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Potsdam Immer noch viele Studenten ohne Wohnung
Lokales Potsdam Immer noch viele Studenten ohne Wohnung
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15:38 25.01.2018
Die Studenten Willi, Asja, Kilian und Paul (v.l.n.r.) sitzen in der Ein-Zimmer-Wohnung von Willi im Studentenwohnheim. Er teil sie sich gerade mit einer Freundin. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Drei Monate ist es her, da haben tausende Studenten in Potsdam mit ihrem Studium begonnen. Eines ihrer größten Probleme damals: eine Wohnung finden. Der Markt in der Landeshauptstadt ist ohnehin angespannt. Doch zu Semesterbeginn ist es noch um einiges schwerer, eine bezahlbare Bleibe zu finden.

Lange Warteliste auf einen Wohnheimplatz

Wie sieht es heute aus? Wo sind all jene gebelieben, die suchten und nicht fanden? Jene, die nur ein Zimmer zur Zwischenmiete bekamen? Jene, die nur auf der Couch bei einem Freund einen Platz zum Schlafen fanden und damit offiziell als obdachlos gelten? Es sind zahlreiche junge Menschen doch noch fündig geworden – mit großen Abstrichen, insbesondere, was die Höhe der Miete anging. Aber es sind nach wie vor viele Studenten ohne eine feste Bleibe. Zahlen zu liefern ist schwierig, weil sie nirgends erfasst sind. Eines lässt sich allerdings klar beziffern: Auf der Warteliste des Studentenwerkes stehen für das Wintersemester 2017/18 noch 317 Studenten, davon allein 227 für einen Wohnheimplatz in Potsdam.

Der Gang ans Schwarze Brett in der Mensa, hier auf dem Campus Griebnitzsee, wird zur täglichen Routine. Immer in der Hoffnung auf einen Glücksfund. Quelle: Friedrich Bungert

Großes Glück, einen solchen Platz zu bekommen, hatte Willi Stieger. Der 20-Jährige studiert Interdisziplinäre Russlandstudien und ist nebenbei Sozialreferent des Asta der Universität Potsdam. Er musste zehn Monate warten und war während dieser Zeit in einem Appartement des privaten Anbieters Youniq untergebracht. 230 Euro blieben ihm zum Leben nach Abzug der hohen Miete. Er musste arbeiten, das Studium litt. Als er die Anfrage der MAZ nach der Wohnsituation der Studenten erhielt, entschloss er sich spontan, eine Umfrage in den sozialen Netzwerken zu starten. „Binnen weniger Tage haben sich viele Studierende bereit erklärt, ihre Erfahrungen zu schildern“, sagt Stieger. „Die schnelle und hohe Bereitschaft zeigt, wie sehr dieses Thema die Studierenden belastet. Es besteht dringender Handlungsbedarf.“

Asta fordert Versorgungsquote von mindestens 20 Prozent

Die prekäre Lage führe zur Vernachlässigung des Studiums. Einige Studenten seien gezwungen, lange zu pendeln, weil sie nicht bei ihren Eltern ausziehen können. Die meisten verlören allerdings wertvolle Energie bei der belastenden Wohnungssuche. Wieder andere müssen nebenbei viel arbeiten, um halbwegs über die Runden zu kommen. Für Stieger und seine Asta-Kollegen ist der bezahlbare Wohnraum eine Frage der Bildungsgerechtigkeit. Deshalb fordern sie eine Versorgung mit Wohnheimplätzen durch das Stundentenwerk von mindestens 20 Prozent. Derzeit liegt sie bei knapp unter neun Prozent. Das überteuerte Angebot durch private Anbieter kritisiert er scharf, da jene nur auf Profit aus seien und somit die Preise in die Höhe treiben.

