Junge Mutter und kleine Tochter verschenken bunte Seegenssprüche
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Potsdam „Ein Segen für Dich“ – Mutter und Tochter verteilen Mutmach-Sprüche
Lokales Potsdam „Ein Segen für Dich“ – Mutter und Tochter verteilen Mutmach-Sprüche
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14:04 24.03.2020
Jane (l.) und Nalani haben Segenswünsche an die Menschen geschrieben und gemalt und verschenken die bunten Röllchen als Glückslose an Passanten vor der Haustür.
Jane (l.) und Nalani haben Segenswünsche an die Menschen geschrieben und gemalt und verschenken die bunten Röllchen als Glückslose an Passanten vor der Haustür. Quelle: Rainer Schüler
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„Deinen Füßen Tanz / Deinen Händen Zärtlichkeit / Deinen Augen ein Lächeln / Deinen Ohren ein Lied / Deiner Nase Wohlgeruch / Deinen Lippen Jubel / Damit mögest Du gesegnet sein!“ Kleine, bunte Röllchen liegen in einer offenen Schachtel auf der Außentreppe eines Barockhauses an der Kiezstraße, wie Glückslose sehen sie aus, und Glück sollen sie bringen, Segen.

Die „Losbox“ enthält Segenswünsche für die Menschen. Quelle: Rainer Schüler

„Ein Segen für Dich!“ steht auf der Schachtel, die Jane (28) und ihre kleine Tochter Nalani (3) gebastelt haben. Nalani hat A4-Blätter bemalt und Jane sie in den Drucker gelegt, um ihre eigene A4-Seite voller Segenswünsche auf die (fast noch) weißen Rückseiten der Kinderbilder zu kopieren. Das haben sie dann in kleine Abschnitte geschnitten: Ein Spruch auf der Innenseite des Röllchens, ein Teil des „Gemäldes“ außen, Klebestreifen drum, fertig. Etwa 40 Wünsche haben sich ganz unbekannte Menschen im Vorübergehen schon mitgenommen.

Erst bemalt Nalani ein Blatt Papier, dann kopiert ihre Mutter Segenswünsche auf die Rückseite, zerschneidet das Bild in kleine Sprücheteile und rollt sie zusammen. Quelle: Rainer Schüler

„Abends holen wir die Kiste rein, füllen sie mit neuen Wünschen auf und stellen sie morgens wieder raus“, sagt die Studentin von der Universität der Künste in Berlin, die gerade nicht studieren kann und ihr Fenster an der Straße dekoriert hat mit Regenbögen als Zeichen der Hoffnung, das sich vervielfältigen möge in den Fenstern Potsdams. „Es ist Corona, aber es ist auch schön“, sagt sie: „So ruhig. Die Sonne scheint; wir gehen gleich spazieren. Ich genieße die Zeit mit meinem Kind.“

Die sei evangelisch geprägt, aber kein Kirchengänger: „Es sind ein paar Bibelsprüche unter den Segenswünschen“, sagt sie: „Aber die meisten sind überhaupt nicht religiös, sondern von Goethe, Schiller, Fontane und vielen anderen.“ Von wem genau sie sind, hat sie nicht dazu geschrieben; das könne ja jeder googeln.

Regenbogen-Motive in den Fenstern laden dazu ein, auch andere Fenster in der Stadt so zu dekorieren als Zeichen der Gemeinsamkeit. Quelle: Rainer Schüler

Von Rainer Schüler

24.03.2020