „Handwerk 4.0“ wollen die jungen Gründer die Branche revolutionieren.

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Digitalisierung muss nicht schwer sein

Digitalisierung muss nicht schwer, zeit- und kostenintensiv sein“, erklärt Mitbegründer Marco Trippler der MAZ. „Wir wollen zeigen, dass sie intuitiv ist, dass sie vernetzt und die Effizienz steigert“.

Und der 23-Jährige muss es wissen – er war nach seinem Abitur jahrelang in verschiedenen Handwerksbetrieben tätig. „Ich habe viele Betriebe kennengelernt und gemerkt, dass es gerade im Bereich Digitalisierung großen Bedarf gibt“.

Marco Trippler (l.) und Jerome Lange im Unicorn-Workspace. Quelle: Varvara Smirnova

Auch Jerome Lange kennt die Branche – er stammt aus einer Handwerksfamilie. Neben einem Studium in Politik und Wirtschaft weist er Arbeitserfahrung in Start-Ups auf. Lasse Steffen, der Dritte im Bunde, studiert derzeit IT-Systemingenieurwesen am Hasso Plattner Institut (HPI) und bringt somit die notwendige technische Expertise mit.

Die drei kennen sich seit ihrer Kindheit

Die drei jungen Männer eint mehr als die Passion fürs Handwerk und die Affinität für Digitalisierung – alle drei sind 23 Jahre alt, kommen ursprünglich aus Berlin und kennen sich bereits aus Kindheitstagen. Nun wollen sie sich den Traum eines eigenen Start-Ups erfüllen.

Die Idee dazu entstand im März 2019. Die drei Gründer hatten einige Wochen zuvor Kontakt mit dem Gründungsservice der Universität Potsdam aufgenommen, wo Marco Trippler BWL studiert. Gründungsberater Christian Marx half den drei Visionären, ihre Pläne zu konkretisieren. „Er hat uns fantastisch geholfen“, bilanziert Trippler. Auf dem HPI-Sommerfest lernten sie außerdem zwei Informatiker und einen Mediendesigner kennen, die seitdem am Unternehmen mitbeteiligt sind.

Seit Januar im Unicorn-Worskpace

Die jungen Gründer machten ernst: Sie stellten ihr Projekt bei Handelskammern und Innungen sowie bei verschiedenen Start-Up-Veranstaltungen vor. Im November landeten sie dann den einen weiteren Coup: Sie gewannen die kostenlose Nutzung eines Büroraums im Unicorn- Workspace. Der Coworking-Space am Neuen Markt hatte erst im Mai 2019 seine Räumlichkeiten in Potsdam eröffnet. Das Unternehmen hatte jungen Gründern eine dreimonatige Büronutzung in Aussicht gestellt – vorausgesetzt, sie überzeugten mit ihrer Idee.

Und das tat Craftdrive. Seit Anfang des Jahres sitzen die drei nun in ihrem Büro am Neuen Markt. „Es ist klasse, wir sind sehr zufrieden“, erklärt Marco Trippler. Vorher hatten sie von zu Hause gearbeitet und sich gelegentlich getroffen. Nun erleichtert ein eigenes Büro in der Wahlheimat Potsdam die Arbeit ungemein.

Zwei Arten, die Software zu nutzen

Der Büroraum im Unicorn Workspace ist hell und einladend. Der Bildschirm zeigt die Startseite von Craftdrive an, Marco Trippler erklärt das Prinzip dahinter: „Es gibt zwei Anwendungsfälle. Einmal können Generalunternehmen durch die Software in Kontakt mit Maler, Fliesenleger und Co. treten.“ So können Nachunternehmer ihre Auftragslage überprüfen und verwalten, miteinander und mit dem Generalunternehmen kommunizieren und mit wenigen Klicks von jedem Standort aus sehen, wie beispielsweise die gerade verlegten Fliesen aussehen.

„Wenn an Baustellen am Tag zehn bis fünfzehn Aufträge anfallen, erleichtert das die Arbeit enorm“, erklärt Trippler. Im zweiten Fall könne man Aufträge intern bearbeiten, führt er weiter aus. So kann der einzelne Monteur genau seine Arbeitsschritte dokumentieren und die Aufgaben Schritt für Schritt abarbeiten. Gleichzeitig hat er die Möglichkeit, schnell mit dem Auftraggeber oder anderen Handwerkern in Kontakt zu treten, Schäden zu melden, die Arbeitszeit zu erfassen oder auch die Arbeitsorte mithilfe einer Karte zu finden.

Testphase noch bis Juni

Ein Konzept, das bereits Unternehmen überzeugt hat. Obwohl Craftdrive noch in der Testphase ist, probieren etwa 15 Unternehmen die Software derzeit aus. „Da sind alle Gewerke dabei – Maler, Trockenbauer, Installationsdienste“, erklärt Marco Trippler. Die Testphase wird noch etwa bis Juni dauern. Bis dahin können interessierte Unternehmen die Software noch kostenlos austesten. Im Sommer wollen die Gründer dann ernst machen – die Markteinführung ist für Juli geplant.

Bis dahin geben die jungen Gründer alles – und haben ein klares Ziel vor Augen. Jerome Lange: „Das klare Ziel ist, dass Handwerksbetriebe nicht länger mehrere teure und zeitintensive Softwarelösungen brauchen. Gleichzeitig können durch die höhere Effizienz neue Kapazitäten gewonnen werden, hiermit bekämpfen wir auch den Fachkräftemangel im Handwerk.”

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