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Potsdam Gründerzeit im „Freiland“
Lokales Potsdam Gründerzeit im „Freiland“
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18:15 24.01.2017
Claudia Fortunato vom „Freiland“-Organisationsteam und Achim Trautvetter, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Cultus UG, vor dem Haus 3, Sitz des „Spartacus“. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Das „Freiland“ an der Friedrich-Engels-Straße wächst weiter. Mit einem Hostel steht das nächste Projekt des Kulturzentrums kurz vor dem Start: „Es fehlt nur noch eine Fluchttür“, sagt Achim Trautvetter, Chef der Trägergesellschaft Cultus UG. Die Herberge im Oberschoss des Hauses 5 soll 20 Schlafplätze in zwei Räumen anbieten. Gedacht ist sie in erster Linie für Gäste des „Freilands“.

Eröffnet im Mai 2011, hat sich die Anzahl der Nutzer und Besucher nach Schätzung der „Freiland“-Betreiber bei 80 000 jährlich eingependelt. 50 bis 60 Leute kommen laut Trautvetter täglich zur Arbeit auf das Gelände. Bei 45 festen Projekten vom Atelier Farbknall über den Suchtpräventionsverein Chill out und die Sozialarbeiter des Vereins Paragraf 13 bis zum Tanzlabor und dem Wissenschaftsladen seien Ateliers und Büros komplett vergeben. Im Haus 1 am Schlaatzweg probten acht Theatergruppen wöchentlich. Für temporäre Projekte und Kongresse gebe es eine Reserve von bis zu acht Räumen.

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Neu organisiert wurde das Café im Haus 2, das nun von einem eigenen Verein namens Libertalia betrieben wird. Namenspate ist eine vom Schriftsteller Daniel Defoe erfundene Piratenrepublik. Eine Tür weiter sitzt das freie Radio „Frrapó“, das neuerdings immer montags von 6 Uhr früh bis 1 Uhr nachts auf 90,7 MHz sendet.

Seit 2013 sei die Cultus UG Rechtsträger des Radios: „Wir hoffen, dass wir es bis 2018 zum ersten freien Vollradio in Brandenburg weiterentwickeln können“, sagt Trautvetter. Das potenzielle Spektrum reiche von Seniorensendungen bis zu Soundexperimenten. Aktuell werde der Sendebetrieb von rund 60 Ehrenamtlichen abgesichert.

Die Entstehung des „Freiland“

Das „Freiland“ wurde im Mai 2011 als Jugendkulturzentrum auf dem Gelände der früheren Wasserwirtschaft an der Friedrich-Engels-Straße/Ecke Schlaatzweg eröffnet. Eigentümer des Grundstücks sind die Stadtwerke.

Das Projekt entstand als Antwort auf eine schwere Krise von etablierten Einrichtungen der Jugend- und Alternativkultur, die 2008 mit der Insolvenz von Waschhaus und Lindenpark, sowie der drohenden Schließung des Archivs eskalierte.

Der „Spartacus“-Club, der 2008 sein Domizil in der Schlossstraße aufgeben musste, ist seit seiner Neueröffnung 2011 im Haus 3 der zentrale Veranstaltungsort auf dem „Freiland“-Gelände.

Der Betrieb des „Freiland“ wird von der Stadt mit 190 000 Euro jährlich gefördert. Weitere Informationen gibt es im Internet auf www.freiland-potsdam.de.

Kulturelles Herzstück des „Freiland“ bleibt der „Spartacus“-Club im Haus 3. „Mittlerweile ist es die vierte Generation von Leuten, die sich engagieren, damit die Sache am Laufen bleibt“, sagt Trautvetter, der 2006 zu den Gründern gehörte. 60 bis 80 Leute zählten zum harten Kern des „Spartacus“.

Eine neue Verhandlungsrunde gibt es zu den Bandprobenräumen im Haus 4 neben dem Jugendclub „Mitte“. „Wir sind jetzt an dem Punkt, wo alles in Sack und Tüten ist“, sagt Trautvetter, „Lärmschutz und Brandschutzgutachten“. Nun stünden Abstimmungen mit der Stadt und den Stadtwerken an.

Von Volker Oelschläger

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