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Potsdam Im Streit mit der Stadt: Potsdamerin bangt um ihre Arbeit
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Im Streit mit der Stadt: Potsdamerin bangt um Arbeit

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15:22 02.09.2021
Silvana Bünsch ist Angestellte bei "Genthiner Autoschilder Zulassungsservice". Nun bangt sie in einem Streit mit der Stadt um ihren Job. Der praktikabelste Zugang zur Firma versperrt. Am Mittwoch war der Zaun noch nicht zu.
Silvana Bünsch ist Angestellte bei "Genthiner Autoschilder Zulassungsservice". Nun bangt sie in einem Streit mit der Stadt um ihren Job. Der praktikabelste Zugang zur Firma versperrt. Am Mittwoch war der Zaun noch nicht zu. Quelle: Steve Reutter
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Potsdam

Erst seit April ist Silvana Bünsch Angestellte bei „Genthiner Autoschilder und Zulassungsservice“ in der Friedrich-Ebert-Straße 74 – schon muss sie wegen der Stadt Potsdam um ihren Job bangen, denn: Die Stadt hat am Donnerstag, 19. August, den Zugang zur Firma mit einem Zaun versperren lassen. Die 52-jährige Silvana Bünsch befürchtet, dass ihr jetzt die Kunden abspringen und die Niederlassung in Potsdam geschlossen wird. Von ihrem Chef hat sie die Erlaubnis bekommen, mit der MAZ zu sprechen.

Die Stadt sah einen Vorteil der Firma

Konkret geht es um den Zugang über die Helene-Lange-Straße. Dort auf dem Gelände ist die KFZ-Zulassungs- und Fahrerlaubnisbehörde, direkt daneben – aber nicht mehr auf Stadtgelände – ist die Schilderpresse – seit heute mit einem geschlossenem Zaun vor der Eingangstür. Zwar gibt es auch über die Friedrich-Ebert-Straße einen Zugang zur Firma, jedoch ist der etwa 150 Meter von der Schilderpresse entfernt. Zudem ist der Zugang durch ein Tor gesperrt. Silvana Bünsch müsste für Kunden, die mit dem Auto anfahren würden, das Tor jedes Mal auf- und wieder zu schließen.

Am Donnerstag hat die Stadt den Zaun versperren lassen. Quelle: Privat

Auf eine Anfrage der MAZ begründet die Stadt die Schließung des Zauns mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz. Denn auf dem Gelände, direkt am Haupttor, befindet sich eine zweite Schilderpresse. „Um hierbei einzelne Dienste weder zu bevorzugen, noch zu benachteiligen, hatte die Landeshauptstadt sich bereits vor Jahren entschieden, in der Vergangenheit geschaffene Sonderzugänge zum Campus zu schließen“, wie ein Sprecher der Stadt mitteilt. Warum die Stadt eine Bevorzugung der Firma Genthiner sieht, konkretisierte sie nicht.

Wenn die Niederlassung schließt, muss sie in Rente gehen

Die Potsdamerin Silvana Bünsch kann das nicht verstehen. „Seit 22 Jahren pressen wir nur für die Bürger Potsdams, warum muss man uns so in den Abgrund treiben?“, fragt sie. Wenn die Kunden deshalb fernblieben, befürchte sie, müsse die Niederlassung womöglich schließen – sie selbst würde dadurch voraussichtlich ihren Job verlieren. Für die Potsdamerin eine Katastrophe, wurde ihr jeweils dreifach die Bandscheibe und das Sprunggelenk operiert.

Die Anstellung in der Schilderpresse sei die perfekte Arbeit für sie, da sie genügend Bewegung hätte, aber auch mal sitzen könne. Vorher arbeitete sie in einem Backshop. „Ich habe auch gesundheitliche Ängste, wenn ich mir einen neuen Job suchen muss“, sagt sie. Körperlich sei das für sie aber kaum mehr zu machen, weshalb sie dann mit 52 Jahren gezwungenermaßen in Rente gehen müsste, wie sie sagt.

Die Stadt jedoch argumentiert, dass durch die Schließung des Zauns keine Benachteiligung von Genthiner gegenüber der zweiten Schilderpresse auf dem Gelände vorliege. „Es wurde im Gegenteil ein ungerechtfertigter Vorteil beseitigt“, heißt es in einer Mitteilung an die MAZ. In einem ersten Gerichtsurteil im August vergangenen Jahres habe eine Richterin der Firma Recht gegeben – nach einer Begehung habe sie festgestellt, dass kein Vorteilsrecht gegenüber der zweiten Schilderpresse auf dem Gelände vorliege.

In zweiter Instanz gewann die Stadt

Die Stadt ging daraufhin in Berufung und gewann am zehnten August diesen Jahres in zweiter Instanz: Der Richter hat ein Vorteilsrecht gegeben gesehen und die Sperrung des Zauns angeordnet – eine Berufung hat er laut Silvana Bünsch ausgeschlossen. Über das Urteil ärgert sich Silvana Bünsch: „Der Richter war nicht einmal hier und hat es sich vor Ort angeschaut“, sagt sie. Ein Vorteilsrecht sehe sie nicht.

Nun befürchtet Silvana Bünsch in Rente gehen zu müssen. Quelle: Steve Reutter

Die zweite Schilderpresse auf dem Gelände ist von der Helene-Lange Straße besser zu erreichen und werben dürfe Silvana Bünsch auf dem Gelände nur in unmittelbarer Nähe der Firma. Sollte „Genthiner Autoschilder und Zulassungsservice“ jedoch schließen müssen, gäbe es nur noch eine Schilderpresse auf dem Gelände, was einer Monopolstellung eher gleichkäme. „Wenn es auf dem Gelände nur eine Schilderpresse gibt, ist es fraglich, was mit den Preisen passiert“, sagt sie.

Auch der Vorgängerin von Silvana Bünsch hat die Situation zugesetzt, vor allem der Rechtstreit: „Letztes Jahr im April hat sie aufgegeben und gekündigt, psysisch ging es ihr nicht mehr gut“, berichtet Silvana Bünsch. Fünf Jahre habe sie zuvor dort gearbeitet. Deshalb musste die Niederlassung bis zum April diesen Jahres vorübergehend geschlossen werden – bis Silvana Bünsch anfing dort zu arbeiten.

Von Steve Reutter