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Potsdam Helga Schütz wird Ehrenbürgerin
Lokales Potsdam Helga Schütz wird Ehrenbürgerin
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18:04 25.01.2018
Die Schriftstellerin und Drehbuchautorin Helga Schütz wird zur Potsdamer Ehrenbürgerin ernannt. Quelle: Michael Hübner
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Helga Schütz fällt auf mit ihrem weißen Zopf, er ist nicht nur geflochten, sondern wirkt wie eine Form des Kunsthandwerks, das heute nicht mehr weit verbreitet ist. Dieser feste, lange Zopf rückt sie fast unwillkürlich in den Mittelpunkt, auch im Foyer des Hans-Otto-Theaters, wo man sie verlässlich bei Premieren findet.

„Sind Sie frohen Mutes, Frau Schütz?“, erkundigt man sich vor Beginn des Stückes, wie neulich bei „Unterleuten“, der Bühnenadaption von Juli Zehs Roman. „Ach, ich muss ja nicht selber spielen“, sagt sie gelassen, wie sie ja allgemein fast immer eine ruhige Antwort weiß. Wenn ihre Begleitung auch fünf Minuten vor Beginn noch nicht gekommen ist, tritt sie vor die Glastür des Theaters und raunt: „Nerven wie Drahtseile.“ Sie lächelt.

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Am Freitag erhielt Helga Schütz die Urkunde der Potsdamer Ehrenbürgerschaft, sie ward ihr am Mittag im Nikolaisaal von Oberbürgermeister Jann Jakobs verliehen. Helga Schütz, 80 Jahre alt, ist die erste Frau, die diese Auszeichnung erhält. Außer ihr gibt es in Potsdam derzeit zwei männliche Ehrenbürger: Hasso Plattner, der Softwareunternehmer und Bauherr des Barberini-Museums, sowie Friedrich Mielke, der Denkmalpfleger und Treppenforscher.

Gemeinsam mit ihrem langjährigen Lebenspartner Egon Günther (1927-2017), einem der erfolgreichsten Filmregisseure der DDR, hat Helga Schütz über viele Jahre in der DDR ein geistiges Zentrum der Babelsberger Filmszene repräsentiert. Seit 1993 hat sie als Professorin für „Drehbuch“ an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ die nachfolgende Autorengeneration geprägt. Da sie glaubte, Drehbücher gehören letztlich immer auch dem Regisseur, der sie verwertet und als Zuarbeit benutzt, begann sie mit der Prosa. Mit Romanen, die ganz ihr gehörten. Gerade in den Werken „Grenze zum gestrigen Tag (2000), „Dahlien im Sand: Mein märkischer Garten“ (2002) und „Sepia“ (2012) hat sie Potsdam in den Fokus genommen.

Professorin, Erzählerin und Ehrenbürgerin

Helga Schütz kam am 2. Oktober 1937 im schlesischen Falkenhain zur Welt. Nach der Volksschule absolvierte sie eine Gärtnerlehre.

Dramaturgie studierte sie später an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg. Seit 1962 arbeitete sie als freie Drehbuchautorin für die Defa, anfangs vorwiegend im Bereich des Dokumentarfilms.

Eine Professur für Drehbuchschreiben hatte sie an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg seit 1993 inne.

Romane und Erzählungen schreibt sie seit Anfang der 70er-Jahre. U.a. erschienen „Jette in Dresden“ (1974), „Sepia“ (2012) und zuletzt „Die Kirschdiebin“ (2017).

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) begründet die Ernennung von Helga Schütz zur Ehrenbürgerin mit den Figuren ihrer Arbeit, „in denen sich das Leben in Potsdam in besonderer Weise spiegelt.“ Das sei für „Leser in aller Welt“ erfahrbar geworden.

„Es geht mir nicht ums Berühmtsein, sagt Schütz, „ich habe genug zu Hause zu tun, kümmere mich um meinen Garten, habe eine kranke Tochter, durch die ich mich besser kennengelernt habe.“ Popularität könne eine Last sein. „Wenn man berühmt ist, wird man zu Themen befragt, die man gar nicht versteht.“

Ja, sie ist gerne unter Leuten, wohnt einen Steinwurf vor dem Studio Babelsberg. Wenn sie auf dem Weg zum Edeka den Regisseur und Oscar-Gewinner Volker Schlöndorff trifft, grüßen sie sich. Es kommen Leute aus dem Filmgeschäft mit Rang und Namen, die besuchen sie in ihrem schönen Altbau, weil sie den Garten sehen möchten, der hinten, wo die Bäume dichter werden, fast das Temperament von einem Park aufweist. Auch der Kater hält sich hier an ausgetretene Wege, damit er nichts zertrampelt.

„Das Schreiben aber gibt mir die Möglichkeit, mich zu verstecken“, sagt Schütz. „Meist schreibe ich in Echowellen, die sich ausbreiten, doch in meiner letzten Erzählung sollte es in eine Nussschale passen.“ Sie spricht von der „Kirschdiebin“, einem knappen Buch des letzten Frühjahrs. Es ist vom Wuchs ihrer Bäume beeinflusst. Auch ihre Bücher sind, wenn man so will, eine Form der Gartenarbeit.

Von Lars Grote

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