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Potsdam In der Grauzone
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08:17 13.06.2018
Elfi und Manfred Krzenziessa unter ihrem Lebensbaum: Die Eiche war gerade mal daumendick, als Manfred Krzenziessa sie 1970 von der Hauswand auf die Wiese umsetzte. Quelle: Bernd Gartenschläger
Waldstadt

Beinahe ein halbes Jahrhundert ist es her, dass er hier zum ersten Mal hinaufgestiegen ist. Der Block war gerade erst fertig geworden, die Wohnungen waren noch leer und Manfred Krzenziessa nahm grübelnd Stufe für Stufe durch das stille Treppenhaus. Auf der langen Liste derer, die in Potsdam so dringend eine Wohnung suchen, sind er und seine Frau damals die Nummer drei. Manfred Krzenziessa hat regelmäßig seine Genossenschaftsanteile gezahlt, er hat Hunderte Aufbaustunden geleistet – jetzt hat er die freie Auswahl und kann sich einfach nicht entscheiden. Seine Elfi, das weiß er, möchte am liebsten ganz nach oben. Er fürchtet aber, dass das Dach eines Tages undicht werden könnte... – also zieht das Paar mit den beiden Söhnen (der eine vier Jahre alt, der andere ein paar Monate) nicht in den fünften, sondern in den vierten Stock. Das war im März 1970.

Manfred Krzenziessa dreht den Schlüssel im Schloss und lässt seiner Frau den Vortritt. 82 und 81 Jahre sind die beiden heute alt. „Als wir hier einzogen sind, waren wir Anfang dreißig – ans Alter denkt man da noch nicht“, sagt Elfi Krzenziessa. Zweieinhalb Zimmer, kein Fahrstuhl, eine winzige Küche, ein noch kleineres Bad: Elfi Krzenziessa winkt ab: „Wir waren selig, dass wir überhaupt eine Wohnung bekommen haben – und dann noch mit Fernheizung!“ Die Waldstadt I ist in jenen Tagen so etwas wie das Bornstedter Feld heute: Viele junge Familien ziehen in den seit Ende der 1950er wachsenden Kiez am sich weiter und weiter hinausschiebenden Stadtrand – allein im Aufgang der Krzenziessas wohnen 14 Kinder. „Das war ein sehr lebendiges Haus. Unsere Jungs hatten immer Spielkameraden und wir Eltern eine gute Gemeinschaft“, sagt Elfi Krzenziessa. Das Leben in der Waldstadt I, auf das sie und ihr Mann zurückblicken, ist eines voller Annehmlichkeiten: der Kindergarten, die Schule, sogar die EOS sind gleich um die Ecke, es gibt einige Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, zwei Gaststätten, die Tram-Haltestelle ist beinahe vor der Tür.

Das Durchschnittsalter liegt bei 52,7 Jahren

„Es war alles sehr praktisch“, sagt Manfred Krzenziessa. „Die Versorgung und Anbindung sind auch heute noch optimal – das ist gerade für ältere Menschen wichtig.“ Von denen leben in der Waldstadt I eine ganze Menge. Die Nachbarschaft zwischen Schlaatz und Heinrich-Mann-Allee ist nicht nur Potsdams ältestes Neubaugebiet, sie ist auch in Bezug auf ihre Bewohner Potsdams ältester Stadtteil. Das Durchschnittsalter liegt dort mit 52,7 Jahren weit über dem der Landeshauptstadt mit 42,7 Jahren und auch deutlich über dem zweitältesten Stadtteil, der Templiner Vorstadt mit 47,4 Jahren. Die Waldstadt I ist Potsdams Grauzone – noch, denn dem Wohngebiet wird eine deutliche Verjüngung prognostiziert.

