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Potsdam Gurken im Blaulicht
Lokales Potsdam Gurken im Blaulicht
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08:45 01.12.2014
Werbebanner für die Eröffnungsausstellung der „Ersten Unabhängigen Kunstfabrik“ in der Hermann-Elflein-Straße.
Potsdam

Zur Eröffnung der "Ersten Unabhängigen Kunstfabrik" am 25. November 1989 musizierte auf dem Hinterhof ein kleines Blasorchester der sowjetischen Streitkräfte. Quer über die Hermann-Elflein-Straße war ein Werbebanner für die erste Ausstellung gespannt: "Gurken in Blaulicht" spielte an auf Fotografien von den großen Demonstrationen des Wendeherbstes in Leipzig, Berlin und Potsdam. Schauspieler des Hans-Otto-Theaters lasen zur Vernissage aus Erinnerungsprotokollen über den gewalttätigen Einsatz der Volkspolizei gegen die Protestdemonstration zum 7. Oktober 1989 in der Klement-Gottwald-Straße, die einige Wochen später, am 28. Dezember 1989, wieder ihren alten Namen Brandenburger Straße bekommen sollte.

"Suchet der Stadt Bestes"

In einem anderen Raum wurde die von Mitstreitern der Arbeitsgemeinschaft für Umwelt und Stadtgestaltung (Argus) gestaltete Ausstellung "Suchet der Stadt Bestes" über die voranschreitende Zerstörung der historischen Innenstadt gezeigt, die zuvor in der Nikolaikirche vom 10. September bis zum 8. Oktober bereits von 10.000 Menschen gesehen wurde. Wendezeit: Am 25. Oktober hatten die Stadtverordneten den Abrissstopp für die Häuser der Zweiten Barocken Stadterweiterung beschlossen. Am 9. November fiel die Berliner Mauer. Die "Erste Unabhängige Kunstfabrik" war die erste neue Kultureinrichtung in Potsdam. Mehr als zehn Jahre sollte sie zu den wichtigsten Adressen der rasch anwachsenden freien Kulturszene gehören.

Die Geschichte der Kunstfabrik begann wohl im September 1989 in der HO-Gaststätte "Schlachteplatte" in der Dortustraße. Die Fotografen Steffen Mühle und Frank Gaudlitz fragten beim Bier den Möbelrestaurator Wolfgang Frederick: "Wir haben ein Haus entdeckt und würden da gern eine Ausstellung machen. Bist du dabei?"

Kerzen, um die Räume zu heizen

Das Gebäude im Hinterhof der Hermann-Elflein-Straße 10 war zur Jahrhundertwende als Lagerhaus für die Brauerei Kanitzberg errichtet worden. Zuletzt nutzten das Denkmalamt und das Hans-Otto-Theater es als Lager. Die Eröffnungsausstellung war technisch improvisiert mit Zeltschnüren und Fotografien hinter Glasscheiben, die mit Hosenklammern für Radfahrer fixiert waren. Vor der Vernissage zündeten sie Hunderte von Kerzen an, um die Räume etwas anzuwärmen.

Den Namen "Kunstfabrik", der nach West-Berliner Kulturszene klang, habe er "total blöd" gefunden, sagt Frederick. Sein Favorit wäre "Dreispitz" gewesen, doch die beiden Fotografen setzten sich durch. Auch die Gründung eines Vereins habe er abgelehnt: "Ich wollte das gern anarchisch weiterbetreiben." Schließlich blieben Wolfgang Frederick als Vorsitzender und die kurz nach der Gründung hinzugekommene Iris Soike als Chefin der Geschäftsstelle, während die Fotografen sich bald anderen Projekten zuwendeten.

Unerwarteter Geldsegen

Ein erster unerwarteter Geldsegen kam schon nach der dritten oder vierten Ausstellung mit 10.000 D-Mark von der Stiftung Kulturfonds in Bonn. Mit der Tanzfabrik in der Gutenbergstraße 105, der vom Verein "Kultur im Denkmal" betriebenen Galeriekneipe Mittelstraße 18, der Galerie Sperl in der Mittelstraße 30 und der Galerie Trapez in der Charlottenstraße eröffneten in der Innenstadt bald weitere Kunstadressen. "Triathlon" nannte sich 1992 eine erste gemeinsame Aktion der Kunstfabrik, der Trapez-Galerie und der Mittelstraße 18, aus der schon in der zweiten Auflage unter Federführung der Kunstfabrik das Festival "Kunst im Stadtraum" werden sollte. Die von Ruinen und verfallenden Häusern dominierte Innenstadt bot die ideale Kulisse für das mehrfach mit großer Resonanz ausgetragene Spektakel.

Die für 1997 geplante vierte Folge von "Kunst im Stadtraum" musste wegen nicht bewilligter Förderung abgesagt werden. Für die Kunstfabrik war das der Anfang vom Ende, sagt Wolfgang Frederick. Im Jahr 2000 musste der Kunstverein aufgeben. Das alte Lagerhaus der Brauerei aber ist bis heute eine Adresse für Kunst und Kultur geblieben. Der offene Kunstverein betreibt dort unter dem Namen "Kunstwerk" Galerie und Ateliers. Partner sind das vom Asta der Universität Potsdam getragene Studentische Kulturzentrum und das Studentenwerk.

Bauplaner retten die Kultur

Zum Überlebenskampf für die Kunstfabrik wurde die Auseinandersetzung mit Alteigentümern und Immobilienspekulanten wie jenem Japaner, der der Stadt generös den Fortbestand der Kunstfabrik auf dem von ihm erworbenen Grundstück anbot, wenn er dafür drei andere Immobilien in vergleichbarer Innenstadtlage bekäme.

Dass es auf dem Grundstück bis heute Kunst und Kultur gibt, ist nach Ansicht von Wolfgang Frederick auch dem damaligen Baustadtrat Detlef Kaminski (SPD) zu verdanken, der einen Bebauungsplan initiierte, mit dem die kulturelle Nutzung des Hauses festgeschrieben wurde.

Von Volker Oelschläger

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