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Potsdam Immer weniger Jugendliche rauchen
Lokales Potsdam Immer weniger Jugendliche rauchen
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13:37 08.10.2013
Quelle: Peter Geisler
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Rüdiger Schmolke, 43 Jahre alt und Leiter der Fachstelle für Suchtprävention in Potsdam, erklärt, warum das Rauchen für Teenager heute nicht mehr so attraktiv ist.

MAZ: Herr Schmolke, eine aktuelle Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergab: In Deutschland rauchen immer weniger Jugendliche. Nur noch jeder zehnte Teenager greift heute zur Zigarette. Gilt dieser Trend auch für Potsdam?

Rüdiger Schmolke: Wir gehen fest davon aus. Gerade erst hat die Stadt Potsdam Schüler der 10.Klasse zu ihrem Tabakkonsum befragt. Die Auswertung läuft noch, aber frühere Umfrageergebnisse zeigen schon: Potsdam folgt dem Bundestrend.

In den achtziger und neunziger Jahren galt Rauchen als cool. Woran liegt es, dass Zigaretten für Jugendliche heute nicht mehr so attraktiv sind?

Tragen auch die Warnhinweise auf den Zigarettenschachteln dazu bei, dass weniger geraucht wird?

Schmolke: Ja, die deutlich größeren Hinweise schrecken schon ab. Wobei sie mehr bei den Jugendlichen wirken, die sich sowieso gegen das Rauchen entschieden haben und Zigaretten vielleicht sogar eklig finden.

Würden Schockbilder von Raucherbeinen oder Lungenkrebs noch mehr bewirken?

Schmolke: Bei den Nichtrauchern vielleicht schon. Die fühlen sich in ihrer ablehnenden Haltung bestärkt. Die Raucher selbst hingegen lassen sich vermutlich auch durch solche Bilder nicht vom Griff in die Schachtel abhalten. Ich sehe diese Abschreck-Kampagnen etwas mit Sorge. Denn sie führen auch dazu, dass sich Raucher noch mehr rechtfertigen müssen, dass sie sich ausgegrenzt fühlen, Schuldgefühle entwickeln. Das macht es für die Menschen nicht einfacher.

Was raten Sie Jugendlichen, die mit dem Rauchen aufhören wollen?

Schmolke: Sie sollten sich überlegen, was spricht für das Rauchen und was dagegen, damit sie wissen, warum sie aufhören wollen. In Potsdam möchte etwa die Hälfte der jugendlichen Raucher eigentlich nicht mehr zur Zigarette greifen, wie die letzte Umfrage ergeben hat. Außerdem sollten sich die Jugendlichen ein festes Datum setzen, an dem sie aufhören. Und am besten ihre Freunde einbinden, damit die nicht gleich wieder eine Zigarette anbieten.

Was ist, wenn gerade der Druck der Gruppe die Jugendlichen davon abhält, mit dem Rauchen aufzuhören?

Schmolke: Das ist heute zum Glück nicht mehr so verbreitet. Die meisten Jugendlichen erzählen uns, dass ihre Freunde durchaus Verständnis dafür haben, wenn sie mit dem Rauchen aufhören wollen. Beim Alkoholkonsum ist das etwas anderes. Da ist der Druck der Gruppe, gerade unter Jungs, noch immer sehr stark.

Früher wurde auch im Fernsehen ständig gequalmt, heute greifen nur noch wenige Kommissare mal zur Zigarette

oder Altkanzler Helmut Schmidt. Welchen Einfluss haben prominente Vorbilder auf den Tabakkonsum von Jugendlichen?

Schmolke: Für Teenager ist es sehr wichtig, ob ihre Idole rauchen oder nicht. Im Fernsehen ist tatsächlich ein Bewusstsein dafür entstanden, dass nicht jeder coole Typ rauchen und trinken muss. Aber auch im Musikbereich wird den Jugendlichen etwas anderes vorgelebt, als noch vor 20 Jahren: Popstars wie Justin Bieber sind doch harmlos im Vergleich zu den tabubrechenden Rockern von früher. Und die jungen Menschen machen nach, was ihre Vorbilder ihnen zeigen.

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