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Potsdam Mit 23 Jahren Gründer einer High-Tech-Firma
Lokales Potsdam Mit 23 Jahren Gründer einer High-Tech-Firma
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17:33 19.07.2018
Sven Mischkewitz, 23, Absolvent des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts (HPI) und Mitbegründer der Firma "ThinkSono".
Sven Mischkewitz, 23, Absolvent des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts (HPI) und Mitbegründer der Firma "ThinkSono". Quelle: Rüdiger Braun
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Potsdam

Jetzt, da es einen Prototyp der von seiner Firma „ThinkSono“ entwickelten Software für Ultraschallgeräte und Investoren aus Europa und dem nahen Osten gibt, schließlich demnächst die klinischen Tests starten sollen, hat der erst 23-jährige Sven Mischkewitz gut lachen. Dass er mit einem rund 20 Köpfe zählenden Team innerhalb von zwei Jahren ein neues Verfahren zur Entdeckung gefährlicher Blutgerinnsel entwickeln würde, hätte sich der auf maschinelles Lernen spezialisierte Absolvent des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts (HPI) im Sommer 2016 noch nicht träumen lassen. Damals hielt er sein hervorragendes Zeugnis in den Händen und wusste bloß: „Ich will gründen.“

Start mit „Entrepreneur First“

Mischkewitz hatte schon während seines Studiums an praktischen Projekten mitgearbeitet und war oft unglücklich darüber, dass seine Ideen nicht genügend „gepusht“, also unterstützt wurden. Mischkewitz wollte aber kreativ sein. Zum Glück hatte er dank seines Sieges beim Programmierwettbewerb HackZurich Kontakte zum Gründerprogramm „Entrepreneur First“, einer Londoner Kontaktbörse für gründerwillige junge Menschen aus aller Welt. Mischkewitz flog für einen Kurs im September 2016 nach London.

„Ich habe da ganz verschiedene Leute kennengelernt, auch Quantenphysiker, die gründerwillig waren“, erzählt Mischkewitz am Mittwochabend rund 20 Besuchern der „Start-up Story Night“ der GmbH „Potsdam Transfer“ auf dem Campus Golm. Bei der Veranstaltung tauschen sich Start-ups und solche, die es werden wollen, über ihre Erfahrungen aus. Und Mischkewitz hat wichtige Erfahrungen gemacht. Während des Londoner Programms mit wohl 100 jungen Menschen, die sich nicht kannten, hatte er zunächst keine Ahnung, welche Art von Unternehmen es überhaupt werden sollte. Zwischendurch fragte er sich sogar, ob er wirklich zum Unternehmer tauge. Dann traf er auf Fouad Al-Noor.

Irgendetwas mit Medizintechnik

Der gebürtige Iraker hatte einen Abschluss in Electronic Engineering und Nanotechnologie und war schon wissenschaftlicher Assistent am Imperial College in London. Al-Noor wollte irgendetwas mit Medizintechnik machen und konnte auch Mischkewitz begeistern. Ihre Ursprungsidee, Instrumentarien gegen resistente Keime zu entwickeln, verwarfen sie schnell. Daran forschten ganze Kohorten von Medizinern und Technikern schon seit 25 Jahren. Die einzuholen, dürfte einem jungen Start-up wohl kaum gelingen. In weiteren Gesprächen mit Ärzten stießen sie auf ein Thema, das enorm wichtig ist, aber sträflich vernachlässigt wird.

Die Tiefe Venenthrombose (TVT), ein in den Waden enstehendes Blutgerinnsel, kann tödlich enden. In Krankenhäusern müssen Radiologen aufwendig Ultraschall-Untersuchungen machen, um das Gerinnsel zu diagnostizieren. Meist liegt zwar keine tiefe Venenthrombose vor, gemacht werden muss die Untersuchung aus Sicherheitsgründen gleichwohl, denn als Lungenembolie endet ein nicht entdecktes Gerinnsel tödlich. Jährlich sterben 800000 Menschen in Europa und den USA daran. Trotzdem bindet die Untersuchung die wertvolle Ressource Radiologie. Was, wenn es ein Gerät gäbe, das auch Schwestern und Krankenpfleger bedienen könnten und dessen Diagnosen trotzdem sicher wären?

Ärztliche Kunst automatisiert

Mischkewitz und Al-Noor hatten ihr Thema. Noch ohne konkreten Plan gründeten sie schon im November „ThinkSono“, knapp sieben Wochen nach Start des auf drei Monaten angelegten Programmes „Entrepreneur First“. „Wir automatisieren das, was sonst jahrelanges Training braucht“, sagt Mischkewitz. Im Grunde ging es darum, mit Maschinenintelligenz eine Software zu entwickeln und in ein handliches Ultraschallgerät zu integrieren, das dem Nutzer im Krankenhaus sagt, was er als nächstes tun muss – und dessen Diagnostik eindeutig ist. Das ist gelungen. Schon kommendes Jahr will das Team von „ThinkSono“ den Prototyp in eine klinische Studie geben. Läuft alles gut, soll der kluge Ultraschall 2020 an den Markt gehen.

Welche Schwierigkeiten die beiden Gründer Mischkewitz und Al-Noor überwinden mussten, macht der junge Informatiker recht deutlich. Tagelang studierten sie von morgens bis in die Nacht wissenschaftliche Paper und konsultierten Experten des Fachs. „Das alles geht nur, wenn man auch unkonventionelle Sachen macht“, sagt Mischkewitz. Zum Beispiel den führenden Radiologen Dr. Ramin Madegaran im Flur der Klinik abpassen. Erst durch den medizinischen Crashkurs brachten sich die beiden Jngunternehmer auf Augenhöhe mit den Ärzten –und wurden von ihnen ernst genommen.

„Ich glaube, ich könnte das nicht“, gibt einer der Zuhörer der „Start-up Story Night“ zu. Mischkewitz stellt klar, dass es das Wichtigste sei, sich ganz auf ein bestehendes Problem einzulassen und unabhängig von den eigenen Fähigkeiten Lösungen für genau dieses Problem zu finden. Das habe dazu geführt, dass er und Al-Noor letztlich doch ihr Wissen über maschinelles Lernen und digitale Bildverarbeitung einbringen konnten.

„Ich glaube, dass ich gute Fertigkeiten zu planen und vorauszuschauen habe“, begründet Mischkewitz das Vertrauen von Investoren weltweit in sein Projekt. Nicht nur seine Zielstrebigkeit, sondern auch seine Fähigkeit, ein Team zu organisieren, in dem die Fähigkeit und Arbeit eines jeden geschätzt würde, habe überzeugt. Mischkewitz, der zwar der Sohn einer Krankenschwester ist, sich aber bis 2016 nie mit medizinischen Problemen befasst hat, ist inzwischen Feuer und Flamme für sein Projekt und zuversichtlich, auf dem Markt erfolgreich zu sein. Seine Golmer Zuhörer steckt er mit seinem Enthusiasmus an. „Ich lebe meinen Traum“, versichert er ihnen.

Von Rüdiger Braun

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