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Potsdam Hauptbahnhof: Deutsche Bahn gibt Reisezentrum auf
Lokales Potsdam Hauptbahnhof: Deutsche Bahn gibt Reisezentrum auf
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00:26 23.03.2019
Gleicher Service, anderes Logo: Die Fahrkarten der Bahn werden im Hauptbahnhof Potsdam ab nächstem Jahr von der VIP verkauft. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Die Deutsche Bahn (DB) plant, sich mit ihrem Reisezentrum zum Jahresende am Potsdamer Hauptbahnhof zurückzuziehen. Das wurde den Mitarbeitern kürzlich in einer Betriebsversammlung mitgeteilt. Bei den Betroffenen sorgte die Nachricht für Verunsicherung. Die Verantwortlichen hingegen sehen die geplanten Veränderungen vor allem positiv.

Konkret soll sich Folgendes ändern: Das DB-Team zieht aus, stattdessen übernehmen die Verkehrsbetriebe Potsdam (ViP) als externe Partner die Räume der Bahn in der oberen Etage. Sie sollen den gesamten Ticketverkauf des Bahn-Tarifs für Nah- und Fernverkehr übernehmen. Auch die Tourist-Information neben dem S-Bahn-Schalter soll dort künftig untergebracht werden.

Klimaschutzziele in Potsdam sollen erfüllt werden

Die Idee dahinter: Es soll eine Mobiltätsagentur mit flexiblen und multimodalen Mobilitätsangeboten geschaffen werden, sagt ViP-Sprecher Stefan Klotz. Das Projekt möchte die ViP mit der Deutschen Bahn und der Potsdamer Marketing und Servicegesellschaft als Partner realisieren (MAZ berichtete). Derzeit laufen dafür die Vorbereitungen. „Durch das Aufzeigen von Alternativen zum Auto wird es ein wichtiges Projekt im Rahmen der Aktivitäten der Landeshauptstadt Potsdam zur Erreichung der gesteckten Klimaschutzziele“, sagt Klotz.

Nicht immer herrscht Vollbetrieb am Bahn-Reisezentrum im, Potsdamer Hauptbahnhof Quelle: Anne Knappe

Bei der Bahn hingegen fühlen sich die Mitarbeiter von der Planung überrollt. „Wir sind geschockt“, sagt eine Angestellte. In einer Betriebsversammlung sei ihnen mitgeteilt worden, dass der Standort zu teuer sei. Die Miete soll nach MAZ-Informationen im fünfstelligen Bereich liegen. „Man hätte da schon viel früher agieren können – beispielsweise, indem das Büro der S-Bahn miteingezogen wäre“, sagt eine Bahn-Mitarbeiterin. Eine Bahnsprecherin begründet die Pläne als„unternehmerische Entscheidung“. Entlassen werde dabei niemand. Den Mitarbeitern werden „ortsnahe Standorte“ – also etwa in Brandenburg oder Berlin – angeboten.

Sorge um Qualität

Sorgen machen sich die Bahnangestellten dennoch – vor allem um die Qualität. Zweieinhalb Jahre wurden die Bahn-Angestellten ausgebildet, um das komplexe System zu erlernen. Lediglich zwei Monate sollen die Arbeitnehmer der ViP geschult werden, bevor sie die neuen Aufgaben übernehmen. Das sorgt auch bei den ViP-Angestellten für Unmut: „Das ist ja auch nicht gerade Pille-Palle, was die da machen“, sagt eine Mitarbeiterin. Zu Beginn sollen zwar Bahn-Mitarbeiter die neuen Kollegen einarbeiten. „Aber wenn keiner von der Bahn mitmacht, sehen wir alt aus“, sagt ein ViP-Mitarbeiter.

Der ViP hat bislang eine Filiale vor dem Hauptbahnhof. Quelle: Anne Knappe

Die Bahn sieht hingegen keine Einschränkungen: „Für den Kunden ändert sich dadurch nichts, das Label ist nur ein anderes“, so eine Bahn-Sprecherin. Die Kunden könnten weiterhin das gesamte Produktportfolio der Bahn erhalten.

Regiobus-Kunden müssen nach Werder

Umstellen müssen sich allerdings die Kunden des Regiobusses. Denn sie können sich in Zukunft nicht mehr im ViP-Kundenzentrum am Hauptbahnhof beraten lassen. Die Leistung wird gestrichen. „Die Landeshauptstadt gehört nicht zum originären Bediengebiet, sprich Landkreis Potsdam-Mittelmark“, sagt Hans-Jürgen Hennig, Geschäftsführer Regiobus Potsdam-Mittelmark. Man wolle sich nun wieder stärker auf den Landkreis konzentrieren und habe deshalb für den Umzug entschieden, die Mitarbeiter von Potsdam abzuziehen, stattdessen in Werder am Bahnhof einen neuen Schalter einzurichten.

Seit 20 Jahren im Bahnhof

Die Deutsche Bahn ist mit einem modernen „DB ReiseZentrum“ in den Bahnhofspassagen Potsdam seit der Eröffnung 1999 vertreten.

Neben Informationen, Reservierungen und Ticketverkauf für Bahnfahrten in Deutschland und im europäischen Ausland gibt es hier auch Verbundfahrscheine für den Nahverkehr in Potsdam, Berlin und Brandenburg sowie Bestellung von Kuriergepäckservice und Buchung von Pauschalreisen des Reiseveranstalters Ameropa.

Potsdamer sehen die Veränderungen gemischt. „Wer lässt sich denn sowas einfallen“, sagt Anne Sauer (67) und sorgt sich um die künftige Beratung. „Die ganze Schulung kann ja gar nicht so funktionieren.“ Weniger kritisch ist eine andere Potsdamerin. „Hauptsache es geht genauso gut weiter“, sagt sie, „dann ist alles okay.“

Entwicklung beobachten

Auch der Vorsitzende des Fahrgastverbandes „Pro BahnBrandenburg, Peter Cornelius, bleibt vorerst gelassen. „Es ist verständlich, dass sie rechnen und es unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten sehen müssen“, sagt er auf MAZ-Anfrage. „Ob sie als Unterauftragnehmer alles so im Griff, die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben, muss man sehen. Das hängt auch von den Verträgen mit den Potsdamer Verkehrsbetrieben ab.“

Wie die konkreten Pläne aussehen, dazu werde man rechtzeitig öffentlich informieren, betont ViP-Sprecher Klotz. Auch die Belange der Mitarbeiter und Kunden sollen eine zentrale Rolle spielen.

Lesen Sie auch dazu den Kommentar von MAZ-Redakteurin Anne Knappe „Fatales Zeichen“.

Von Anne Knappe

Potsdam Potsdam zur Neuaufstellung DB-Reisezentrum Potsdam - Fatales Zeichen für Potsdam

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