Für die Krzenziessas ist der hohe Altersdurchschnitt ein Zeichen dafür, dass sich die Ur-Waldstädter in ihrem Viertel wohlfühlen. Zugespitzt könnte man sagen, sie sind ihrem Kiez treu bis in den Tod. Der Stadtteil wird jünger und auch voller, weil die Wohnungen, in die einst Familien ein- und die Kinder irgendwann wieder ausgezogen sind, über kurz oder lang frei werden. Auch im Aufgang der Krzenziessas sind einige der Nachbarn schon nicht mehr da; einige sind gestorben, ein Paar ist in ein altersgerechtes Quartier gezogen. „Wenn man länger darüber nachdenkt, wird man schon traurig“, sagt Elfi Krzenziessa. „Wir wissen, dass das auch auf uns zukommt, aber wir verdrängen“, ergänzt Ehemann Manfred: „Wir leben einfach lange und so gesund wie möglich – und irgendwann trägt man uns hier raus.“

Angst vor dem Pflegefall – wo gibt es Fürsorge?

Lang und so gesund wie möglich: Besonders große Furcht haben die Eheleute davor, dass einer von ihnen ein Pflegefall werden könnte. Zu oft haben sie gehört und gelesen, wie schwer es in Potsdam ist, die nötige Fürsorge zu bekommen. Auch Bekannte haben schlimme Erfahrungen gemacht; ein Paar musste gar für einen Pflegeplatz von Potsdam nach Bad Belzig umziehen.

Ob ambulanter Pflegedienst oder stationäres Pflegeheim: Wer in Potsdam durch Alter, Krankheit oder Behinderung auf Hilfe angewiesen ist, hat es schwer, diese auch zu bekommen. Seit Jahren spitzt sich die prekäre Situation in der Pflege zu. Eines der größten Probleme ist dabei, dass das Personal ins nahe Berlin abwandert, wo es besser bezahlt wird. Die Möglichkeiten der Landeshauptstadt, dieses Problem zu lösen, sind indes begrenzt. Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit: Es ist Sache des Landes, an den Rahmenbedingungen zu feilen. Die Stadt hat sich derweil daran gemacht, die Aus- und Weiterbildung von sowie die Umschulung zu Altenpflegern, Pflegehelfern und Pflegeassistenten zu forcieren – und hofft, dass die Fachkräfte später auch bleiben. Wer derweil Hilfe und Rat benötigt, kann den Pflegestützpunkt der Stadt kontaktieren. Er ist in Haus 2 des Verwaltungscampus (Eingang über die Jägerallee) zu finden und dienstags von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

Er pflanzte seinen Lebensbaum

„Wir sind – Gott sei Dank! – noch mobil“, sagt Elfi Krzenziessa. Regelmäßig schwingen sich die Eheleute aufs Rad. „Pro Jahr machen wir 6000 Kilometer, mindestens! Wir sind ganz schön flott unterwegs.“ Seit es Manfred Krzenziessa aber im Rücken hat, tritt er etwas kürzer. Dafür reckt und streckt er sich nun im Reha-Sport. Nicht auszudenken, er könnte sich nicht mehr bücken – die Pflanzen wollen doch versorgt sein! Weil Elfi Krzenziessa Blumen liebt, aber keinen Garten mit Datsche – „keinen zweiten Hausstand“ – haben wollte, hat ihr Mann ein paar Jahre nach dem Einzug auf der Rückseite des Wohnblocks ein Beet angelegt. Wenn die Eheleute auf dem Balkon stehen, blicken sie im Frühling auf eine Meer von Tulpen und im Sommer auf prächtige Rosen. Aber nicht nur die Blumen gießt Manfred Krzenziessa regelmäßig. Sein Hätschelkind ist eine Eiche. Sie reichte ihm gerade mal bis zur Brust und war nur daumendick, als er sie 1970 viel zu dicht am Haus entdeckte. Manfred Krzenziessa grub das Bäumchen aus und setzte es auf die Wiese vorm Block um. Heute kann er sich im Schatten der Eiche ausruhen – mit den Armen umschlingen kann er seinen Lebensbaum schon lang nicht mehr.

Von Nadine Fabian

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