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Potsdam Harte Schale, weicher Kern
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14:30 28.03.2013
Barbara Kuster. Quelle: privat
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Potsdam

„Audienz der Eisernen Lady“ ist das Programm betitelt, und Kuster agiert darin furios als ein Mix aus märkischer Über-Mutti und preußischer Domina.

Ihr Bühnendebüt gab Barbara Kuster, Kabarettistin und kämpferische Stadtbild-Wiedergewinnerin, sehr früh. Aber eigentlich war es ein Tisch-Debüt. Die Mitarbeiter im Ofensetzerbetrieb von Meister Folz in der Breiten Straße 8 hatten einen Aufenthaltsraum, den so genannten „Leute-Raum“. Bisweilen hob der Meister dort sein blondlockiges Töchterchen, das mit einem angeborenen Darsteller-Gen gesegnet war, auf den Tisch und Bärbel schmetterte frei von der Leben weg: „Gib mir den Wodka, Anouschka / und sei wieder gut / sonst geh ich zum Igor / der hat davon genug“.

Die Liebe zum Lied hatte das Nesthäkchen eindeutig vom Vater, dem feschen Ofensetzermeister, der mit seinem Clark-Gable-Bärtchen die Frauenherzen in der Breiten Straße höher schlagen ließ. Aber Meister Folz spielte nicht mit den Damen, sondern nur auf seinem Klavier, das er innig liebte. Derweil machte seine Bärbel steile Karriere. Schon als Grundschülerin wurde sie Königin, hielt Reden ans Volk: „Nieder mit dem Russischunterricht.“ Schauplatz der flammenden Parolen vor dem Volk (den Klassenkameraden) war die Treppe im alten Stadtschloss. „Meine Mitschüler mussten Hofknicks machen – die haben immer noch Arthrose in den Knien.“ Kuster kann nicht nur Ironie, sondern auch Selbstironie.

Weder Ironie noch Selbstironie, sondern nur pure Nostalgie kommt aber auf, sobald sie für den Gast ihren Foto-Schatz rauskramt. Ein kleines Heftchen mit den digitalisierten alten „Mausezähnchenbildern“ ihres Vaters. Die Fotos zeigen das verlorene Kindheitsparadies von Barbara Kuster: den „Karpfenteich“, das Neptunbecken, wo man winters Schlittschuh lief. Die Breite Straße, viel enger als heute, gesäumt von Barockhäusern, relativ ruhig und ideal zum „Hoppsa“-Spielen. Und das Schloss, wo man noch alte Säbel und Geheimgänge entdeckte. Als die Abrissbirnen anrückten, um das Schloss zunichte zu machen, habe sie „körperliche Schmerzen“ empfunden, erzählt sie. Und ein riesiges Gefühl der Ohnmacht. Als dann die Garnisonkirche fiel und das Elternhaus nebendran auch, war sie schon auf der Schule in Werder: Gärtnerin mit Abitur, das hatte ihr Vater sich gewünscht. Schon nach der 10. Klasse hatte sie sich auf der Schauspielschule der Babelsberger Filmhochschule beworben (mit Schillers „Johanna von Orléans“!) – und war durchgerasselt! Zu jung sei sie, hieß es, und wurde erst mal zurück in die Produktion geschickt. Als sie dann das richtige Alter erreicht hatte, schlug ihr Herz schon für etwas anderes: In Berlin studierte sie Germanistik und Musik; außerdem machte sie Musik in Bands, schrieb Kinderprogramme, gründete 1983 mit Wolfgang Lasch das „Melodramatische Puppentheater“ in Babelsberg-Nord. Ihr bevorzugtes Künstler-Biotop war in der Innenstadt: Das Café Heider. Damals pflegte man zu sagen: „Ich habe eine Drei-Zimmer-Wohnung. Zwei Zimmer zu Hause; das dritte Zimmer im ,Café Heider’.“ Da saßen dann „die ganzen Pseudointellektuellen“, so Kuster, mit Drehbüchern unterm Arm; dazwischen die Stasi-Leute: „Die hatten ihre Zentrale ja gleich gegenüber.“ Der kurze Dienstweg sozusagen.

