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Potsdam Debatte um Hotelneubau am Potsdamer Hauptbahnhof
Lokales Potsdam Debatte um Hotelneubau am Potsdamer Hauptbahnhof
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00:23 30.03.2019
Modell des Hotelneubaus in der historischen Alten Halle des RAW. Quelle: Architekturbüro
Südliche Innenstadt

Nach der Debatte um die Errichtung eines Zentrums für die Digitalwirtschaft am östlichen Ausgang des einstigen Reichsbahnausbesserungswerkes (RAW) kommt auch der geplante Hotelneubau am entgegengesetzten Ende in unmittelbarer Bahnhofsnähe wieder Bewegung. In der kommenden Wochen sollen die Stadtverordneten mit der Auslegung des Bebauungsplans, einer Grundstückserweiterung und der Zustimmung zum städtebaulichen Vertrag drei grundlegende Beschlüsse für das Projekt verabschieden, über das vor eineinhalb Jahren heftig gestritten wurde.

Wie beim Zentrum für die Digitalwirtschaft geht es auch beim Hotel um die Ergänzung denkmalgeschützter Hallen des in den 1990er Jahren abgewickelten RAW durch Neubauten. Beim Digitalzentrum entzündete sich der Streit an einem Bauwerk, das die 14 Meter hohe Halle mit bis zu 33 Metern Höhe brückenähnlich überspannen sollte. Nach massiver öffentlicher Kritik hat der Investor diesen Teil des Plans mittlerweile zurückgezogen (MAZ berichtete).

Höhe und Baumasse sorgten auch bei dem geplanten Hotelneubau für Kritik: Die historische Wagenhalle behält zum Bahnhofsvorplatz ihre Fassade, soll aber im hinteren Bereich durch einen L-förmigen Neubau ergänzt werden, der den acht Meter hohen historischen Bau mit 18,5 Metern Höhe um mehrere Stockwerke überragt. Auch der Parkplatz neben der Wagenhalle Richtung Semmelhaack-Siedlung soll teilweise bebaut werden. Begründet wurde der Hotelneubau mit der Rentabilität. Aktuell erlaubt der Bebauungsplan auf dem Grundstück den Betrieb einer „multifunktionalen Veranstaltungshalle“. Darunter fallen ein Sexkino und ein Dönerimbiss. Mehrere Anläufe von Großgastromonie scheiterten.

„Das geplante Bauvolumen wird von der Vorhabenträgerin als notwendig erachtet, um komplementäre Zielgruppen anzusprechen, den Auslastungsgrad für einen sinnvollen, wirtschaftlichen Betrieb zu gewährleisten sowie notwendige Investitionskosten zu rechtfertigen und damit einen renommierten Betreiber für den Standort zu gewinnen“, heißt es in der Begründung des Bebauungsplans: „In diversen Gesprächen mit verschieden Hotelketten“ habe sich bestätigt, „dass ein bestimmtes Bauvolumen und diverse Nutzungsbausteine als Mindestgröße notwendig sind, um den Standort nachhaltig entwickeln und etablieren zu können“. Auch die Wagenhalle selbst könne nur erhalten werden, wenn das Projekt insgesamt rentabel sei.

Gebaut werden sollen 180 Hotelzimmer mit je 20 Quadratmeter Fläche sowie 60 möblierte Wohnungen für längere Aufenthalte. Neben dem Herbergsbetrieb sind Räume für Gastronomie, Tagungsräume sowie ein 500 Quadratmeter großer Spa- und Fitness-Bereich geplant.

Gestritten wurde zuletzt vor allem zum die Höhe des Neubaus. Die von Stadtverordneten geforderte Reduzierung auf 15,50 Meter wurde aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt. Der letztlich vereinbarte Kompromiss gestattet zwar die ursprünglich geplante Höhe, allerdings muss der Investor auf zusätzliche technische Aufbauten auf dem Dach verzichten.

Mit Realisierung des Hotelprojekts und des Digitalzentrums wäre das frühere RAW bis auf eine Ausnahme komplett neu bebaut: Die letzte Reserve ist eine Brache hinter dem Depot-Neubau der Schlösserstiftung, auf der mittelfristig ein Skulpturendepot errichtet werden soll.

Einer der größten Industriebetriebe

Der Wasserturm, die im 19. Jahrhundert errrichtete Alte Halle am Hauptbahnhof und die 1912 gebaute Neue Halle auf Höhe Schlaatzstraße sind die letzten Bauwerke, die an das Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) erinnern.

Mit zeitweise 2000 Arbeitern war das im Jahr 1838 an der Berlin-Magdeburger Bahn eröffnete RAW einer der größten Industriebetriebe Potsdams und eines der ältesten Reichsbahnbausbesserungswerke in Deutschland.

Zur Schließung des Werks im November 1999 spielte das Eisenbahner-Blasorchester den Trauermarsch von Chopin. Ein Modell des RAW steht auf dem Hof des Eisenbahnersportvereins Lok Potsdam an der Berliner Straße.

Von Volker Oelschläger

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