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Potsdam Hausbesitzer bleiben stur - Rollifahrer zieht aus
Lokales Potsdam Hausbesitzer bleiben stur - Rollifahrer zieht aus
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09:43 11.12.2017
Udo Maier zieht heute aus seiner Wohnung aus. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Berliner Vorstadt

Udo Maier gibt auf: Der Mittsiebziger, der seit einem Unfall auf den Rollstuhl angewiesen ist und seine Wohnung im Stadtpalais am Tiefen See nicht mehr verlassen kann, zieht heute aus. „Trotz zweier Gespräche mit den Verwaltern der Immobilie hat sich nichts bewegt und es wird sich auch nichts mehr bewegen“, sagt Udo Maier. „Es macht einfach keinen Sinn mehr, hier auszuharren.“ Wie berichtet hatte Udo Maier darum gebeten, den Zugang zu seinem Wohnhaus am Rande der Villenkolonie barrierefrei herrichten zu lassen – notfalls auf eigene Kosten. Die Eigentümerversammlung lehnte den Umbau aber ab.

Vom Ruhestandsidyll zum Gefängnis

Udo Maier, der in den Neunzigern Stadtrat für Soziales und Gesundheit in Charlottenburg war, zieht nun zurück nach Berlin. Dabei wäre er gern in Potsdam geblieben, sagt er. Die Wohnung, die malerisch am Glienicker Horn gelegen ist und von der aus es nur einen Katzensprung zum Ufer mit Blick übers Wasser auf den Park Babelsberg ist, sollte für ihn und seine Frau das Ruhestandsidyll sein. „Als wir vor sechs Jahren hierher kamen, haben wir unserer Vermieterin gesagt, dass wir hier nie mehr ausziehen“, erzählt Udo Maier. Doch dann rutschte er im März 2017 in der Wohnung aus und verletzte sich so schwer am Fuß, dass er ins Krankenhaus musste. Die Behandlung mit mehreren Operationen war langwierig – es kam zu Komplikationen. Schließlich entschieden sich die Mediziner dazu, Fuß und Unterschenkel zu amputieren. Udo Maier war plötzlich behindert – und sein Zuhause nicht darauf eingestellt. In der Wohnung selbst kam er mit dem Rollstuhl zwar gut zurecht. Doch seine Freiheit endete an der Haustür. Die Treppe, die vom Haus auf den Vorplatz hinabführt, war für ihn unüberwindbar. Seine Idee, einen Weg über den Rasen am Haus zum Vorplatz hinab legen zu lassen, lehnten die Eigentümer aber ab. Selbst die Intervention des Behindertenbeauftragten der Landeshauptstadt half nichts.

Rechte für Mieter in Eigentumswohnungen schwerer durchzusetzen

Tatsächlich haben Mieter in Eigentumswohnungen schlechtere Karten als „normale“ Mieter, erklärt Rainer Radloff, Vorsitzender des Potsdamer Mietervereins. So seien die Rechte der Mieter gegenüber ihrem Vermieter in einer „normalen“ Mietwohnung relativ eindeutig geregelt. Allerdings müssten sie den Umbau im Zweifel selbst finanzieren und auf Verlangen des Vermieters gar auch den Rückbau bei Ende des Mietvertrages tragen. „Deshalb raten wir immer, sich dies gut zu überlegen und bei Machbarkeit eine günstigere schriftliche Vereinbarung mit dem Vermieter auszuhandeln“, so Radloff. „Übrigens existieren viele öffentliche Fördermöglichkeiten und Zufinanzierungen der Kranken- und Pflegekassen.“

Handelt es sich um eine vermietete Eigentumswohnung, seien die Mieterrechte weitaus schwerer durchzusetzen. Bei Veränderungen des Gemeinschaftseigentums – wie in diesem Fall – seien Beschlüsse der Eigentümerversammlung erforderlich. Darauf habe der Mieter zunächst keinen oder kaum Einfluss. „Ob eine gerichtliche Auseinandersetzung hier eine Änderung herbeiführt, bliebe ungewiss“, so Radloff.

Von Nadine Fabian

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