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Potsdam Warum der Wiederaufbau des Stadtschlosses illusorisch gewesen ist
Lokales Potsdam Warum der Wiederaufbau des Stadtschlosses illusorisch gewesen ist
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01:17 07.04.2019
Hans-Joachim Kuke hat über den Architekten des Fortunaportals, jean de Bodt, promoviert. Als er 1999 vom geplanten Wiederaufbau hörte, wurde er Mitglied des neugegründeten Fördervereins. Quelle: Varvara Smirnova
Innenstadt

Seit 20 Jahren bemüht sich der Förderverein des Potsdamer Stadtschlosses um den Wiederaufbau und die historische Gestaltung des Stadtschlosses. Der Kunsthistoriker Hans-Joachim Kuke (54) war fast von Beginn an dabei und leitet heute die Vereinsgeschicke.

Zum Vereinsgeburtstag wird am Freitag um 10 Uhr im Innenhof des Landtags eine Spendenbox aufgestellt – denn auch wenn das Gebäude seit fünf Jahren steht, fehlt ihm noch ein Großteil seines Figurenschmucks.

Der Förderverein des Stadtschlosses feiert Geburtstag. Was führte 1999 eigentlich zur Gründung?

Hans-Joachim Kuke: Es gab damals die nebulöse Idee das Stadtschloss wieder aufzubauen. Der Verein nannte sich vorerst allerdings „Verein zur Förderung des Wiederaufbaus des Fortunaportals“. Man kam mit dem Schlossaufbau nicht aus der Deckung heraus, denn das war völlig illusorisch und sollte noch nicht thematisiert werden. Das Portal dagegen war eine kleine Sache und für die Öffentlichkeit nachvollziehbar.

Wie kamen Sie zu dem Verein dazu?

Ich bin ein halbes Jahr später dazugestoßen. Das war eine sehr persönliche Sache, denn ich hatte gerade meine Promotion als Kunsthistoriker über den Architekten des Fortunaportals, Jean de Bodt, beendet. Als ich erfuhr, dass das Portal wiederaufgebaut werden soll, war für mich klar, dass ich dabei sein will.

Einige Eindrücke vom Neubau des Potsdamer Stadtschlosses am Alten Markt.

Das Portal wurde 2002 fertig. Der Landtag beschloss 2005, dass es einen Parlamentsneubau auf dem Grundriss des früheren Schlosses geben soll. Allerdings war nur zum Alten Markt hin eine Barockfassade vorgesehen. Was dachten Sie damals?

Es war ein gemischtes Gefühl. Ich konnte kaum glauben, dass die Stimmung dann doch zu diesem Beschluss geführt hatte. Die von uns und dem Verein Argus finanzierte repräsentative Meinungsumfrage war der entscheidende Impuls. Wenn es die Umfrage nicht gegeben hätte, die zeigte, dass eine Mehrheit der Menschen das Schloss haben wollten, wäre die Politik nicht darauf angesprungen. Die Politik war davor sehr vorsichtig. Es gab immer die Angst vor dem Preußenrevival.

Nach dem Beschluss war mir auch klar, wie schwierig es werden wird, ein Finanzministerium an die Rekonstruktion der historischen Fassaden heranzuführen. Für die Bürokratie ist das nur ein Kostenfaktor. Die können damit nichts anfangen.

War Ihr Verein der Schlüssel zur Plattner-Spende, die dann die vollständige Barockfassade ermöglicht hatte?

Da spielte uns Fortuna mit verschiedenen Faktoren gut mit. Die Aktionen der Initiative Mitteschön waren ganz wichtig, die Demos, Präsentationen und Reden. Die zeigten das Handwerk, das hinter so einer Fassade steckte und wir haben das natürlich mit Kräften unterstützt. In unserem Vorstand war auch Gertrud Schmack, die das Hotel Bayrisches Haus führte. Hasso Plattner hatte damals wohl noch keine Wohnung in Potsdam und stieg in ihrem Haus ab.

Sie wies ihn auf das Thema hin und da wurde er darauf aufmerksam, dass es hier viele Menschen gibt, die eine Barockfassade begrüßen würden. Irgendwann hat Plattner sich beim Ministerpräsidenten gemeldet und gefragt, wo der Schuh drücke und die Finanzierung angeboten.

Neue Skulpturen für das Dach

Am Freitagvormittag wird um 10 Uhr der Förderverein gemeinsam mit Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD) und dem Spender des Fortunaportals, Günther Jauch, im Hof des Landtags eine Spendenbox einweihen, um Geld für den fehlenden Figurenschmuck zu sammeln.

Drei Attikafiguren stehen bereits am Alten Markt. Auf dem Fortunaportal sind außerdem bereits drei Trophäen und eine Adlergruppe aufgesetzt worden.

Schon jetzt steht fest, dass am 18. Juni die Figuren von Theseus und Ariadne auf dem Dach des Landtags auf der Seite der Humboldtstraße aufgestellt werden. 2020 sollen insgesamt zehn weitere Figuren aufgestellt werden.

