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Potsdam Interview mit Protestcamp-Organisatorin Lea Kampe (14):„Wir werden immer mehr und wir werden immer lauter“
Lokales Potsdam Interview mit Protestcamp-Organisatorin Lea Kampe (14):„Wir werden immer mehr und wir werden immer lauter“
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07:01 24.07.2019
Lea Kampe (14) aus Potsdam-West organisiert das Protestcamp der „Fridays for Future“-Bewegung vor dem Landtag in Potsdam. Quelle: Jan Russezki
Potsdam

Workshops, ein großes Konzert und jede Menge junge Menschen in Zelten. Was nach einem Festival klingt, ist ein Protestcamp der „Fridays for Future“-Bewegung, das am 26. August neben dem Landtag mitten in Potsdam aufgebaut werden soll. Was es damit auf sich hat, erklärt die 14 Jahre alte Organisatorin Lea Kampe von der Voltaire-Schule im Interview.

Wie bist Du zur Klimaaktivistin geworden?

Lea Kampe: Das war bei mir schon immer so. Schon als ich sechs war, wusste ich, dass ich mich für die Natur und Tiere einsetzen will und habe immer versucht, allen zu erklären, wie wichtig es ist, die Natur zu schützen. Am Anfang haben mich besonders die total verschmutzten Ozeane beschäftigt. Da haben wir mal in der Grundschule einen Film drüber gesehen und da dachte ich: Ich muss etwas tun, das geht so nicht weiter.

Was hast Du dann unternommen, um Natur und Tiere zu schützen?

Als ich neun oder zehn Jahre alt war, habe ich angefangen, selbst Flüsse zu reinigen. Ich habe vor allem mit einer Freundin stundenlang versucht, den Müll aus dem Schafgraben zu holen. Und seit ungefähr sieben Monaten bin ich jetzt bei der „Fridays for Future“-Bewegung und im Organisationsteam für das Protestcamp vor dem Landtag aktiv.

Ihr organisiert ein fünftägiges Camp mit Workshops, einem Konzert und einer Großdemonstration – und zwar vor dem Landtag. Wie kommt Ihr auf die Idee?

Die kommenden Landtagswahlen sind extrem wichtig. Wissenschaftler gehen davon aus, dass in fünf Jahren zu viele Kipppunkte überschritten sind, um die Klimakrise eindämmen zu können. Die Regierung, die jetzt gewählt wird, bleibt diese fünf Jahre im Parlament und wenn sie nicht massiv Klimaschutz betreibt, ist es danach zu spät. Der Landtag ist ja der Kern der brandenburgischen Politik. Dort werden die Entscheidungen getroffen. Und deswegen wollen wir dort noch mal ordentlich laut sein und uns zeigen.

Sonst demonstriert Ihr freitags vor dem Landtag. Wieso reicht das nicht mehr?

Wir wollen einfach interessant bleiben und die Leute am Ball halten. Wenn wir Woche für Woche streiken, aber in der Politik nichts passiert, dann ist es logisch, dass man sich irgendwann radikalisiert und einen Schritt weiter geht.

Präsenz zeigen reicht also nicht?

Es macht unglaublich Druck, aber das Demonstrieren reicht halt nicht. Köln hat zum Beispiel einen Dauerstreik gemacht, aber wir wollen nicht schwänzen, weil die Schule ein fester Bestandteil unserer Zukunft ist. Ich glaube, man kann auch viel bewirken, wenn man den Leuten in dem Camp näherbringt, was eigentlich gerade passiert und wenn sie auch coole Ideen mit nach Hause nehmen. Es muss sich in den Köpfen der Menschen etwas ändern.

Wie wollt ihr das tun?

Wir wollen, dass Wissenschaftler Vorträge halten, jemand den Masterplan „100% Klimaschutz bis 2050“ für Potsdam vorstellt. Und wir überlegen Zero-Waste-Workshops zu geben, wo man lernt, auch im Haushalt auf Müll zu verzichten. Man soll nicht nur zuhören, sondern auch selber etwas machen.

Ihr habt Bands wie Feine Sahne Fischfilet und Annenmaykantereit für ein Abschlusskonzert angefragt. Die einen sind politisch, die anderen beliebt. Worum geht es euch dabei?

Am Ende wollen wir noch mal zusammen sein und feiern, weil es zusammenschweißt. Das wichtigste an der Bewegung ist die Gesellschaft. Wie man sich darin fühlt und mit wem man zusammen ist, trägt ganz viel zum Klimaschutz und zum eigenen Denken bei. Man kennt oft nicht mal seine Nachbarn und es ist auch unglaublich schwer, auf der Straße jemanden anzusprechen. Die Leute sind in ihrer Kapsel gefangen.

Und da hilft die „Fridays for Future“-Bewegung?

Ja, total. Die Bewegung hat mir persönlich unglaublich viel Selbstbewusstsein gegeben. Ich war in der Grundschule immer ein kompletter Außenseiter mit meiner Meinung. Es ist ein unglaubliches Gefühl, dann so viele zu treffen, die die gleiche Meinung haben wie man selber und die für die gleiche Sache einstehen. Es ist total toll zu wissen, dass wir unglaublich viele Menschen sind. Und wir werden immer mehr und wir werden immer lauter.

So laut, dass sich etwas verändert?

Es passiert schon einiges, aber noch nicht genug. Ich bin optimistisch, dass sich was ändert, weil sich auch viele Erwachsene unseren Demos anschließen.

Was ist denn schon passiert?

Es wird über die CO₂-Steuer diskutiert, viele Städte haben den Klimanotstand ausgerufen oder Anträge dazu gestellt. Ich denke, dass es auch ein Stück weit unser Erfolg ist – aber auch von vielen anderen Klimaschutzbewegungen – dass viele Parteien den Klimaschutz jetzt stärker in ihr Wahlprogramm aufnehmen. Sie merken, dass es ein Anliegen ist, das vielen Menschen wichtig ist. „Fridays for Future“ ist eine riesige Bewegung, die es weltweit gibt. Ich denke, das hat einen Einfluss auf die Politik.

Das sind vor allem viele Wähler, die Parteien mit Klimaversprechen gewinnen können.

Ich finde es immer faszinierend, was Politiker vor der Wahl sagen und was sich dann wirklich verändert hat. Es sind super Ideen da, die dann aber nicht umgesetzt werden.

Greta Thunberg hat gerade den französischen „Prix Liberte“ bekommen, der mit 25.000 Euro dotiert ist. Was würdest du mit dem Geld umsetzen?

Ich würde gucken, wo man es in die Renaturierung von Braunkohletagebauen stecken kann. Es ist wichtig, die Gruben, wenn sie geschlossen werden, nicht einfach so zu lassen. Ich glaube, man kann auch viel in Erneuerbare Energien investieren oder auch in die Aufforstung, weil gerade so viel Wald wegbrennt.

Und was kommt nach dem Camp?

Es war die Idee, auch mal Bäume zu pflanzen oder Müll zu sammeln, aber die Kapazität fehlt. Wir fahren am Freitag mit dem Fahrrad zum Sommerkongress nach Dortmund. Das sind 480 Kilometer. Wir wollen, dass sich uns alle aus den Dörfern anschließen.

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Von Jan Russezki

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