Das berichteten Betroffene in der Asta-Umfrage:

Kami Pattanodom (27) studiert Geowissenschaft: „Ich wünschte, es gäbe mehr bezahlbare Wohnungen für Studenten neben den Wohnheimen. Ich zahle 430 Euro warm für mein 20 Quadratmeter großes, teilmöbliertes Appartement in Bornstedt. Es ist teuer, aber ich musste schnell aus der alten Wohnung raus.“

Paula Brune (20) studiert Englisch und Geschichte auf Lehramt: „Studenten haben kaum eine Chance auf Wohnungen. Ich wohne mit meinem Freund jetzt bei Bekannten, die uns glücklicherweise aufgenommen haben.“

Lena Westphal (21) studiert Soziologie: „Ich und viele meiner Freunde hatten reines Glück bei der Wohnungssuche. Über die üblichen Wege haben wir nix gefunden. Und all die neu gebauten, hübschen Studentenwohnungen ab 530 oder 630 Euro kann sich doch keiner leisten. Wir fragen uns, warum man in solchen Häusern Saunen und Fitnessstudios und Parkplätze mitbezahlen muss. Das ist sehr frustrierend.“

Měto Kjarcmaŕ (26) studiert Polonistik und Russistik: „Am Baföghöchstsatz gemessen, ist eine Miete von 300 Euro totaler Wucher. Ich habe auf verschiedenen Couches, in der Jugendherberge und eine Nacht in der Bahnhofsmission geschlafen. Jetzt habe ich mich schließlich entschlossen, Potsdam an den Nagel zu hängen.“

Beim Studentenwerk indes gibt es seit November weniger Nachfragen. Das sei jedes Jahr so, sagt die Sprecherin des Werkes, Josephine Kujau. „Allerdings verzeichnen wir schon jetzt eine verstärkte Nachfrage für das kommende Sommer- und Wintersemester.“ Im Dezember hatten sie und ihr Team einige Zimmer zu Doppelzimmern umfunktioniert. Insgesamt waren es im vergangenen Jahr 74 Zimmer. Damit sei das Angebot der Doppelbelegung in diesem Semester allerdings etwas weniger in Anspruch genommen worden als 2016, so Kujau weiter. In jenem Jahr wurden 86 Mietverträge mit einer zusätzlichen Person abgeschlossen.

Studentenwerk braucht knapp 35 Millionen Euro

Das Werk ist zuständig für die Studenten an fünf Hochschulen in Potsdam, Brandenburg an der Havel und in Wildau. Insgesamt studieren dort 31 000 Menschen. Nur knapp 2 833 Studenten kann es unterbringen. Um auf mindestens zehn Prozent Versorgungsquote zu kommen, benötigt das Studentenwerk rund 20 Millionen Euro für den Neubau und rund 15 Millionen Euro für die Sanierung bestehender Gebäude. Das Studentenwerk fordert, dass nicht nur einzelne Projekte ermöglicht werden.

Derzeit gibt es drei Hürden: Erstens. Die brandenburgischen Studentenwerke finden keine Berücksichtigung in Landesförderprogrammen. Zweitens: Sie dürfen keine Darlehen auf dem Kapitalmarkt aufnehmen. Drittens: Es gibt keine Richtlinien für den Neubau und die Sanierung von Studentenwohnheimen. Das Deutsche Studentenwerk, in dem das Potsdamer Werk und 57 weitere zusammengeschlossen sind, haben die Kampagne „Kopf braucht Dach“ initiiert. Sie fordern, dass sich Bund und Länder neben dem bereits bestehenden Hochschulpakt auf einen gemeinsamen Hochschulsozialpakt einigen. Damit sollen sie mehr Verantwortung für die prekäre Lage der Studenten übernehmen. „Wenn Bund und Länder gemeinsam die Zahl der Studienplätze erhöhen, müssen sie auch die Wohnheimplätze ausbauen“, sagt Josephine Kujau.

Am Mittwoch beschäftigt sich Landtagsausschuss mit dem Thema

In Potsdam beschäftigt sich am Mittwoch der Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landtages in einer öffentlichen Sitzung mit dem Thema. Eingeladen ist auch der Geschäftsführer des Studentenwerkes Potsdam, Peter Heiß, und seine Amtskollegin aus Frankfurt (Oder), Monique Möbus-Zweig.

Von Annika Jensen

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