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Potsdam Ilse Nowak feiert 108. Geburtstag
Lokales Potsdam Ilse Nowak feiert 108. Geburtstag
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17:03 04.04.2018
Ilse Nowak feierte am Mittwoch ihren 108. Geburtstag. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Nauener Vorstadt

Ein bisschen hat sich Ilse Nowak vor diesem Tag gefürchtet. Das sagt sie nur ganz leise. Denn obwohl ihr „so viel Gewese“ unangenehm und so eine Feier auch ganz schön anstrengend ist, ist sie jetzt doch gerührt. „Frau Ilse hat Geburtstag, darum der Radau!“, schmettern die aus der Kita „Bergmännchen“ ins Emmaus-Haus abgesandten Steppkes und Frau Ilse strahlt nun übers ganze Gesicht. Die zierliche Dame feiert schließlich nicht irgendeinen Geburtstag: Es ist der 108. Ilse Nowak ist die älteste Potsdamerin.

Das jüngste Urenkelchen kam vor vier Wochen zur Welt

Geboren am 30. August 1909 in Berlin-Tempelhof, hat Ilse Nowak vieles erlebt, was die meisten ihrer Mitmenschen nur mehr aus dem Geschichtsbuch kennen: den Kaiser, die Weltwirtschaftskrise, zwei Weltkriege. Sie hat zwei Mal geheiratet und zwei Ehemänner begraben. Sie hat drei Söhne groß gezogen – ihr ältester ist der Lyriker Gerd Eggers. Vor vier Wochen kam das sechste Urenkelchen zur Welt: Feline, das schönste Geschenk, flüstert Ilse Nowak: „Das bedeutet ,katzenartig’ – haben Sie das schon einmal gehört? – Ich nicht.“ Man lerne eben wirklich niemals aus.

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Ja, Frau Ilse hält sich selbst auf Trab – geistig und körperlich. Wer einmal gesehen hat, mit wie viel Schwung sie den Rollstuhl durch die Gänge des evangelischen Seniorenzentrums lenkt, kann nur den Hut ziehen. Dass sie an das Gefährt gefesselt ist, wie sie sagt, macht ihr Kummer. Sie sehne sich oft hinaus: „Ich bewundere die Höhe der Bäume und den Rasen, der so stark bemoost ist – und dann kämpft sich ein einzelnes Blümchen empor.“

Seit dem Hundertstem gibt es Jahr für Jahre eine Orchidee

Über Blumen freut sie sich immer. Seit dem Hundertsten bekommt sie vom Emmaus-Haus Jahr für Jahr eine Orchidee zum Geburtstag. Das neuste Exemplar ist knallpink und macht sich ausgesprochen gut neben dem sonnengelben Strauß, den Potsdams Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) überreicht. Dazu gibt’s eine eigens angefertigte Schokolade mit Sanssouci-Dekor, die Glückwunschkarte des Oberbürgermeisters und die des Ministerpräsidenten.

Zur Feier des Tages gibt es natürlich auch eine Torte und Musik. Ilse Nowak, die früher Klavier spielte und im Chor sang, stimmt in jedes Lied ein. Ihre größte Leidenschaft aber sind und bleiben die Kreuzworträtsel, auch wenn sie nicht mehr ganz so gut sehen kann. Wie gut, dass die Pfleger für sie extra die groß gedruckten Exemplare besorgen. „Das Rätseln macht mir einfach Spaß“, sagt Ilse Nowak. Ebenso gern blättert sie sich durch Zeitungen und streicht Rechtschreibfehler an. Ilse Nowak war Lehrerin für Hand- und Hausarbeit und Sport, seit 1969 ist sie in Rente.

Ilse Nowak ist gern in Gesellschaft, genießt aber auch Momente für sich

In jungen Jahren führte sie ein rechtes Vagabundenleben: 1913 ging die Familie von Berlin nach Potsdam, weil der Vater – Zahlmeister beim Militär – versetzt worden war. Als er in den Krieg zog, ging Ilse Nowak der Mutter nach Viersen ins Rheinland, kehrte aber nach Kriegsende nach Potsdam zurück. Seit 2006 wohnt sie im Emmaus-Haus in der Eisenhartstraße, wo sie rege am Gemeindeleben teilnimmt, aber auch Momente für sich genießt. Darauf, sagt sie nach einem Prosit auf ihr Wohl, freut sie sich jetzt: „Bis zum nächsten Jahr!“

Von Nadine Fabian

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