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Potsdam Grünfläche versus Sozialwohnungen
Lokales Potsdam Grünfläche versus Sozialwohnungen
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19:56 06.05.2018
Auch die Partygärten im Volkspark sollen Wohnhäusern weichen. Quelle: Friedrich Bungert
Bornstedter Feld

Grünfläche oder aber Sozialwohnungen beziehungsweise soziale Infrastruktur?– Darum geht es in der aktuellen Debatte um die Zukunft eines Teilstücks des Volksparks im Bornstedter Feld. Die Wählergruppe „Die Andere“ fordert in einem Antrag an die Stadtverordnetenversammlung, der in der Mai-Sitzung in die Ausschüsse überwiesen wurde, ein Moratorium – also eine Nachdenkpause – im Hinblick auf geplante Vorhaben auf der Parkfläche. Vier der insgesamt 67 Hektar sollen mit 400 bis 500 Wohnungen für bis zu tausend Mieter bebaut werden; viele davon für die schmale Brieftasche. Auf den Bauflächen in spe befinden sich derzeit unter anderem die Flächen mit Partygärten und das Beach-Volleyball-Areal.

Der Bereich der Partygärten und der Beachvolleyballfelder im Volkspark soll bebaut werden. Quelle: Friedrich Bungert

Der Aufschrei ist groß – eine auf OpenPetition.de gestartete Umfrage mit der Forderung „Verkleinerung des Volksparks Potsdam stoppen!“ hat seit dem 30. April bis Sonntagnachmittag 2550 Unterschriften gesammelt, davon etwa 2300 aus Potsdam. Das Quorum liegt bei 1600 Unterschriften; danach wird jeder einzelne Stadtverordnete von der Petitionsplattform angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten.

Auch die Linken nahmen sich bei ihrem Rathausreport am Sonntag des heißen Eisens an, passenderweise im Restaurant der Biosphäre im Volkspark. Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg skizzierte die Rahmenbedingungen. Man bewege sich immerhin innerhalb eines Bebauungsplanes: „Da sind die Grundlagen für die künftige Entwicklung festgelegt.“ Bereits im Nachnutzungskonzept für den Bundesgartenschau-Park – den späteren Volkspark – sei der Wohnungsbau an dieser Stelle festgeschrieben gewesen. Dass mindestens zu 50 Prozent Sozialwohnungen verwirklicht werden sollen, sei „natürlich ein wichtiger Punkt“, gab Scharfenberg zu bedenken. „Das muss man sich vor Augen führen bei der Entscheidung, ob man von den ursprünglichen Plänen abrückt.“

Gäste sind Tradition auf dem Podium des Rathausreports

Wie es der Tradition des Rathausreports entspricht, waren Gäste eingeladen. Volker Theobald, Geschäftsführer des Entwicklungsträgers Bornstedter Feld (ETB), wies auf den Nutzen der Pläne für die Bebauung hin. Schließlich gehe es nicht darum, sich mit dem Verkauf der Flächen „eine goldene Nase zu verdienen“, sondern um die Finanzierung von sozialer Infrastruktur im Bornstedter Feld, das perspektivisch wohl bis auf 15 000 Einwohner anwachsen wird. Derzeit fehlt es an allen Ecken und Enden; unter anderem werden vier zusätzliche Kitas sowie Grundschulplätze benötigt. Auch der Bedarf an weiterführenden Schulen besteht. Sollte der Grundstücksverkauf tatsächlich durch die Stadt gestoppt werden, lägen die Mindereinnahmen schätzungsweise bei 30 Millionen Euro, sagte Theobald.

Für die Interessenvertretung Bornstedter Feld saß Friederike Harnisch auf dem Podium. Sie sprach sich deutlich für den Status Quo – den Erhalt der Erholungsfläche – aus. „Der Volkspark wäre etwas, wo es sich lohnen würde, auf viel Geld zu verzichten.“ Sollte es aber hart auf hart gehen und die Fläche tatsächlich bebaut werden, wären soziale Einrichtungen an dieser Stelle allemal besser als Wohnungen.

Harnisch bekommt Unterstützung der Ex-Oberbürgermeisterin Hanke

In ihrem engagierten Plädoyer für den Volkspark bekam Harnisch dann Unterstützung von einer bekannten Dame im Publikum. Ex-Oberbürgermeisterin Brunhilde Hanke wohnt seit zwei Jahren ebenfalls am Bornstedter Feld. „Der Park wird genutzt, da kann ich nur die junge Frau unterstützen“, sagte sie mit Blick auf Harnisch. „Ich fände es traurig, wenn man den Volkspark nicht so erhielte, wie er ist.“ Hanke brach eine Lanze für die Grünfläche, die aus ihrer Sicht im Vergleich zu den Parks in Sanssouci oder Babelsberg einen unschätzbaren Vorteil hat. „Er ist der einzige, den die Menschen wirklich nutzen können; sie können die Wiese betreten und Decken ausbreiten.“

Der Rathausreport der Fraktion Die Linke: Stadtverordnete Sigrid Müller, Fraktionschef Hans-Georg Scharfenberg, die parteilose Linken-OB-Kandidatin Martina Trauth und Volker Theobald, Geschäftsführer des Entwicklungsträgers Bornstedter Feld. Quelle: Friedrich Bungert

Ebenfalls Thema beim Rathausreport: die Biosphäre. Harnisch sprach sich im Namen der Interessenvertretung für deren Erhalt aus – mindestens als Gebäude, sehr gerne als Tropenhalle, so Harnisch. Derzeit setzt sich eine interfraktionelle, nicht-öffentliche Arbeitsgruppe mit der Zukunft der Ex-Buga-Halle auseinander. ETB-Chef Theobald berichtete über den aktuellen Stand in der Diskussion über die Hallen-Nachnutzung: Die Fraktionen hätten mittlerweile die Überlegung, soziale Infrastruktur – etwa Jugendklub oder Bürgertreff – von der Biosphäre zu entkoppeln. Man wolle alternative Standorte suchen. „Darüber besteht Konsens“, sagte Theobald. Zumindest einen Treff für die Bewohner Bornstedts gibt es bald. Am 24. Mai wird der neue Stadtteilladen in der Georg-Hermann-Allee 27 seine Türen öffnen, kündigte Stadtteilkoordinator Christian Kube an, der ebenfalls auf dem Podium saß.

Von Ildiko Röd

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