Er sprang auch ein, als es um die Finanzierung des Kupferdachs ging. Damals war Ihr Verein ebenfalls Initiator für die Spende – wie brachten Sie Ihn zum erneuten Engagement?

Wieder nur indirekt. Wir hatten in der Presse darauf hingewiesen, dass das geplante Zinkdach zu dem historischen Bau überhaupt nicht passen würde. Wir boten dem Finanzministerium an, die Kosten für die Umplanung zu übernehmen und haben aus eigener Kraft 25.000 Euro zur Verfügung gestellt. Das wurde öffentlich berichtet. Hasso Plattner bot daraufhin von sich aus die Spende für das gesamte Dach an.

Wie bewegen Sie Großspender zu solchem Engagement und halten sie auch bei der Stange?

Mit Freundlichkeit. Man muss vor allem aufpassen, die Leute nicht zu belästigen, sie nicht mit Briefen und Bitten zu überhäufen, was hier und da noch zu tun wäre. Wir berichten ihnen kurz über das Ergebnis und erwarten auch nicht, das irgendetwas zurückkommt.

Wie gefällt ihnen das Schloss fünf Jahre nach Fertigstellung?

Es ist schon ein Wunder, dass ich ehrlich gesagt nicht für möglich gehalten hatte. Der Architekt Peter Kulka muss dabei unbedingt gelobt werden, dass er das völlig überzogene Raumprogramm für ein gemeinsames Berlin-Brandenburger Parlament geschickt untergebracht hat.

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Missfällt Ihnen am Bau auch etwas?

Es ist schade, dass es im Inneren keinen Hinweis auf das historische Stadtschloss gibt. Ein Raum zur Geschichte des Ortes fehlt. Da jetzt mit dem Auszug des Landesrechnungshofs viel Fläche frei wird, hoffen wir, dass mittelfristig ein kleines Museum für die vielfältige Geschichte des Ortes im Landtag Platz findet.

Haben Sie eine Lieblingsecke?

Es ist die Front zum Alten Markt. Das Fortunaportal ist ein solcher architektonischer Bonbon und auf dem rechten Giebel stehen bereits unsere Figuren. Das motiviert mich auch weiter zu machen und weiter Geld sammeln.

Wie viele Spenden haben Sie seit 1999 eingesammelt?

Knapp 20 Prozent der Baukosten des Landtags, der ungefähr 138 Millionen Euro gekostet hat, sind es inzwischen, wenn wir die Plattner-Spenden von rund 21,7 Millionen dazu zählen. Günther Jauch spendete drei Millionen Euro für das Fortunaportal. Aus dem Verein kam etwa eine halbe Million. Dazu kommen viele Spenden zahlreicher Potsdamern, die zum Teil einzelne Figuren finanziert haben.

Sie stellen heute eine Spendenbox im Hof des Landtags auf – wofür brauchen Sie noch Geld?

Insgesamt 46 Attikafiguren, 16 Trophäen, 4 Adlergruppen und 56 Vasen sollen langfristig auf dem Dach, den Seitenflügeln des Fortunaportals und dem Portal selbst stehen.

Auf der Humboldt-Universität in Berlin stehen einige Originalfiguren. Hoffen Sie noch immer auf deren Rückkehr oder wollen sie diese kopieren?

Ich habe Schwierigkeiten den Spendern zu erklären, dass das Original in Berlin bleiben soll und nach Potsdam eine Kopie kommt. Das ist nicht vermittelbar. Aber jetzt kümmern wir uns erst einmal darum, die fehlenden Figuren zu ersetzen.

Ein neues Vereinsprojekt ist die Wiederherstellung der Engeltreppe am Steubenplatz. Wie ist der Stand?

Die Bildhauer für die Puttenfiguren sind beauftragt und wir arbeiten daran, das Gitter zu vervollständigen. Der Aufruf an die Potsdamer, ob sie noch Fragmente auf dem Dachboden haben, blieb leider erfolglos.

Bei der Aufstellung einer Figur hatten sie Ihrem Ärger Luft gemacht, über die vielen Abstimmungen, die ein ehrenamtlich tätiger Verein kaum leisten könne. Ist es nach den ersten Aufstellungen nun einfacher geworden?

Es kommt eine gewisse Routine auf. Das Prozedere und die Vorschriften bleiben gleich. Für uns bleibt die Frage der Kostenbeteiligung noch offen. Wir hoffen, dass wir nach der Landtagswahl mit der Verwaltung und der Schlösserstiftung neue Gespräche führen können und eine etwas fairere Lastenverteilung zustande kommt. Ich denke, dass jeder bei den Kosten für das Aufsetzen der Figuren etwas dazu tun sollte. Unser Verein hat sich ja nicht zur Förderung des Gerüstbauer-Handwerks und für Kranstunden gegründet.

Von Peter Degener

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