Beim Musikmachen lernte sie ihren Mann Thomas Kuster kennen: „Er war Schlagzeug-Schläger.“ Allerdings nur nebenbei. Im Hauptberuf wirkte er als Ökonom beim Wohnungsbaukombinat Potsdam. Nach der Wende wechselte er ins Politik-Fach und war lange SPD-Unterbezirksgeschäftsführer. „Ich mache Satire; er macht Real-Satire“, schildert Kuster die Arbeitsteilung ihrer Beziehung. Bis dann vor ungefähr sechs Jahren die Realität in die Real-Satire einbrach: Ein Stadtverordneten-Beschluss, der die Stadtschloss-Pläne möglicherweise zum Kippen gebracht hätte, war die Initialzündung dafür, dass Barbara Kuster zu einer der Gallionsfiguren der „freilaufenden Bürger von ,Mitteschön’“ mutierte. Herzstück der BI-Bemühungen: die alte, neue Mitte. Dass sie sich mit ihrem vehementen Auftreten und dem erhobenen Kuster-Zeigefinger, mit dem sie den Polit-Akteuren die Wahrheiten ins Stammbuch schreibt („Die meisten denken nicht langfristig, sondern schielen nur auf die Lorbeeren bis zum Ende ihrer Wahlperiode.“), nicht nur Freunde macht und manchen als „Einmischerin“ auf den Zeiger geht – geschenkt. „Das kann ich ab, wenn ich mit Dreck beworfen werde!“

Denn die Lady ist nicht nur ein Bühnen-Champ, sondern auch ein Tramp, soll heißen: viel auf Achse. In Deutschland, Österreich, der Schweiz, wo ihre auf die Pickelhaubenspitze getriebene Figur der Parade-Preußin nicht aneckt, sondern amüsiert: Ja, so sind sie, die Piefke!

Dieser „Auslauf“ abseits der Potsdamer Befindlichkeiten schafft Freiheit, sagt die Kabarettistin. Wo keine Abhängigkeiten sind, muss man auch nicht liebedienern. Ein bisschen geschmerzt habe es zwar schon, dass „Mitteschön“ zur offiziellen Richtfest-Feier für das Stadtschloss, dem man doch dank der Hilfe von Mäzen Hasso Plattner das alte Antlitz wiedererstritten hatte, nicht mal eingeladen war. Aber letztlich war die Nicht-Einladung gut zu verschmerzen: „Es war viel schöner draußen mit den Bürgern als im abgeschotteten Kreis der Politiker.“ Die sie als „Bundespräsidentin“ auf der Bühne dann genüsslich durch den Kakao zieht.

Aber was kann nach Königin im Stadtschloss und Bühnen-Bundespräsidentin noch kommen? Ist da überhaupt noch Luft nach oben? Doch! Die Träume gehen in Richtung Schiffbauergasse. Genauer: zum Hans-Otto-Theater. Ein Stück hat sie geschrieben über eine Potsdamer Kindheit nach dem Krieg. Über ein Mädchen, das Freundschaften hat, die durch die Stasi kaputt gehen. Sie sieht, wie die Schönheit der alten Stadt durch Willkür zerbricht. Die junge Frau reflektiert ihr Leben im nächtlichen Zwiegespräch mit einem Putto, einem schönen Zierrat-Knaben an der Schlossfassade. „Potsdam“, sagt Barbara Kuster über ihr Leiden und Lieben in, an und mit der Stadt, „hat mir meine Sinnlichkeit gegeben.“ (Von Ildiko Röd)

„Die Eiserne Lady“ am 31. März, 19 Uhr, im Kabarett Obelisk. Kusters nächster Auftritt im „Obelisk“ ist am 17. Mai. Titel: „Haltung ist alles“.

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