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Potsdam Potsdams historische Innenstadt von oben – Schöpfer meldet sich erstmals
Lokales Potsdam Potsdams historische Innenstadt von oben – Schöpfer meldet sich erstmals
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21:12 29.08.2019
Das historische Potsdam aus der Luftperspektive von Karl-Heinz Wirth. Quelle: Bolko Bouche
Innenstadt

Ein aus der Vogelperspektive gezeichneter Stadtplan der historischen Potsdamer Innenstadt zählte zu den besonderen Geschenken, die der Landeshauptstadt zur 1000-Jahrfeier 1993 offeriert wurden. Doch erste jetzt wird die Geschichte bekannt, die mit diesem Werk verbunden ist.

Akribisch sind in dem dreidimensional gezeichneten Stadtplan nicht nur Straßen, der Stadtkanal und herausragende Bauwerke wie die Garnison-, die Heiliggeist- und die Nikolaikirche, das Stadtschloss, der Marstall und das Palais Barberini aus der Luftperspektive skizziert, sondern tatsächlich jedes Haus und jeder Baum.

Die Diskussion um die Rekonstruktion der Potsdamer Innenstadt, die bis dahin vor allem mit historischen Fotografien geführt wurde, bekam mit dieser Arbeit eine zusätzliche Argumentationshilfe.

Schöpfer des Kartenwerks meldet sich

Als Poster im Format 60 mal 90 Zentimeter findet sich der Stadtplan längst in vielen Potsdamer Haushalten. Veröffentlicht ist er auch auf den Seiten des Internet-Lexikons Potsdam-Wiki. Vor wenigen Tagen bekam der Verein Kulturstadt Potsdam als Betreiber dieser Internetseite einen Anruf aus Bielefeld. Am Telefon Karl-Heinz Wirth, der Schöpfer des Kartenwerks.

Karl-Heinz Wirth. Quelle: Bolko Bouché

Im Telefonat mit Bolko Bouché vom Kulturstadt-Verein erzählte Wirth, dass die akribisch ausgeführte Zeichnung sein Geschenk zum 1000-jährigen Stadtjubiläum im Jahr 1993 gewesen ist.

„Ich habe die ersten drei Jahre meines Lebens in einem Haus am Bassinplatz mit Blick auf die Nikolaikirche gewohnt. Danach sind meine Eltern nach Babelsberg umgezogen, wo ich aufgewachsen bin“, berichtet der heute 100-Jährige.

Karl-Heinz Wirth erlernte den Beruf des Malers. Vor und während der Potsdamer Konferenz arbeitete er als Schildermaler für die englische Armee. „Es gab sehr viel zu tun. Jede Kaserne, jede Behörde brauchte neue Schilder“, sagt er.

Nach der Konferenz boten die Engländer an, ihn in ihrem Sektor weiterzubeschäftigen. Fürs Überlegen blieb nicht viel Zeit. Wenige Tage später übersiedelte Karl-Heinz Wirth offiziell mit Möbelwagen in den englischen Sektor von Berlin. Dort widmete er sich neben dem Schildermalen auch der Kartografie.

1957 erster dreidimensionaler Stadtplan

1957 schuf er einen ersten akribisch ausgeführten dreidimensionalen Stadtplan der Berliner City West. Architektur aus der Vogelschau blieb ein Standbein des Malers und Kartografen. Auftraggeber für seine perspektivischen Darstellungen waren zum Beispiel Konzerne wie VW, die ihre Unternehmen detailgenau zeichnen ließen.

Das Potsdam-Bild entstand ohne offiziellen Auftrag zu der Zeit, als Karl-Heinz Wirth schon Rentner war. „Es war mir eine Herzensangelegenheit“, erzählt er. Die Zeichnung, im Original etwa zwei Meter breit, zeigt die Gebäude etwa im Jahr 1936.

>>> Erinnerung an das Jubiläumsjahr 1993

Akribischer Maler und Kartograph

Karl-Heinz Wirth arbeitete etwa zwei Jahre an diesem Werk. Er recherchierte dazu unter anderem im Potsdam-Museum, wo er zahllose Fotos sichtete und in seine Darstellung übernahm.

Während der Arbeit an dem Werk erlitt Karl-Heinz Wirth einen Schlaganfall. Ehefrau Hildegard und Sohn Peter unterstützten ihn daraufhin bei der Vollendung und beim Kolorieren.

Aufgrund seiner Erkrankung ist der historische Potsdam-Plan auch der letzte Plan aus der Feder von Karl-Heinz Wirth. Sein Vorhaben, auch das Holländische Viertel aus der Vogelperspektive darzustellen, konnte der akribische Maler und Kartograf nicht mehr vollenden.

Als Karl-Heinz Wirth das Bild des historischen Potsdams recherchierte, war die historische Innenstadt an vielen Stellen kaum noch erkennbar. Das Ernst-Thälmann-Stadion sollte erst zur Bundesgartenschau dem Lustgarten weichen. Der Grundriss des Stadtschlosses wurde zur 1000-Jahrfeier erstmals mit Pappeln markiert, um die Idee des Wiederaufbaus zu manifestieren.

Überhaupt nicht zu denken war an die Häuserreihe zwischen dem Alten Markt und der Alten Fahrt mit dem Palais Barberini als Flaggschiff. Zur 1000-Jahrfeier hatte man dort gerade das Blechbüchse genannte Theaterprovisorium eröffnet, das erst nach der Eröffnung des Theaterneubaus in der Schiffbauergasse weichen sollte.

>>> Der Streit um den Theaterneubau auf dem Alten Markt

>>> Das Museum Barberini kommt, die FH verschwindet

Gut 25 Jahre später ist auch die Garnisonkirche am Wachsen, gewinnt die historische Plantage an Gestalt, ist nach dem Abriss der Fachhochschule der Platz frei für die Rekonstruktion der Straßenzüge zwischen dem Platz der Einheit und dem Alten Markt.

Das von 400 Unterstützern mit Texten und Bildern aufgebaute kostenfreie Online-Lexikon Potsdam-Wiki umfasst aktuell rund 1800 Artikel. Nach Angaben des Betreibervereins wurde es weltweit schon mehr als 18 Millionen Mal aufgerufen und ist damit eines der meist genutzten Internetportale Brandenburgs.

Der dreidimensionale Potsdam-Stadtplan ist als Poster im Lieske Verlag erhältlich.

Von Volker Oelschläger

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