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Potsdam Kaiser-Familie im Netz der Bürokratie
Lokales Potsdam Kaiser-Familie im Netz der Bürokratie
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20:36 25.02.2014
Der heutige Chef der Hohenzollern: Georg Friedrich Prinz von Preußen und seine Frau Sophie Prinzessin von Preußen.
Der heutige Chef der Hohenzollern: Georg Friedrich Prinz von Preußen und seine Frau Sophie Prinzessin von Preußen. Quelle: Jens Kalaene
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Potsdam

Schuld ist, so hört man aus dem Amt zur Regelung Offener Vermögensfragen in Beeskow (Oder-Spree), ein Treppenwitz der Bürokratie: Wer Anträge stellte, konnte das 1990 nur während dreier Monate im Sommer tun. Wer sich im Juli meldete, hatte gute Chancen auf vergleichsweise zügige Bearbeitung. Wer allerdings einen Eingangsstempel von Anfang Oktober auf seinem Antrag hatte, musste im ungünstigen Fall zehn Jahre länger warten. Denn bearbeitet wurde in der Regel nach der Reihenfolge der Antragsstellung. Sozialfälle zog die Behörde vor - und dazu gehörten die Hohenzollern definitiv nicht.

Zahlreiche Liegenschaften und Immobilien sind den Hohenzollern allein in Potsdam nach 1945 weggenommen worden. MAZonline zeigt einige der Grundstücke, die einst Hohenzollern-Besitz waren.

Das Finanzministerium nennt noch andere Gründe dafür, dass erst 20 Jahre nach dem Tod des Antragsstellers über sein Begehr entschieden wird: Der Antrag auf Rückübertragung der Immobilien, den die Kaiser-Nachfahren gestellt hatten, habe erst bearbeitet werden müssen - bekanntlich wurde er abgelehnt. "Zudem waren zu einer Vielzahl von Vermögenswerten aufwändige Ermittlungen durchzuführen", sagt Ministeriumssprecher Thomas Vieweg. Insbesondere die Recherchen zur Frage, ob die Rolle der Hohenzollern bei der Festigung von Hitlers Macht einer Ausgleichszahlung im Wege stünde, sei "sehr umfangreich" gewesen.

Die Hohenzollern waren seit dem 15. Jahrhundert im Gebiet Brandenburgs aktiv, sie stellten später deutsche Könige und Kaiser. Heute hat die einstige Herrscherfamilie keine politische Macht mehr. Gegenwärtiges Oberhaupt der Hohenzollern ist Georg Friedrich Prinz von Preußen, der eine enge Beziehung zu Potsdam hat.

Wie berichtet, hat das Amt zur Regelung Offener Vermögensfragen im Januar in einer Stellungnahme an den Bund die Summe von 1,2 Millionen Euro als gerechtfertigt genannt. Das entspricht rund fünf Prozent des Immobilienwertes, den die Schlösser und Villen, Äcker und Landgüter 1990 laut Behörde hatten. Sie alle waren nach dem Krieg von den sowjetischen Besatzern enteignet worden. Zu den Bauwerken gehören auch Krongut Bornstedt, Schloss Lindstedt, die Villa Ingenheim, Schloss Rheinsberg, das ehemalige Hans-Otto-Theater in der Zimmerstraße und anderes.

Von Ulrich Wangemann

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