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Potsdam Perspektivlos, betrunken, aggressiv
Lokales Potsdam Perspektivlos, betrunken, aggressiv
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17:12 21.01.2020
Die Verhandlung vor dem Amtsgericht findet im Justizzentrum statt. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Schwere und vorsätzliche Körperverletzung, Beleidigungen am laufenden Band, Hausfriedensbruch, räuberischer Diebstahl, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte: Die Liste der Vorwürfe gegen Bruno K. ist beachtlich und auf den ersten Blick überraschend, denn der junge Mann, der seit Dienstag auf der Anklagebank des Potsdamer Amtsgerichts sitzt, macht einen ruhigen, geradezu beherrschten Eindruck. Was indes auffällt: Alle Taten, die Bruno K. begangen haben soll, sind mit Alkohol verbunden. Laut Anklage hatte er stets mehr als zwei Promille intus. „Das ist der Alkohol, das will ich alles gar nicht“, sagt K. wieder und wieder. Bei seinen mutmaßlichen Opfern entschuldigt er sich, sagt aber auch, dass er sich an die nun angeklagten Vorfälle kaum erinnern könne.

Einem Polizisten in die Hand gebissen

Folgt man den Zeugenaussagen, dann gerät Bruno K. außer Rand und Band, wenn er getrunken hat und etwas passiert, das gerade nicht in seinen Lauf passt – dann wird er ausfällig und aggressiv. So soll er einen Autofahrer, der seinen Wagen am Bassinplatz im Halteverbot abgestellt hatte, als „Deutsches Arschloch“ und seinen Nachbarn im Plattenbau in Zentrum Ost als „Nazi, Rassisten und Idioten“ bezeichnet und ihn angespuckt haben. Im Kaufland im Hauptbahnhof habe er zudem zwei Mitarbeiter beleidigt, als die ihn wegen eines mutmaßlichen Ladendiebstahls ansprachen und ihm Hausverbot erteilten – einen der beiden soll Bruno K. auch verletzt haben, als er ihm eine mit einen Kronkorken verschlossene Flasche aus der Hand riss. Einen hinzu geeilten Polizisten (32) hat K. laut Anklage in die Hand gebissen – der Beamte trug zwar schnitt- und stichfeste Spezialhandschuhe, zog aber trotzdem eine Blessur am Mittelfinger davon. Er verlangt nun 500 Euro Schmerzensgeld.

Mit dem Cuttermesser in den Hinterkopf geschnitten

3000 Euro stehen im Fall von Cem K. (24) im Raum: Der Student wird die Wunden, die ihm Bruno K. am Dönerimbiss am Hauptbahnhof mit einem Cuttermesser zugefügt haben soll, ein Leben lang tragen – drei dicke Narben ziehen sich über den Hinterkopf. Cem K. hatte den Angeklagten nach Marihuana gefragt – der verneinte, man geriet in Streit, fand sich vor der Tür wieder. „Er hat mein Leben mit einer Rasierklinge zerstört“, sagt Cem K. – die Notärzte haben mit mehr als 20 Stichen genäht.

Mit dem Flaschenhals in den Bauch gestoßen

Auch auf Maik E. (43) soll der Angeklagte losgegangen sein. Maik E. – Bomberjacke, Tunnel im Ohr, geschorener Schädel – kehrte mit einem Kumpel in einem Babelsberger Bistro ein, als er auf Bruno K. traf. Laut Anklage soll der die beiden als „Scheiß Nazis“ beschimpft und Maik E. mit den Worten „Ich schlitz dich auf“ mit einem abgebrochenen Flaschenhals am Bauch verletzt haben. So genau erinnere er sich nicht mehr, meint Maik E. vor Gericht – er habe eine Art Filmriss. Bruno K. habe ihn zunächst mit „Mein Bruder, mein Bruder“ angesprochen. Er habe ihm aber klar gemacht, dass er nicht „sein Bruder“ sei und ihn links liegen gelassen – da sei er schon zusammengesackt und erst im Krankenhaus wieder zu sich gekommen.

Der Angeklagte sagt, er habe sich aus Sorgen und Stress betrunken

Bruno K. sagt, er habe sich aus Sorgen und Stress betrunken, er habe die Wohnung verloren und den Platz in der Einstiegsqualifizierung für eine Lehre. Bruno K. stammt aus Kamerun und ist seit Ende 2014 in Deutschland. Sein Alter ist fraglich: In den Unterlagen finden sich zwei Geburtsdaten, nach denen er heute entweder 22 oder 25 Jahre alt ist. Das Alter eines Angeklagten ist insofern wichtig, als dass für Heranwachsende bis 20 Jahre das Jugendstrafrecht gilt – einige der Taten, die Bruno K. vorgeworfen werden, haben sich in dem für ihn günstigeren Zeitfenster ereignet. – Der Prozess wird am 30. Januar fortgesetzt.

Von Nadine Fabian

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