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Potsdam Der Wirklichkeit wird nachgeholfen
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16:42 16.01.2020
Das Hans-Otto-Theater spielt „Wir sind auch nur ein Volk“ nach den Drehbüchern von Jurek Becker. Von li.: Jon-Kaare Koppe, René Schwittay und Kristin Muthwill Quelle: Thomas M. Jauk
Potsdam.

Seit zehn Jahren spielt René Schwittay im Ensemble des Hans-Otto-Theaters. Er kennt das Leben in Ost- und in Westdeutschland; er hat in beiden Teilen gleich lang gewohnt. Im neuen Stück „Wir sind auch nur ein Volk“ muss er sich in beide Perspektiven versetzen.

Herr Schwittay, Sie sind 1978 in Nordrhein-Westfalen geboren. Ist die Rolle des westdeutschen Drehbuchautors Anton Steinheim, der Anfang der neunziger Jahre eine typische Ost-Familie porträtieren soll, wie für Sie gemacht?

Es ist nicht so leicht wie ich dachte, weil man schnell in Klischees landet. Ich wollte den arroganten Westler spielen, aber das wäre zu platt. Da sind so viele Sachen im Umbruch, große Transformationsprozesse, die sind nicht auf die Schnelle zu machen. Auch wenn Helmut Kohl wohl selbst glaubte, dass es nur zehn Jahre bräuchte.

Wie haben Sie die Wende erlebt; hatten Sie selbst Beziehungen in den Osten?

Ja, ich habe Ostverwandtschaft, mein Opa kommt aus der Nähe von Neustrelitz. Beim Mauerfall war ich elf, ich habe am Fernsehen die Leute feiern gesehen. Wir haben noch Westpakete geschickt, da war ich immer total sauer, weil die die Markenprodukte bekommen haben und ich nur die Billigprodukte von Aldi.

Wie ist es, vor Zuschauern zu spielen, die die gezeigten Verhältnisse zum Teil selbst erlebt haben?

Ich bin sehr gespannt drauf; ich bin gespannt auf die Geschichten danach. Die Erfahrungen, den Austausch. Es ist auch schön, wenn Kollegen auf der Arbeit anfangen, von früher zu erzählen. Für mich hat es im normalen Umgang nie eine große Rolle gespielt, ob jemanden aus dem Osten oder Westen kam. Inzwischen habe ich die Hälfte meines Lebens im Westen und im Osten verbracht. Ich bin gesamtdeutsch, und durch meinen Französischlehrer auch gesamteuropäisch aufgewachsen. „Europa ist unsere Chance“, pflegte er zu sagen, ein humanistisches Ideal.

Der Autor Jurek Becker (1937 – 1997) konzipierte „Wir sind auch nur ein Volk“ als TV-Serie, nachdem er mit „Liebling Kreuzberg“ Furore gemacht hatte. Kann man seine Interpretation der Nachwendezeit heute noch so stehen lassen?

Ja, das kann man ganz klar sagen. Becker hat einen liebevollen Blick auf die Menschen. Zum Beispiel wird über meine Rolle Steinheim gesagt: „Wenn alle Westler so wären, würde es schneller gehen mit der Wiedervereinigung.“ Man spricht oft von einer „Übernahme“, der Osten hatte keine Möglichkeit, daran teilzunehmen. Die meisten wollten keine Vereinigung, sondern eine Föderation. Aber auch der Westen musste seine Selbstgewissheit neu hinterfragen.

Theater ist dadurch aktuell, dass wir es heute machen. Weil es bestimmte Dinge gibt, die sich im menschlichen Verhalten seit der Antike oder Shakespeare nicht geändert haben. Vieles hat sich seit der Wende nicht verändert.

Die Theaterversion kommt 30 Jahre nach dem Mauerfall in den Spielplan des Hans-Otto-Theaters.

Man hat lange nicht über das Thema gesprochen, denn man war damit beschäftigt, bestimmte Dinge in einem System zu integrieren, auch im Westen. Das Hauptziel eines Theaterabends ist aber, dass man Fragen stellt und darüber ins Gespräch kommt. Ich habe das Gefühl, dass wir wieder mehr miteinander sprechen sollten. Das Verständnis für Zwänge und verschiedene Lebensentscheidungen steigt dadurch.

Seit zehn Jahren sind Sie festes Ensemblemitglied des Hans-Otto-Theaters. Was hat sich in der Zeit geändert?

Die neue Kantine ist eine der größten und besten Veränderungen! Jeden Tag ändert sich im Leben etwas. Mir scheint, dass das Publikum durch viele Zuzüge heterogener geworden ist. Ich selbst bin schon seit 15 Jahren in Potsdam, denn ich habe zuvor Schauspiel an der damaligen Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ studiert. Ich betrachte mich als ossimiliert.

Verraten Sie noch etwas zur Bühnenausstattung, die auf zahlreiche DDR-Requisiten zurückgreift.

Das Bühnenbild ist eine große Wundertüte, man wird viel wiederkennen: bestimmte Tapetenmuster und Kaffeeservice. Es wartet mit ganz vielen Überraschungen auf! 

Wir sind auch nur ein Volk

Regie: Maik Priebe, Dramaturgie: Natalie Driemeyer, Bühne: Susanne Maier-Staufen, Kostüme: Christine Jacob.

Die Premiere am Freitag ist ausverkauft. Verfügbare Termine: 02.02./14.02./16.02.. Theaterkasse: 0331 9811-8. www.hansottotheater.de

Von Gabriele Spiller

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