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Potsdam Höhenrausch am Alten Markt
Lokales Potsdam Höhenrausch am Alten Markt
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18:04 29.09.2019
Denkmalpflegerin Sabine Ambrosius fuhr in einem Korb auf einer 30-Meter-Feuerwehrleiter hinauf zu den Figuren auf dem Alten Rathaus. Quelle: Ildiko Röd
Innenstadt

Das Fest der Kulturerben am Sonnabend war teilweise ziemlich abgehoben – und das war auch gut so. Immerhin gab es am Sonnabend einen Höhepunkt im wörtlichen Sinne. Um etwa 17 Uhr kam die Berufsfeuerwehr mit einem imposanten Wagen auf dem Alten Markt angefahren, eine 30-Meter-Leiter wurde in schwindelnde Höhen ausgefahren samt einem Metallkorb, in dem Denkmalamtsmitarbeiterin Sabine Ambrosius stand. Menschen, die zu Höhenangst neigen, mochte bei dem Anblick etwas mulmig werden. Doch die Denkmalpflegerin zeigte keinerlei Nervenflattern. Ziel der himmlischen Reise waren die sechs bekrönende Sandsteinfiguren auf dem Alten Rathaus.

Gute Stimmung beim Fest der Kulturerben am Alten Markt. Quelle: Varvara Smirnova

Ambrosius, ganz nah dran und sozusagen Aug in Aug mit den Statuen, erläuterte die luftigen Begegnungen in einer Doppelconference mit Susanne Fienhold Sheen vom Förderverein des Potsdam-Museums, die unten am Alten Markt verblieben war. „Das ist die Wachsamkeit“, sagte die Denkmalpflegerin über eine leichtgeschürzte Figur, die am äußersten Ende des Daches zusammen mit einem Hahn – siehe wachsam! – auf die Potsdamer Bevölkerung hinunterblickt. Überhaupt stehen die Figuren nicht einfach nur so als kleidsame Deko da oben, sondern sie drücken eine Botschaft aus. In allegorischer Form, so war im Rahmen der Doppelconference zu erfahren, stellen die durchwegs gut gewachsenen Sandstein-Girls die bürgerlichen Tugenden Wachsamkeit, Standhaftigkeit, Überfluss, Gerechtigkeit, Kaufmannschaft und Vorsicht dar. Und so war der Höhenflug nicht nur spektakulär anzusehen, sondern dank der Doppelconference auch sehr lehrreich.

Mit einer 30 Meter langen Leiter ging es hinauf zu den Figuren der bürgerlichen Tugenden. Quelle: Ildiko Röd

Was es sonst noch zu lernen gab: Dass es eine unglaubliche Zahl an Vereinen gibt, die alle wie kleine Schatzkästlein sind. Wer von Stand zu Stand streifte, bekam einen wunderbaren Querschnitt. 40 Vereine und Initiativen für Bau- und Gartendenkmale sowie technische Denkmale präsentierten sich. Organisiert wurde das Fest von der Landeshauptstadt zusammen mit den Kulturerben. Zum Auftakt begrüßten der Baubeigeordnete Bernd Rubelt (parteilos) und Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) die Kulturerben.

Denkmalpflegerin Sabine Ambrosius und Baudezernent Rubelt Bernd (parteilos) bei der Eröffnung. Quelle: Varvara Smirnova

Das Kulturerben-Projekt steht für den Zusammenhalt unter den vielen ehrenamtlich Engagierten. „Das Tolle an dem Kulturerben-Projekt ist, dass sich alle Mitglieder besser miteinander vernetzen“, sagte Markus Wicke, Vorsitzender des Fördervereins des Potsdam-Museums. Die Mitgliederpower ist ganz schön groß. „2500 Mitglieder in 40 Vereinen.“ Einmal im Jahr treffen sich die Vereine auf Einladung der Denkmalpflege.

Markus Wicke, Vorsitzender des Fördervereins des Potsdam-Museums. Quelle: Varvara Smirnova

Was viele Vereine momentan umtreibt, ist die Staffelstabübergabe. Oft wurden sie in den Nachwendejahren aus der Taufe gehoben; nun wird langsam der Generationenwechsel aktuell. Aber bei einigen Vereinen gibt es Nachwuchsprobleme.

Manche gehen innovative Wege, um die Jüngeren fürs Ehrenamt zu interessieren. Beispiel: die Freunde der Freundschaftsinsel. Brigitte Faber-Schmidt, Charis Schwinning und Wolfgang Fabian schilderten an ihrem Stand, was sie sich Kreatives einfallen lassen. Beim jährlichen Asien-Fest auf der Insel geht es zum Beispiel auch um Mangas – was wiederum die Fans der Japan-Comics anlockt. Außerdem besteht eine Kooperation mit den Schülern der Karl-Foerster-Schule, benannt nach dem „Staudenpapst“ und Freundschaftsinsel-Schöpfer Karl Foerster. Natürlich war auf der ehemalige Inselgärtner Jörg Näthe zum Kulturerben-Fest gekommen.

Roland Schulze , der sich im Winzerbergverein und im Verein Neuendorfer Angerkirche engagiert. Quelle: Ildiko Röd

Zusammen mit Roland Schulze (Winzerbergverein und Verein Neuendorfer Angerkirche) freuten sie sich am Ambiente des Alten Marktes, der nach zeitweiligen heftigen Regengüssen dann wieder in leuchtendem Herbstsonnenschein erstrahlte. Für Schulze wäre der Alte Markt auch perfekt für regelmäßige Veranstaltungen: „Das bietet sich ideal an für einen schönen Markt.“

Brigitte Faber-Schmidt, Charis Schwinning, Wolfgang Fabian vom Verein „Freunde der Freundschaftsinsel" und Johannes Kallabis vom Förderverein des Jagdschlosses am Stern (v.l.). Quelle: Ildiko Röd

Von Ildiko Röd

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