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Potsdam In der Party-Tram auf Sonderfahrt
Lokales Potsdam In der Party-Tram auf Sonderfahrt
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16:15 22.12.2018
Clen Lippmann vor der historischen Party-Tram der Verkehrsbetriebe Potsdam. Er wurde im Großraum-Gelenkwagen 177 ausgebildet. Quelle: Jan Russezki
Potsdam

Immer wieder rattert die Hebel-Handbremse wie eine Kette beim Ankerlichten. Ein Ruck und Falttüren öffnen sich, lachende Fahrgäste steigen ein. Das Wärmste am Potsdamer Verkehrsbetriebshof ist das rote Leuchtsignal, aber auch das verschwindet mit einem gedrehten Schlüssel im Ampelmast. Seil, Zug, Klingeln: Clen Lippmann hat grünes Licht für die Party-Tram.

Die Musik spielt, die Gläser klirren: Prost-Rufe bei Weihnachtsfeiern, Geburtstagen oder Stadtrundfahrten. Wer eine Straßenbahn für sich allein haben will, der kann sich beim Verkehrsbetrieb Potsdam historische Bahnen mieten und damit ganz ohne Zwischenhalt kreuz und quer durch Potsdam fahren – Bartresen inklusive.

Krachen, Wanken, aber das Bier im Griff

Die Gläser sollte man aber nicht zu voll machen. Auch wenn einem rempelnde Passagiere erspart bleiben, schaukelt der Großraum-Gelenkwagen 177 von 1967 schon ganz schön bei Sonderfahrten. „Das ist nicht so ein sauberes Fahren, wie mit einer neuen Tram, aber es ist Nostalgie“, sagt Zugführer Clen Lippmann. Mit einer „Combino“, den heutigen Trams, fahre man jeden Tag. „Das hier ist mal ein Erlebnis.“

Früher war alles ... kleiner und mit mehr Handarbeit verbunden. Die neue „Combino“ arbeitet mit einem Bordcomputer. Quelle: Jan Russezki

Der 51-jährige Babelsberger fährt seit 33 Jahren Straßenbahn. „Auf dem sogenannten Gothawagen hier habe ich noch gelernt“, erzählt er. Mit 18 Jahren hat er die Werbung an einer Haltestelle gelesen: „Sie wollen, dass die Straßenbahn öfter fährt? Dann kommen Sie zu uns.“ Und das hat er getan. Sein Kindheitstraum war es, O-Busfahrer zu werden. Heute darf er in Potsdam alle sieben Tram-Typen fahren – außer den Triebwagen von 1907.

Erst das 111. Jubiläum dieses Triebwagens machte Lukas Trapkowski auf die historischen Fahrten aufmerksam. Er macht ein freies soziales Jahr bei der Johanniter-Unfallhilfe und organisierte ihre Weihnachtsfeier. „Ich bin eher der Bustyp, aber das hier hat seinen Charme, gerade wenn man nicht aus der Zeit kommt“, sagt der 19-Jährige.

Das Nauener Tor ist eines der schönsten Fotoszenarien in Potsdam für die historische Bahn. Quelle: Jan Russezki

Ganz entspannt und ohne Fahrplandruck oder langen Zwischenhalt geht es bis fast vor die Restauranttür am Nauener Tor. „Die Menschen auf der Straße freuen sich. Auch die Älteren, weil die mit der Tram groß geworden sind“, sagt Lippmann. Viele machen Fotos von der Tram. Lippmann nennt sie liebevoll „Pufferknutscher“. So auch einen Fan, der jeden Tag mit seiner Handykamera am Hauptbahnhof steht.

Technik, wo eigentlich keine ist

Lippmanns Bahn ist besonders fotogen: Den Scheinwerfer umrankt ein Adventskranz. An einer silbernen Girlande auf dem hölzernen Armaturenbrett fädeln sich rote und weiße Weihnachtskugeln auf. Zwischen ihnen sind Knöpfe und Schalter zu sehen. Einen großen Beschleunigungshebel sucht man vergebens. Clen Lippmann sitzt in seiner Kabine an einem Lenkrad. „Lenke ich nach rechts, fahren wir schneller. Nach links bremsen wir und der Bremsstrom wird in Heizstrom umgewandelt“, erklärt er. Es bleibt aber kalt. „Zum Feierabend ist es dann warm“, scherzt er. „Das ist der Nachteil der Technik – na ja, eigentlich ist ja gar keine Technik drin.“

Rrring, Rrring: Hier kommt Clen Lippmann mit dem Glühweinexpress. Quelle: Jan Russezki

Die einst in Gotha gebaute und über Karl-Marx-Stadt nach Potsdam gekommene Tram, ist heute fast im Originalzustand und topfit. „Die darf auch nicht kaputt gehen, weil es schwierig wird, noch Ersatzteile zu bekommen“, sagt Lippmann. In der DDR wurden aus vier Zügen einer gemacht, heute muss jedes Teil per Hand nachgebaut werden. „Zum Glück kam die Wende! Die Züge, die gefahren sind, waren großer Mist“, sagt Lippmann.

So ganz schlimm kann die Bahn dann doch nicht sein. Sofern sie noch fährt, will Lippmann seinen 60. Geburtstag und sein 40. Betriebsjubiläum im Gothawagen feiern. „Das ist schon in Planung, aber dann werde ich natürlich nicht selbst fahren. Ich werde mich dann fahren lassen“, sagt er. Dann könnte er auch mal am Holztresen ein Bier zapfen. Bis dahin kurbelt er aber noch das Zielschild händisch durch 28 Stationen auf „Sonderzug“, rattert mit der Handbremse und stemmt sich gegen die Tür, wenn sie wieder klemmt. Früher war das Fahren eben mit viel Handarbeit verbunden.

Lenken statt Hebeln. In der weihnachtlichen Führerkabine ist noch viel mit Handarbeit verbunden. Quelle: Jan Russezki

Von Jan Russezki

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